Schaulager

Die hohe Kunst, der Kunst ihr Leben zu sichern

Peter Fischli / David Weiss: Tisch (1992–1993), Tisch und Gegenstände aus Polyurethan, geschnitzt und bemalt, Emanuel Hoffmann-Stiftung, Depositum im Kunstmuseum Basel© Peter Fischli / David Weiss, Foto: Tom Bisig, Basel

Peter Fischli / David Weiss: Tisch (1992–1993), Tisch und Gegenstände aus Polyurethan, geschnitzt und bemalt, Emanuel Hoffmann-Stiftung, Depositum im Kunstmuseum Basel© Peter Fischli / David Weiss, Foto: Tom Bisig, Basel

Im Schaulager wird die für die Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung wichtige Restaurierungs- und Konservierungsarbeit selbst geleistet.

Forschen, also das Vordringen in neue, noch nie begangene Gebiete, das muss auch leisten, wer Kunst restaurieren und konservieren will. Wie verpackt man zum Beispiel die Installation «Tisch» von Peter Fischli und David Weiss mit seinen 747 Objekten für den Transport ins Solomon R. Guggenheim Museum in New York – also nach Übersee? Keines der aus Polyurethan detailgenau handgefertigten Alltagsobjekte darf auf dem langen Flug Schaden nehmen, es darf beim Kunststoff zu keinen chemischen Reaktionen kommen – wegen rapider Temperaturveränderungen zum Beispiel. Polyurethan ist empfindlich, vor allem lichtempfindlich.

Akribische Erfinderarbeit

Marcus Broecker, Restaurator des Schaulagers, ist verantwortlich für die auf Reise gehenden Kunstobjekte und kreiert dafür ein komplexes Transportsystem. Die 747 Objekte werden in klimatisierten Holzkisten mit eingebauten Schubladen transportiert. Das ist noch nicht das Neue des Systems. Aber die Grösse der Kisten muss stimmen. Sie müssen im Flugzeug Platz haben und durch die Tore des Guggenheim passen. Die eigentliche Tüftelarbeit liegt darin, wie jeder einzelne Gegenstand so in der Schublade verpackt wird, dass er keinerlei Schaden nehmen kann. Die Schubladen werden mit einem Schaumstoff, einem thermoplastischen Kunststoff, ausgelegt. Darin wird für jedes Stück mit Wärme die Negativform geschnitzt und diese noch mit einer weichen Folie ausstaffiert. Damit die Objekte sanft und ohne jeglichen Druck von oben, unten oder von der Seite in der Schublade liegen. Das ist eine akribische, aufwendige Arbeit, die Broecker und sein Team leisten. Fünf Wochen haben sie daran gearbeitet.

Die Schubladeneinlagen aus Schaumstoff mussten fertig sein, bevor «Future Present» – die Ausstellung der Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung – im Schaulager eingerichtet worden ist. Denn nach dem 31. Januar, wenn die Ausstellung zu Ende ist, «haben wir nur einen Tag Zeit, die 747 Objekte zu verpacken», merkt Broecker an. Dann folgt der Transport nach New York. Allein die Kisten werden noch gefertigt.

Neue Kunst als Herausforderung

Auch die Restaurierung der Installation «Tisch» ist für Broecker eine Herausforderung. Gleich einem Chemiker musste er die genaue Beschaffenheit und die Eigenheiten von Polyurethan studieren. Die etwa 10 bis 15 Objekte, die nicht bemalt sind, beginnen schnell zu bröseln. Denn der Kunststoff ist äusserst lichtempfindlich. Er muss eine spezielle Methode wählen, diesen Zersetzungsprozess zu stoppen. Er besprayt sie mit einem speziellen Aerosol-Nebel. So lässt sich der Kunststoff festigen, ohne sich zu verändern.

Jede Installation der Gegenwartskunst erfordert eine eigene Materialforschung, damit die Werke fachgerecht konserviert werden. Fotografie, Videokunst, digitale Kunst, jedes Medium verlangt einen seinem Material entsprechenden konservatorischen Zugriff. Bei der Malerei kann Broecker auf die lange Tradition der Konservierung und Restaurierung bauen – bei neuen Medien und Materialien ist das nicht immer möglich.

Auf Broeckers Arbeitstisch liegen noch Kunstwerke, die er für die Ausstellung behandeln muss. Zwei wundervolle kleine Chagall-Bilder, «Das gelbe Kalb» und «Der blaue Esel», erhalten einen neuen Holzrahmen. Und die Farben, müssen diese an Bildern der Moderne ausgebessert werden? «Nein», antwortet Broecker. Sie sind von hoher Qualität und einem guten maltechnischen Aufbau geprägt, sodass die Bilder keine restauratorischen Eingriffe brauchen.

Für die Konservierung der Werke der Stiftung, die das Kunstmuseum Basel beherbergt und normalerweise ausstellt, ist auch das Museum verantwortlich. Doch geschehe dies selbstverständlich in Absprache mit dem Schaulager. Aber der grosse Teil der Sammlung, der fest im Schaulager seinen Platz hat, wird hier konserviert.

Im Dienst der Öffentlichkeit

Da erfüllt die private Emanuel Hoffmann-Stiftung und die das Schaulager leitende Laurenz-Stiftung von Maja Oeri Arbeiten und Tätigkeiten im Dienste der Öffentlichkeit. Denn, was hier an Schätzen beherbergt und gepflegt wird, das kommt nicht allein der öffentlichen Kunstforschung (siehe unten), sondern der gesamten Öffentlichkeit zugute – gerade, weil hier mit grosser Kenntnis und Sorgfalt und umfassendem Wissen gearbeitet wird.

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