Sachbuch

Die feinen Unterschiede im Requiem – oder wie der Tod aus der Musik spricht

Urs Stäuble.

Urs Stäuble.

Wie tönt der Tod? Und wie haben ihn Musiker umgesetzt. Der Aargauer Musiker und Dirigent Urs Stäuble hat anhand von acht Requiems den Tod in der Musik auf 500 Seiten dargestellt. Gut zu lesen, auch für Nicht-Fachleute

Es ist ein gewichtiges Werk, das der Aargauer Musiker und Dirigent Urs Stäuble geschrieben hat. Fast zwei Kilo bringt es auf die Waage, über 500 Seiten sind es, und auch durch sein Format macht es im Büchergestell auf sich aufmerksam. Noch wichtiger als diese Äusserlichkeiten ist jedoch das Thema, dessen sich der Autor angenommen hat: der Tod in der Musik.

«Auf dass wir klug werden: Ein Thema und acht Variationen», so lautet der Titel des Werks. Urs Stäuble befasst sich mit dem Requiem und beleuchtet dabei Werke der Komponisten Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi, Johannes Brahms, Antonin Dvorak, Gabriel Fauré und Hermann Suter. Es sind alles Werke, die Stäuble mit verschiedenen Chören im Laufe seiner musikalischen Laufbahn einstudiert und aufgeführt hat.

Viele Notenbeispiele

Diesen Variationen stellt Stäuble eine Abhandlung über das gregorianische Requiem voran. Dabei erklärt er, wie das Requiem entstanden ist und wie es aufgebaut ist. Seine Ausführungen untermalt er mit Notenbeispielen.

Überhaupt bilden Notenbeispiele einen wichtigen Teil des Buches. Glücklich, wer Noten lesen oder die Beispiele gar auf dem Klavier nachspielen kann, denn sie machen das Thema plastischer, eröffnen einem die Welt der Musik. Denn wie Stäuble selber im Vorwort schreibt, tut sich die Sprache schwer mit dem Beschreiben von Musik.

Das Buch ist aber nicht nur für Menschen interessant, die Noten lesen können. Auch wer die Werke von Aufnahmen oder aus Konzerten kennt, kann dank Stäubles Analysen noch tiefer in diese eintauchen. Minutiös zeigt er zum Beispiel Parallelen zwischen der Musik von Händel und dem Requiem von Mozart auf oder erklärt, was die Textabweichungen in Faurés Offertoire gegenüber der gregorianischen Vorlage bewirken. Dabei bleiben auch Fragen offen. Zum Beispiel fragt Stäuble: «Will Fauré durch das Weglassen des ‹omnium fidelium› erreichen, dass alle Verstorbenen, auch die nichtgläubigen, befreit werden?»

Da jedem Tod ein Leben vorangeht, hat der Autor jeder Musikanalyse eine Teilbiografie des Komponisten vorangestellt. Stäuble nennt sie «biografische Skizzen». Sie zeigen jeweils das Leben der Komponisten bis zur Entstehung ihres Requiems. Diese Skizzen sind gut verständlich geschrieben, immer wieder mit Quellentexten – zum Beispiel Auszügen aus Briefen – ergänzt und oft durchaus amüsant zu lesen.

Das Buch von Urs Stäuble spricht alle Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber an. Um insbesondere die Notenbeispiele und die Analysen zu verstehen, sind musikalische Grundkenntnisse von Vorteil. Das Buch ist von Claudius Fischer, Marianne Pedeste, Corinne Weber und Nicolas Koller klar und ansprechend gestaltet und gesetzt.

Urs Stäuble Auf dass wir klug werden: Ein Thema und acht Variationen; Books on Demand GmbH, Norderstedt, ISBN 978-3-9522448-1-4, gebunden, 568 Seiten, Fr. 129.–.

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