Im Titel setzt er ein Ausrufezeichen: «Verschwörung!» Im Untertitel geht er aufs Ganze: «Die fanatische Jagd nach dem Bösen in der Welt». An den Anfang stellt er eine Gebrauchsanleitung: «Die Kapitel dieses Buches folgen einem roten Faden. Allerdings lassen sich einzelne Kapitel auch überspringen, ohne dass der Kontext in störender Weise verloren geht.» Dieser Tipp ist bei der Lektüre der 192 Seiten tatsächlich hilfreich.

Seine Stärken zeigt Schawinski in den Kapiteln mit Schweiz-Bezügen, die er mit eigenen Recherchen vertieft. Im Kapitel über Doktor Daniele Ganser zeigt er auf, wie schwach dessen Doktorarbeit ist und wie sich sein Doktorvater Georg Kreis von ihm distanziert. Im Kapitel über Sekten und deren Parallelen zu Verschwörungsszenen illustriert er am Beispiel des Sekten-Experten Hugo Stamm, wie heftig Kritiker persönlich angegriffen werden. Und im Kapitel über Verschwörungsfans beschreibt er, wie sogar Gebildete, zum Beispiel ein Zürcher Arzt, exzessiv Online-Kommentare posten. In diesen Kapiteln liefert Schawinski bisher nicht bekannte Hintergründe.

Die analytischen Kapitel über die Lage der Welt hingegen kann man in erhöhtem Tempo durchblättern. Der Versuch, die Verbreitung von Verschwörungstheorien in einen grossen Zusammenhang zu stellen, ist zwar mutig. Über Lügenmedien, das Internet oder Donald Trump gewinnt man bei Schawinski aber keine Erkenntnisse, die nicht schon in Tageszeitungen zu lesen waren. Wer diese verpasst hat, erhält einen Überblick.