Architekturforum

Die Angst des Architekten vor Kritik

Zeitdokument der klassischen Moderne: Das Touringhaus an der Bielstrasse in Solothurn.

Zeitdokument der klassischen Moderne: Das Touringhaus an der Bielstrasse in Solothurn.

Celine Bessire, Didier Balissat und Matthias Winter geben seit Kurzem die Architekturzeitschrift «Delphi» heraus. Sie stellten diese in englischer Sprache erscheinende Publikation am Salvisbergtisch im Touringhaus vor.

Die Zeitschrift soll kein bestimmtes Architekturbild vermitteln, sondern zur Diskussion, selbst zum Widerspruch anregen. Hinter dem Namen stecken verschiedene Überlegungen. Einesteils darf das klassische Delphi als eine vollkommene Stadt der Antike betrachtet werden.

Anderseits ist es durch das Orakel auch zu einem Ort des Austausches und der Besinnung geworden. Die Herausgebenden gehören einer Generation an, welche bemüht ist, den Graben zwischen der Ausbildung und der realen Praxis überbrücken zu helfen. Sie haben deshalb eine Anzahl junger Architektinnen und Architekten filmisch interviewt. Einige Jahre nach dem Studienabschluss sind sie immer noch auf der Suche nach ihrem Selbstverständnis, nach einer eigenen Handschrift. Die jungen Leute berichten offen von ihren Ängsten und ihren Hoffnungen. Einige wurden an ihrem Arbeitsplatz, andere an verschiedenen Standorten in der Stadt Zürich interviewt. Der aus dem Tessin stammende Hermes Killer stand auf einer Zugfahrt zwischen Solothurn und Zürich Red und Antwort.

Ihr Medium ist das Projekt

In der anschliessenden, äusserst rege geführten Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, ob Sprache überhaupt ein Medium sei, der Architektur gerecht zu werden, denn ein Projekt kann kaum in Worte gefasst werden. Im Vorfeld dieses Anlasses wurden Architekten aus Solothurn gezielt angeschrieben, damit sie ihre Projekte vorstellen könnten. Es gab keine Rückmeldungen. Selbst das Kollektiv «Marudo», welches den Wettbewerb für den Kindergarten beim Schulhaus Brühl gewonnen hat, hat kurzfristig abgesagt.

Dazu meinten die anwesenden Architekten, dass sie mit der Vorstellung eines Projektes sehr viel von sich selber preisgeben müssten. Es sei jedoch eine typisch schweizerische Eigenschaft, sich nicht selber auszustellen. Alle Arbeiten von Architekten seien in irgendeiner Form öffentlich. Deshalb sei es verständlich, dass der Schaffensprozess an einem Projekt möglichst in einem geschützten Rahmen passieren soll. Einer der anwesenden Architekten gab auch offen zu, dass er nicht zuletzt deshalb kein Projekt präsentieren wollte, weil er fürchtete, durch Kritik verletzt zu werden.

Solothurner Architektin an ETH

Wie bereits erwähnt, gehört Celine Bessire zum Herausgebertrio von «Delphi». Sie ist in Solothurn aufgewachsen, hat an der ETH studiert und eine Zeitlang in Zürich ihren Beruf ausgeübt. Didier Balissat und Matthias Winter sind Studienkollegen von ihr und alle drei haben eine Zeit lang in Genf im Büro «Made in» gearbeitet. Jetzt leben sie wieder in Zürich.

Celine Bessire und Matthias Winter haben eine Assistenzstelle an der ETH, Didier Balissat eine an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz. Celine Bessire hat kürzlich ein Wohnhaus in Oberdorf fertiggestellt, welches am kommenden Donnerstag (12. Juli) besichtigt werden kann.

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