Dichter streiten um den Whisky

Zehn Poeten präsentierten bei der regionalen Ausscheidung der Argovia-Poetry-Slam-Tour im Theater am Bahnhof in Reinach ihre selbst geschriebenen Texte. Die beiden Tagesfinalisten messen sich am 11. Dezember in Lenzburg mit den weiteren Regionalsiegern.

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Slam Poetry in Reinach
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Slam Poetry in Reinach

Aargauer Zeitung

Markus Christen

Eine sehr freie Übersetzung von Poetry-Slam könnte etwa lauten: Gedicht mitten ins Gesicht. Der Poetry-Slam ist ein Poesie-Wettbewerb, in dem sich meist jugendliche Autoren in einem Wettstreit gegenüberstehen, und entstand vor über zwanzig Jahren in den USA als Reaktion auf zu biedere Dichterlesungen. Deren Publikumswirkung hielt sich teilweise dermassen in Grenzen, dass man sich entschloss, die Zuhörer müssten mit überschwappenden und übergeschnappten Darbietungen aus ihrem narkotischen Absorptionsstadium während der Vorlesungen befreit werden.

Seit jenen Ursprungsjahren erfreuen sich die dichterischen Wortgefechte einer immer grösseren Beliebtheit. Im deutschsprachigen Raum gibt es mittlerweile unzählige Wettkämpfe, die das Publikum entzücken, zu unbändigem Gelächter hinreissen und für eine wertvolle Zeit in die chaotischen Gesetzmässigkeiten der Fiktion entrücken.

Hinweis

Argovia-Poetry-Slam-Tour Das Finale findet am Freitag, 11. Dezember, um 20.30 Uhr im ehemaligen Kosthaus Hero in Lenzburg statt.

Harte Konkurrenz am Start

Im diesem Jahr veranstaltet das Radio Argovia zusammen mit dem Müllerhaus Lenzburg und Tele M1 die zweite Argovia- Poetry-Slam-Tour. In vier regionalen Wortschwallwettstreitereien werden die erfolgreichsten acht Slam-Poeten ermittelt, die sich am Finale in Lenzburg präsentieren dürfen.

Die Voraussetzungen, den Sieg einheimsen zu können, waren in Reinach denkbar schwierig. Unter den zehn angetretenen Dichtern befanden sich sechs Finalisten des Argovia-Poetry-Slam 08 und stellten sich der Benotung von sieben zufällig aus dem Publikum ausgewählten Jurymitgliedern.

Die Texte offenbarten sich als existenzialistische Denkdehnübungen und ergossen sich über vermeintlich peinliche Alltagsbanalitäten. Drei Runden in einem zunehmend ausgedünnten Konkurrenzfeld waren für Remo Rickenbacher zu überstehen, bis er kurz nach 23 Uhr den Siegespreis von einer Flasche fünfzehnjährigem Whisky in die Höhe stemmen durfte. Ein wahrhaftig gerechter Lohn für die hervorstechendste aller geschundenen Dichterseelen.

Rickenbacher überzeugte die Jury unter anderem mit seinen biografischen Anekdoten über die Lebenskrise einer Bio-banane. Nur knapp war allerdings sein Schlussvorsprung auf Lisa Christ, in deren Erstrundenvortrag die mediale Ausschlachtung der Schweinegrippe und der Minarett-Initiative aufs Korn genommen wurden. In der Schlussrunde zeigte Christ, was Poetry-Slam eben auch sein kann, nämlich die poetisch-nachdenkliche Auseinandersetzung mit den allzumenschlichen Gedankenwirrungen.

Nicht ins Finale geschafft hat es der letztjährige Gewinner der Argovia-Poetry-Slam-Tour,
Simon Libsig, trotz seiner grandiosen «homo faberschen» Betrachtung eines wochenendlichen Barbesuches.

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