Dialog ohne Hemmschwellen

Dialog ohne Hemmschwellen

Dialog ohne Hemmschwellen

Im Alten Schützenhaus Zofingen stellen Anita Mendler und Ueli Sager ihre Werke ohne Raumgrenzen einander gegenüber. Der Dialog der Kunstwerke funktioniert.

Sabine altorfer

Eigentlich kann man sich eine Doppelausstellung von Anita Mendler und Ueli Sager nur als ein Neben- und nicht als ein Miteinander vorstellen. Die beiden Aargauer Kunstschaffenden haben es im Alten Schützenhaus Zofingen aber gewagt – und es funktioniert. Friedlich. Der Dialog passiert ohne Hemmschwellen, eher ergänzend als streitend.

Das mag daran liegen, dass beide Werke in sich schon breit gefächert sind. Von der Malerin Mendler gibt es auch Zeichnungen und bemalte Schachteln, vom Wort-Bild-Tüftler Sager aber auch übermalte Zeitungsseiten, die als Gemälde getarnt erscheinen. Es gibt daher sogar Situationen, wo man sich fragt: Von wem ists? Wenn Anita Mendler in «Migrostiernetz» über eine Fotocollage von Tierbildern enge farbige Streifen malt, die den Bildgrund fast abdecken, nähert sie sich Ueli Sagers Collagen. Dessen «Sinn Ende» andererseits spielt weniger mit dem Wort als vielmehr mit Strukturen innerhalb der monochrom aufgebauten Fläche und reklamiert so malerische Präsenz. Doch im Normalfall ist die Autorenschaft sehr klar, der Ansatz eigenständig.

Anita Mendler liebt die vielschichtige Malerei, die in den kleinen Formaten durch die Übermalungen, das Übereinanderlagern von einzelnen Pinselstrichen Dichte erreicht und doch gegenständlich bleibt. Schön ist die Serie von Acryl-Bildern im Parterre, auf denen Mendler Gegenstände andeutet, sie als Inseln im malerischen Umfeld einbettet. Ihre Grossformate dagegen wirken vor allem auf Distanz, aus der Nähe betrachtet löst sich die Brillanz, verschwindet die räumliche Tiefe und vermag das Malerische die Fläche kaum zu halten.

Bei Ueli Sager sind es der Humor, sein Ideenreichtum und die Leichtigkeit, mit der er Festgefügtes demontiert, die faszinieren. Wortspiele als popfarbige Schnitzereien oder übermalte Schachteln muss man nicht weiter hinterfragen. Witzig kommen bemalte, zerknüllte Büchsen daher, auf denen der Schriftzug «Blech» Dekor und Inhaltsangabe zugleich ist. Hintersinnig und spannend wird es bei seinen Décollagen: Bei Zeitungsfotos von berühmten Kunstwerken lässt er durch leichtes Anreissen des Papiers Textfragmente der Hinterseite durchscheinen und kombiniert das mit aufgeklebten Textschnipseln oder Pinselstrichen, sodass eine Neuinterpretation entsteht.

Anita Mendler und Ueli Sager «dieses und jenes». Altes Schützenhaus Zofingen, bis
14. März. Buchmatinee: So, 28. Februar,
11 Uhr. www.kunsthauszofingen.ch

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