Verklumpen und verstummen würde die Sprache dort, wo er herkomme, schreibt Lukas Bärfuss in seinem Roman «Koala». Alles, was «geschmeidig, anmutig oder gebildet erscheinen könnte» werde vermieden. Offenbar stimmt das nicht ganz. Denn beim, in ebendieser Heimatstadt geborenen und herangereiften, Bärfuss klumpt so gar nichts.

Klar, der 43-jährige Autor und Dramatiker ist kein eifriger Bauscher barocker Sätze, seine Sprache ist schnörkellos und klar. Aber sie trifft. Trifft nunmehr seit sechzehn Jahren auf Theaterbühnen, zwischen Buchdeckeln, trifft auf Zeitungsseiten und auch auf Podien zielgenau Tatsachen und wohl auch einige Wahrheiten unserer Zeit.

Vielleicht ist das so, weil diese Sprache keine antrainierte Rhetorik vor sich herträgt. Ihr gehen die Gedanken, geht das Leben voraus. Nach neun Jahren hatte Lukas Bärfuss die Primarschule verlassen, arbeitete als Gärtner, Eisenleger und führte eine Buchhandlung. Ein Leben mit beiden Beinen auf dem Boden, statt mit dem Kopf in hochtrabenden Worten. Als er 2001 die Theatergruppe 400asa mitbegründete, ist deren erklärtes Ziel, ein Theater jenseits des schönen Scheins zu machen. Das Publikum solle es sich nicht zwischen zwei Cüpli im Theatersessel gemütlich machen, sondern zum Nachdenken angereizt werden.

Durchbruch kam 2000

Im Jahr 2000 kam der Durchbruch mit dem Stück «Meienbergs Tod» (über den Schweizer Autor Niklaus Meienberg, der sich das Leben genommen hatte). Grossen Erfolg feierte drei Jahre später das Drama «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern». Die Anbindung ans Leben, an die Fragen der Zeit, blieb. Auch in den Büchern, die Lukas Bärfuss ab 2002 schrieb. So handelt der Roman „Hundert Tage" (2008) von fehlgeleiteter Schweizer Entwicklungshilfe in Ruanda. Und «Koala» (2014) diskutiert den Selbstmord in unserer Gesellschaft.

Diese Grundhaltung, dass Literatur immer mit dem Leben zusammenhänge, gab der Jury des Solothurner Literaturpreises den Ausschlag, Lukas Bärfuss zum diesjährigen Preisträger zu machen. «Mit grosser Hartnäckigkeit, Schärfe und hoher Sensibilität fragt Lukas Bärfuss nach der Verantwortung von uns allen und sucht in seinen Texten nach dem, was den Menschen zum Menschen macht», schreibt sie in ihrem Communiqué.

Die dreiköpfige Jury aus Hans Ulrich Probst (Vorsitz), Christine Tresch und Beat Mazenauer zeichnet den Autor für sein bereits «beachtliches Oeuvre» aus.

Dieses umfasse eine Novelle, zwei Romane, siebzehn Theaterstücke und daneben verschiedene Essays. Zudem habe der Autor sich „als eine der wichtigsten Stimmen im aktuellen Diskurs um die Entwicklung der Schweiz profiliert». Traditionell wird der Solothurner Literaturpreis nicht für eine einzelne Publikation verliehen. Vielmehr zeichnet er ein gesamtes Oeuvre aus. Im Fall von Lukas Bärfuss kann man behaupten: 2014 ehrt der Preis nicht bloss ein Lebenswerk, sondern genau genommen ein Werk des Lebens.

Die öffentliche Preisverleihung an Lukas Bärfuss findet am Sonntag, 1 Juni, um 17 Uhr im Landhaussaal in Solothurn statt, mit einem anschliessenden Apero.