«Der Schiffbau bringt uns jährlich einen Fehlbetrag von mindestens 700 000 Franken», sagte Bruno Bonati, Verwaltungsrats-präsident der Schauspielhaus Zürich AG, gestern vor den Medien. Er folgerte: «Wir müssen Theater- und Immobilienbereich trennen, damit das Theater weiss, wie viel Geld für die Kunst vorhanden ist.» Das Schauspielhaus könne es sich schlichtweg nicht leisten, weiterhin Eigentümer des Schiffbaus zu bleiben. Direktion und -Verwaltungsrat favorisierten daher eine Lösung, in der das Schauspielhaus künftig Mieter des Schiffbaus sei.

Bank als Investor?

Wie diese Lösung aussehen soll, skizzierten Stadtpräsident Elmar Ledergerber und Martin Vollenwyder, Finanzvorstand der Stadt Zürich: Der Schiffbau soll verkauft werden. Offen ist noch, an wen. Die Stadt Zürich kommt als Käuferin laut Ledergerber nicht infrage. Ein Kauf der mit 52 Millionen Franken bewerteten Liegenschaft «würde vom Gemeinderat nicht goutiert und wäre bei einer Volksabstimmung schwierig durchzubringen», erklärte der scheidende Stadtpräsident.

Stattdessen setzt der Stadtrat primär auf eine noch zu gründende unabhängige Trägergesellschaft. Private müssten dabei laut Ledergerber einen zweistelligen Millionenbetrag aufbringen. Erste Gespräche mit einer «grossen hiesigen Bank» hätten bereits stattgefunden. Die Stadt Zürich würde 51 Prozent der Gesellschaft besitzen.

Als zweite Möglichkeit sieht man bei der Stadt die Gründung einer Tochtergesellschaft des Schauspielhauses als Schiffbau-Trägerschaft. Diese Variante hätte allerdings eine höhere Zinsbelastung zur Folge und wäre daher weniger wirtschaftlich. Zudem blieben die Risiken beim Schauspielhaus.

Bis September, wenn die neue Schauspielhaus-Intendantin Barbara Frey antritt, soll laut Ledergerber eine tragfähige Lösung vorliegen. Die Stadt werde unterdessen weiter mit möglichen Kapitalgebern verhandeln.

Ledergerber stellte klar: «Wir wollen den Schiffbau weiterhin auch als Theaterort.» Laut Frey sind Theaterproduktionen im bisherigen Ausmass vorgesehen. Allerdings soll eine professionellere Immobilienbewirtschaftung die Erträge aus Fremdvermietungen von bisher 250 000 bis 300 000 Franken auf 330 000 Franken jährlich steigern.

Mehr Subventionen

Steigen sollen auch die Subventionen, und zwar um jährlich 700 000 Franken, wie Ledergerber auf Anfrage sagte. Eine entsprechende Vorlage ans Stadtparlament will der Stadtrat bis zu den Sommerferien ausarbeiten. Das Geld ist nötig, um die Folgekosten des Streiks am Schauspielhaus und die damit verbundenen Lohnanpassungen zu finanzieren. Derzeit zahlt die Stadt Zürich pro Jahr 32 Millionen Franken Subventionen ans Schauspielhaus.