Er ist erst 17. Das heisst, die Whiskyflasche, die es an einem Poetry Slam zu gewinnen gibt, dürfte er eigentlich noch gar nicht annehmen. Da kommt es Max Kaufmann grad recht, dass er in dieser Saison mehr Pokale und Lorbeerkränze gewonnen hat als Whiskys.

Der Allschwiler blickt auf erfolgreiche Monate zurück. Zwei kantonale Titel und als Krönung noch Schweizer Meister in der Kategorie U20. Diesen Titel holte er sich im Casinotheater Winterthur, auch zur eigenen Überraschung: «Ich fühlte mich nicht wirklich fit an dem Tag, es kostete mich Überwindung, in den Zug zu sitzen.»

Doch es kam gut, kam gut an, sein Text über eine unerfüllte Liebe, voller Schmerz, Humor und Selbstironie: «Es brucht a jedere Party en Quote-Ginger», sagt er an einer Stelle im Text, eine Anspielung auf seine Haarfarbe. Ernsthafte Themen und Erfahrungen aus seinem jungen Leben bringt er gewitzt auf die Bühne.

Nicht immer kann er damit abräumen: Kürzlich strafte ihn eine Publikumsjury in Liestal mit einer durchschnittlichen Note ab, für den gleichen Text, der ihm den Schweizer-Meister-Titel einbrachte. «Es kommt nie so, wie man es erwartet, das macht Slams auch so spannend», sagt Kaufmann.

Fan von Rhythmik und Sprache

Auf den Geschmack kam er 2014, als die Schweizer Meisterschaften in Basel stattfanden. Seine Eltern nahmen ihn, damals 14, mit. «Mir gefielen die Slam-Texte, die Geschichten, die Sprache, die Rhythmik.» Schlagzeug war damals schon sein Hobby, in der Nacht spielte er erstmals selber mit der Rhythmik der Sprache und begann, inspiriert von den Darbietungen, einen ersten Text zu schreiben. Es ging ums Gameverhalten von Jugendlichen und wie Eltern darauf reagierten. Mittlerweile hat der Gymschüler (Oberwil, Schwerpunkt Mathe und Physik, weil er Deutsch und Geschichte nicht wählen konnte) 15 Slam-Texte geschrieben.

Slams sind zu seinem grössten Wochenendvergnügen geworden. «Nach einer Woche Schule in den Zug zu sitzen und in andere Städte zu fahren für einen Auftritt ist aufregend und hat etwas Befreiendes», sagt er. Manchmal sei es aber auch anstrengend, das Reisen, vor allem aber die Geburt eines Textes. Diesen Prozess kannte er schon aus nächster Nähe, ehe er selber schrieb: Seine Mutter, Sandra Hughes, ist Schriftstellerin.

Wohin ihn die Reise als Slampoet führt, kann er noch nicht sagen. Im weiten Feld des Internets hat er noch nicht so viele Spuren hinterlassen, Videoaufnahmen von Auftritten finden sich kaum. Darüber sei er nicht unfroh, sagt er und erinnert sich an seinen ersten U20-Final, 2015, als er plötzlich vor 500 Leuten im Zürcher Schiffbau stand, völlig nervös ins Stottern kam. Kein Auftritt für die Ewigkeit. Wo er heute steht, als junger Meister, davon kann man sich im Mai bei zwei Heimspielen ein Bild machen.

29. Slam Basel Freitag, 4. Mai, 20.15 Uhr. SUD, Burgweg 8, Basel.
U. a. mit Max Kaufmann, Simon Libsig, Anges Maier.

Viertel Slam Di, 22. Mai, 19 Uhr. Das Viertel, Münchensteinerstr. 81, Basel.
U. a. mit Max Kaufmann, Kilian Ziegler.