Karin Iseli-Trösch

«Wer Theater spielt, nimmt viel Arbeit auf sich, um anderen Leuten eine Freude zu bereiten», sagt Hans-Rudolf Siegenthaler, Präsident des Theaterteams Herzogenbuchsee. Zusammen mit dem vor einiger Zeit verstorbenen Max Stebler und ein paar anderen Liebhaber der Laienschauspielerei gründete er vor 33 Jahren das Theaterteam. Seither wurde jedes Jahr ein Stück aufgeführt. «Laut unseren Statuten muss es immer ein Lustspiel sein. Eine Tragödie aufzuführen, kommt für uns nicht infrage. Diese Welt ist schon tragisch genug.»

Preisgeld für Weiterbildung einsetzen

Dieses Jahr werden er und die 22 anderen Teammitglieder für ihr Schaffen geehrt: Die Kulturkommission Herzogenbuchsee verleiht ihnen den mit 3500 Franken dotierten Kulturpreis 2009. «Wir sind schon etwas stolz auf diesen Preis. Sonst wird Laienschauspiel ja häufig nicht sonderlich ernst genommen. Zudem motiviert uns solch eine Auszeichnung, auch in Zukunft weiterzumachen», so Siegenthaler. Mit dem Preisgeld wird das Team weder auf Reise gehen noch sich den Bauch bei einem üppigen Mahl vollschlagen.

Ganz im Gegenteil, wie die Ehefrau von Hans-Rudolf Siegenthaler, Agnes Siegenthaler, erzählt: «Wir werden den Betrag für Weiterbildungsanlässe einsetzen.» Hans-Rudolf und Agnes Siegenthaler sind Theaterleute aus Leidenschaft. Während er gerne auf der Bühne steht, führte sie während 15 Jahren Regie. Eine echte Knochenarbeit, denn beim Theaterteam Herzogenbuchsee ist die Regie nicht nur für den problemlosen Ablauf auf der Bühne zuständig, sondern sucht Jahr für Jahr auch ein passendes Stück aus und verteilt die Rollen.

«Weder bei der Auswahl des Stücks, noch bei der Rollenverteilung wird bei uns der Regie dreingeredet. Sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Doch es zeigt, was für ein tolles Team wir sind», so Hans-Rudolf Siegenthaler. Jeder sei jedem sympathisch, Missgunst gebe es keine. Dürfe es auch nicht, sonst würden die Proben und die Aufführungen schnell einmal zu einem Fiasko.

Wohlüberlegtes Auswahlverfahren

Um die gute Stimmung im Team nicht auf die Probe zu stellen, wird bei der Auswahl von neuen Mitgliedern sehr viel Sorgfalt an den Tag gelegt. «Ein Querschläger reicht, um die Stimmung in einem Team kaputt zu machen. Das wollen wir auf keinen Fall riskieren. Klar freuen wir uns über jedes neue Mitglied, jedoch muss er oder sie zu uns passen», verdeutlicht Siegenthaler. Deshalb müsse jeder und jede zuerst ein Probejahr absolvieren, bevor definitiv über eine Mitgliedschaft entschieden werde.

Zudem müsse bei jedem Mitglied das Theater das Haupthobby sein und könne nicht einfach neben zehn anderen Freizeitaktivitäten nebenherlaufen. «Ich selbst bin zwar auch noch in einem Gospelchor. Aber zwischen August, wenn wir mit den Proben anfangen, und Ende Januar, wenn die Aufführungen stattfinden, steht das Theater für mich im Vordergrund», sagt Hans-Rudolf Siegenthaler.

Neben der Bereitschaft, sich während jeweils sechs Monaten pro Jahr voll für das Theaterteam einzusetzen, sollte ein potenzielles Mitglied laut den Siegenthalers vor allem zwei Dinge erfüllen: Texte auswendig lernen können und gerne auf der Bühne stehen.

Erfahrung im Bereich Schauspielerei brauche es keine. Das nötige Handwerk werde einem dann schon beigebracht. Das Ehepaar, das vor mehr als drei Jahrzehnten «in die Schauspielerei reingerutscht» ist, hat es nie bereut, ein so zeitintensives Hobby auszuüben. «Es ist für uns immer ein grandioses Erlebnis, zusammen mit guten Freunden etwas auf die Beine stellen zu können, das Hand und Fuss hat. Die Schauspielerei gibt uns sehr viel Befriedigung. Die glücklichen Gesichter der Zuschauer nach einer Vorstellung zu sehen, ist einfach wunderbar.»

Die Preisverleihung findet am 13. Mai, 19.30 Uhr im Dachstock des Kornhauses in Herzogenbuchsee statt. Ein Porträt des zweiten Preisträgers, Historiker Walter Gfeller, ist bereits in der Ausgabe vom 17. April erschienen.