Kurt Hediger sitzt in einem Zimmer seines Hauses und ist im wörtlichen Sinn umgeben von Farben und Formen. Angelehnt an allen vier Wänden stehen über hundert Bilder in verschiedenen Formaten, sortiert nach bestimmten Kriterien; dies ein ganz kleiner Teil des gesamten Werkes. 1957 steht auf der Rückseite des ältesten der Bilder, welche Hediger für seine nächste Ausstellung ausgewählt hat. Eine Landschaft aus Rothrist ist’s, dort ist Kurt Hediger aufgewachsen.

Seit über 60 Jahren setzt sich der Maler mit Pinsel und Palette immer wieder hin, in der Natur und im Atelier. Auf Leinwand und in Skizzenbüchern hält er fest, was ihn bewegt, was ihm auffällt. Farben, Formen, Lichtstimmungen und Gesichtszüge von Menschen. Bemerkenswert ist, dass von den über hundert Bildern, die für die Retrospektive in der Galerie del Mese-Fischer vorgesehen sind, kaum eines schon einmal der Öffentlichkeit gezeigt wurde.

Im Dienst der Vielfalt

Kurt Hediger blickt auf ein facettenreiches Malerleben zurück, ein Künstlerleben das ihn in ganz verschiedene Regionen der Schweiz, ins Ausland und in andere Kontinente geführt hat. Ein Leben, das ihm Begegnungen mit interessanten Menschen bescherte, viele von ihnen hat er porträtiert. Dementsprechend breit ist Hedigers Werk. Er hat sich nie ausschliesslich einer Disziplin gewidmet, sondern er hat mit seiner nie erloschenen Neugierde und Schaffenskraft immer die ganze Vielfalt gesucht. Die Vielfalt der Jahreszeiten, die Vielfalt von Stillleben und die Vielfalt des Ausdrucks in menschlichen Gesichtern. Hediger zeigt in der neuen Ausstellung mehrere Porträts, jenes des deutschen Schriftstellers Wolfgang Hildesheimer sei besonders erwähnt. Aber auch Stillleben, Landschaften und Stadtszenen.

Und die für Hediger charakteristischen Winterlandschaften fehlen nicht. «Malen im Winter», das hat sich ergeben, sagt Hediger, «der Schnee, die völlig anderen Strukturen der verschneiten Landschaft haben mich immer bewegt». Schnee sei nicht einfach weiss, sagt der Maler, da gehe es um farbliche Zwischenstufen, Reflexionen, um den Wechsel von warmen und kalten Farbtönen «Ich habe immer gern im Freien gemalt, bis minus 14 Grad lässt es die Ölfarbe noch zu», sagt Hediger.

Hediger hielt sich in jüngeren Jahren häufig im Ausland auf. So malte er in Paris, in Wien und Prag. Auch in Griechenland hat er gelebt und gearbeitet. Für ihn besonders unvergesslich sind die Reisen nach Südamerika, die ihn 1977 und 1980 nach Ecuador, Bolivien, Peru und Kolumbien führten. Mit der Unterstützung der Schweizer Botschaft hat Hediger zwei Ausstellungen in Lima und La Paz gestaltet. «Transportiert habe ich damals 90 Bilder, gerollt, ohne Rahmen, was die Fachleute vor Ort ziemlich erstaunte», schmunzelt Hediger.

Einige Bilder mit ihren eigenen, intensiven Farben aus dieser Epoche zeigt er jetzt in Meisterschwanden. Weitere Reisen führten nach Nordamerika, Neuseeland, Guatemala, in den Jemen, nach Indien, Afrika und Russland.

Kurt Hediger hat in den vergangenen sechzig Jahren regelmässig in verschiedenen Galerien in der Schweiz, in Österreich, Deutschland, Frankreich und Italien ausgestellt. Und natürlich wiederholt in der Nähe, in Aarau, Rothrist, Gontenschwil, Lenzburg und Zürich.

Mit Einschränkungen arrangiert

Der Maler verschweigt nicht, dass ihn heute gesundheitliche Einschränkungen, welche ihm das Alter auferlegt, daran hindern, so zu arbeiten, wie er es sich eigentlich wünschte. Doch er arrangiert sich, beschränkt sich auf kleinere Formate, arbeitet vermehrt zu Hause im Atelier. In seinen Skizzenbüchern findet sich ein grosser Fundus zum Aufgreifen. Als Atelier- oder Ausstellungsbesucher gerät man ins Staunen, wenn man erlebt, wie Hediger praktisch bei all seinen Bildern und Skizzen noch viele Details zu deren Entstehung präsent hat. Das Malen sei seine Passion, durchdringe sein Leben. Das erklärt auch seinen Wunsch: «Ich möchte meine Neugierde behalten und malen können, so lange, bis mir dann einst der Pinsel aus den Händen fällt.»

Ausstellung Kurt Hedinger 28. Oktober bis 3. Dezember 2018. Galerie Del Mese- Fischer, Meisterschwanden.