Karin Iseli-Trösch

Für Jürg Ingold ist Kino mehr als ein netter Zeitvertreib. Das weiss man in der Region schon seit Jahren. Ingold war es, der die ersten Openairkinos realisierte und noch heute vielerorts für die Technik der Sommerkinos zuständig ist. Die riesige Leinwand und das Ambiente bedeuten für ihn Leidenschaft pur. Ingold ist seit einem Jahr Pächter des Kino Rex in Herzogenbuchsee. Doch seine Liebe zu allem was mit Film zu tun hat, ist älter, viel älter: «Seit ich 1964 meinen ersten Kinofilm gesehen habe, hat mich dieses Metier nicht mehr losgelassen», sagt der 51-Jährige . Mister Kino, wie er in der Szene genannt wird, kann sich nicht nur an den Titel dieses ersten Filmes erinnern, sondern auch daran, welche Filmprojektionsmaschine in diesem Kino stand.

Den Job an den Nagel gehängt

Projektionstechnik: Ein Stichwort, zu welchem Jürg Ingold weit mehr als nur einen Satz sagen kann. Kein Wunder, schliesslich arbeitete er 28 Jahre bei SF DRS als Cutter. In dieser Funktion schnitt und bearbeitete er Filme, damit das Publikum zuhause nur die besten Szenen zu Gesicht bekam. Als ihn der Inhaber des Buchser Kinos, Hans Gerspacher, anfragte, ob er Pächter vom Rex werden wolle, hat er diese Arbeit zum Grossteil aufgegeben. Bei der Firma Alpha Vision schneidet er aber bis heute die Sendung «Fenster zum Sonntag» zurecht. Nicht nur, weil seine Arbeit ihm viel Spass macht, sondern auch um finanziell über die Runden zu kommen. «Vom Kino alleine kann ich noch nicht leben, obwohl das erste Jahr ganz gut gelaufen ist. Es wäre jedoch mein Traum ganz für mein Kino da sein zu können», so Ingold.

Er selbst bezeichnet sich nicht als grossartigen Filmkenner. «Ich bin eher der Kellner, der den Leuten einen Film in bestmöglicher Qualität serviert.» Qualität wird bei ihm ganz gross geschrieben. So hat er einen neuen Projektor installiert und will die Tonanlage und die Leinwand des «Rex» ersetzen. Zumeist sitzt er selbst im Operateurraum und sorgt dafür, dass das Licht an der richtigen Stelle ausgeht und das Filmband sauber über die Rollen zieht. Er will, dass sich seine Gäste wohl fühlen. Dafür sorgen auch Temperaturfühler im Kinosaal, die Ingold und seinem Team anzeigen, ob die Kinobesucher sich auch wirklich entspannen können.

Kino: Ein Ort der Erholung

Aus der Sicht von Jürg Ingold ist Kino kein längst überholtes Ausgehmodell, wie ab und zu behauptet wird. Ganz im Gegenteil: «Kino ist ein Ort, wo die Leute abschalten können. Es gibt keine Haushaltsarbeiten, die einen vom Genuss des Films abhalten, oder ein Telefon, das dauernd klingelt. Zudem gibt es in einem Kino ein starkes Wir-Gefühl. Hier wird zusammen gelacht, geweint und nachgedacht.» Doch damit die Leute die gemütliche Stube im trauten Heim verliessen, brauche es schon etwas mehr Einfallsreichtum als einfach nur einen guten Film. «Klar, gute, spannende Geschichten mit schönen Bildern sind sehr wichtig für uns Kinobetreiber. Die Leute wollen nicht immer nur Actionfilme sehen. Genau so wichtig ist es aber, den Besucher zu verwöhnen.» Etwa mit weichen Polstersesseln oder einem Schoggihäsli an Ostern.

Ob und wann ein Film im Kino Rex läuft, kann Ingold nicht selbständig entscheiden. Er ist da ganz von den Filmverleihern abhängig. «Die Verleiher haben das Interesse, ihre Filme an Kinos zu verleihen, die gut besucht sind. Schliesslich bekommen sie die Hälfte der Einnahmen als Verleihgebühr. Da hat es ein Landkino natürlich nicht immer einfach», sagt Ingold. Deshalb freut es in besonders, dass er den Film über Michael Jackson am Weltpremieretag zeigen kann. Damit solche Höhepunkte auch in Zukunft möglich sein werden, will Ingold die Uhren in seinem Kino nicht stehen lassen. Anpassungen bei der Technik und der Traum von einem richtig gemütlichen Balkon halten ihn und sein Team auf Trab. Ob sein Engagement von Erfolg gekrönt sein wird, entscheiden schlussendlich aber die Kinogänger, das weiss auch Ingold.