Cabaretduo
Der Mittelstand des Humors: Warum begeistern Divertimento so viele?

Das Duo Divertimento begeistert die Massen. Innert dreissig Minuten verkauften sie 60'000 Tickets. Aber warum eigentlich? Ein Augenschein in Olten.

Michael Graber
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Oft am rumkaspern: Das Komiker-Duo Divertimento, Manuel Burkart und Jonny Fischer (l.) während eines Interview im Volkshaus Zürich.
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Das Duo hat zahlreiche Bühnenfiguren...
... wie diese südamerikanischen Strassenmusiker (hier im Parktheater Grenchen 2006) ...
... oder das Schlager-Duo Halli & Galli (hier im Stadttheater Olten 2015).
Musik kommt in ihren Programmen oft vor: Hier mimen sie zwei Jazz-Musiker (im Stadttheater Olten 2015).
Wohl eine der bekanntesten Figuren des Comedy-Duos: De JK vo SB – Julian Kaufmann aus Spreitenbach.
Divertimento wild auf der Bühne des Heitere Open Air in Zofingen 2006.
Jonny Fischer und Manuel Burkart können aber auch glamourös...
.. wobei das nicht immer klappt.
2007 erhielten sie ihren ersten Prix Walo.
In den Folgejahre gab es noch zahlreiche weitere Preise...
... wie 2010 den Prix Walo Publikumsliebling.
2014 räumten sie wieder in der Sparte Kabaret/Comedy ab und...
... nahmen im Partnerlook bei der Entgegennahme des Prix Walo Conchita Wurst aufs Korn.
Auch 2015 gab es für das Duo einen Prix Walo.
Die aktuelle Tour des Duos heisst Sabatical.
Cabaret Divertimento

Oft am rumkaspern: Das Komiker-Duo Divertimento, Manuel Burkart und Jonny Fischer (l.) während eines Interview im Volkshaus Zürich.

Aargauer Zeitung

Manuel Burkart und Jonny Fischer sind so ein bisschen die Adeles der Schweizer Humorlandschaft. Wenn sie Auftritte ankündigen, dann stehen Leute vor den Ticketschaltern nervös Schlange. 60'000 Tickets in gerade einmal 30 Minuten haben Divertimento verkauft. Alle Shows ausverkauft – wie immer in den letzten Jahren.

Da kann man eigentlich nur noch Superlative verwenden: Sie sind der erfolgreichste Schweizer Comedy-Act. Vielleicht derzeit sogar die erfolgreichsten Schweizer Künstler überhaupt. Aus den einstigen Primarlehrern (Ausbildung im Internat St. Michael in Zug) sind längst Superstars geworden.

Einmal lustig, immer lustig

Bereits vor der Aufführung ihres neuen Programms «Sabbatical» im Stadttheater Olten herrscht freudige Anspannung. So rasch ausverkaufte Anlässe vermitteln den Anwesenden immer auch den Eindruck, man gehöre zu einem sehr erlauchten Kreis. «Wir könnens sehen, ihr nicht.» Da zieht man schon mal das schöne Hemd oder die hohen Schuhe an.

Es dauert geschätzte zwei Millisekunden und Divertimento haben das Publikum im Sack. Bereits als sie auf die Bühne laufen, klopft sich der Herr hinter uns vergnügt auf die Schenkel. Burkart und Fischer müssen gar nichts mehr machen. Wer einmal als lustig gilt, der ist immer lustig. Davon kann mancher Klassenclown ein trauriges Liedchen singen.

Was folgt, ist eine muntere Aneinanderreihung von Sketchen. Stellenweise erinnert das an einen Elternabend der Pfadi oder an einen bunten Abend im Klassenlager. Ein roter Faden durch das Programm? Höchstens knapp erahnbar. Er ist auch nicht nötig. Er würde vielleicht auch nur stören. Die Witze und Spässe von Divertimento müssen ohne Umwege übers Hirn direkt ins Zwerchfell knallen. Denken kann man dann morgen wieder. Muss man ja schliesslich sonst schon oft genug.

Es geht einiges schief

Die Humor-Raketen von Divertimento verfehlen ihre Wirkung beim Publikum nicht. Es wird zwei Stunden durchgelacht. Auch Fischer und Burkart lachen eigentlich ständig über ihre eigenen Witze. Sie geben sich keine Mühe, ihr Lachen zu verkneifen. Das gehört dazu. Das macht sympathisch. Vielleicht soll es aber auch einfach suggerieren: Da stehen ganz normale Menschen auf der Bühne. Menschen, die, wäre es im Leben ein bisschen anders gelaufen, jetzt selber im Publikum sitzen würden und die Pointen eines anderen Duos beklatschen würden.

Diese Nähe befeuern Divertimento auch mit dem Unperfekten ihrer Show. Immer mal wieder geht was schief (in Olten liegts angeblich am holprigen Boden). Dann laufen Burkart und Fischer zu Höchstform auf. Was daran tatsächlich ungewollt ist, sei jetzt mal dahingestellt. Nur so viel: Einige der Pannen passierten auch bei anderen Aufführungen exakt auf die gleiche Art. Zufälle gibts.

Im Prinzip ist das natürlich egal. Hauptsache, der Show nützts. Und das tuts. In rasantem Tempo witzeln Divertimento durch ihr Programm. Es gibt keine Pausen. Wenn sich Fischer und Burkart umziehen, läuft auf der Leinwand ein Einspieler. Es sind bekannte und neue Figuren aus dem Divertimento-Universum. Der Kiffer fehlt ebenso wenig wie die etwas abgehalfterte Lebefrau Ursula und der Rapper mit starkem Akzent.

Aber keine Angst: Das tut niemandem weh. Da werden Klischees überstrapaziert, aber ohne anzuecken. Böse gesagt sind die Gags belanglos, netter formuliert sind sie harmlos. Darüber kann der Stammtisch ebenso lachen, wie das Primarschulkind. Divertimento sind der Mittelstand des Humors. Da ist für alle etwas dabei, da kommen immer alle mit, da geht man nachher mit einem guten Gefühl nach Hause. Das ist nicht prollig-vulgär wie ein Mario Barth, aber auch weit weg vom schwarzen Humor einer Hazel Brugger. Vielleicht liegt darin auch das grosse Geheimnis von Divertimento: Sie wollen nichts sein, was sie nicht sind. Sie sind lustig. Punkt!

Viel Arbeit und Feinabstimmung

Damit bekommt man vielleicht keine Kabarett-Auszeichnung und auch keine Satiresendung beim SRF. Aber man füllt damit – ganz offensichtlich – locker Säle wie das Stadttheater in Olten. Und das unter anderem mit Sprüchen über Fürze und einer Tanzeinlage auf Inlineskates. Das soll mal einer nachmachen.

Es wäre aber deutlich zu einfach, Divertimento auf das Einfache zu reduzieren. Wie viel Arbeit und Feinabstimmung in ihren Witzchen steckt, merkt man am Ende des Programms. Als Jonny Fischer und Manuel Burkart fliessend zwischen den zuvor gespielten Figuren wechseln. Das ist richtig lustig und zeugt vom schauspielerischen Talent der beiden.

Nach dem grossen Lachen folgt das grosse Klatschen. Erst sitzend, dann stehend klatscht das Publikum Divertimento auf die Bühne und Fischer hält eine kleine, schöne Rede voller Demut und eins, zwei Witzchen. Dann ist fertig und das Publikum wird in die kalte Oltener Nacht hinaus spediert.

Bleibende Eindrücke? Nicht wirklich viele. Lustig wars. Viel mehr wollen Divertimento auch gar nicht.

Die aktuelle Tour von Divertimento dauert bis im Juni. Sämtliche Vorstellungen sind ausverkauft.