Theater Roxy
Der Mensch hinter dem Aktivisten Bruno Manser

Im Theater Roxy in Birsfelden läuft zur Zeit ein Stück über das Leben des Umweltaktivisten Bruno Manser. Obwohl mit Martin Vosseler ein Experte auf der Bühne steht, gerät das Unterfangen reichlich langweilig.

Tumasch Clalüna
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Annina Polivka und Martin Vosseler nähern sich dem vor 16 Jahren verschollenen Umweltaktivisten Bruno Manser über zahlreiche Fundstücke an.

Annina Polivka und Martin Vosseler nähern sich dem vor 16 Jahren verschollenen Umweltaktivisten Bruno Manser über zahlreiche Fundstücke an.

Bruno Manser: Ein Kämpfer, ein radikaler Umweltschützer, lebte über Jahre mit dem Volk der Penan im Dschungel von Borneo, hungerte gegen den Import von Tropenholz und brachte das Thema ins Bewusstsein der Bevölkerung. Seit Mai 2000 ist er verschollen.

Das alles weiss man oder kann man wissen; was interessiert, ist der Mensch hinter dieser Hingabe. Regisseur Kaspar Geiger ist es gelungen, den Arzt und Aktivisten, vor allem aber Weggefährten von Manser, Martin Vosseler auf die Bühne des Roxy zu holen. Ihm gegenüber steht Annina Polivka zwischen Archivschachteln, auf denen Erinnerungsstücke präsentiert werden; ein Arbeitszimmer gibt es auch, sowie einen Hellraumprojektor am linken Bühnenrand.

Mit diesen Fundstücken, um nicht zu sagen Devotionalien rekonstruieren die beiden nun das Leben Mansers. Aufsätze aus der Schulzeit werden herbeigezogen, Tagebucheinträge, andere Weggefährten kommen per Toneinspielung zu Wort und vor allem berichtet Vosseler aus seinen Erinnerungen. Er tut dies wie ein Grossvater, der seinem Enkelkind von der guten alten Zeit berichtet. Das ist rührend, wenn er beispielsweise von den 33 Apfelsorten erzählt, die Manser einmal zu ihm gebracht hat. Sie hätten die ganze Nacht damit verbracht, an den Äpfeln zu riechen. In solchen Momenten wird deutlich, wie unschuldig die jungen Umweltschützer damals waren.

Frage-und-Antwort-Spiele

Unklar bleibt dagegen die Rolle von Annina Polivka. Mal spricht sie Mansers Texte ins Mikrofon, mal befragt sie staunend den Experten, dann gerät sie unvermittelt in Rage und befragt ihn nach Mansers Sexualität oder seinem Verhältnis zur 68er-Bewegung. Einmal dient sie auch dazu, seine Faszination für das Teilen in die heutige Zeit zu übertragen: Sharing is caring.

Das bekannteste Porträt von Bruno Manser im Regenwald.

Das bekannteste Porträt von Bruno Manser im Regenwald.

BRUNO MANSER FONDS BASEL

Das mögen alles Fragen und Reaktionen sein, die sich bei der Auseinandersetzung mit dieser speziellen Figur ergeben, nur entfalten sie in einem schlichten didaktischen Frage-und-Antwort-Spiel keinerlei Wirkung. Als Polivka ruft: «Er hat seine Kleider selber gemacht, er hat Mauern gelernt, Schreinern ..., ok, ich hab’s begriffen.» Da fühlt man sich als Zuschauer verstanden.

Ab und an verlassen sie die historische Archivschau und begeben sich in kleine Spielszenen. Eine gute Idee, um das Faktenmaterial aufzulockern, keine gute Idee, wenn die Szenen keine Entwicklung zeigen und nur ein weiteres Bild dem Archiv hinzufügen.

Ganz extrem betreibt Vosseler diese Bebilderung mit dem Hellraumprojektor, auf dem Folien von Bäumen wandern, ohne ersichtlichen Grund.

Am stärksten ist der Abend dann, wenn die beiden auf die Aktivitäten von Manser zu sprechen kommen. Seine Flucht vor den Soldaten auf Borneo, seine Rückkehr in die Schweiz, sein Buch, der Kampf für ein Importverbot für Tropenholz. Da ist er uns nah, da bekommt das Stück Fahrt.

So klagt Annina einmal das Publikum an, es kümmere sich gar nicht darum, ob seine Möbel Tropenholz enthalten, und erläutert das kurz an einer Schautafel. Aber eben nur einmal, nur kurz.

Dabei ist alles sehr interessant, streckenweise auch aufschlussreich, jedoch so träge rhythmisiert und sprachlich unnatürlich (warum muss Vosseler Hochdeutsch sprechen?), dass man schier einschläft.

Für alle Leute, die Bruno Manser kannten oder die sich mit seinem Wirken auseinandersetzen, ist dieser Abend sehr zu empfehlen, weil er wirklich versucht, hinter die Fassade des Aktivisten zu blicken. Man wünschte sich nur, das Regieteam hätte dabei eine ähnliche Radikalität und Konsequenz an den Tag gelegt wie das Subjekt ihrer Erörterungen.

Weitere Vorstellungen: 26.2. / 27.2. / 2.3. / 4.3. / 5.3. jeweils 20 Uhr im Theater Roxy Birsfelden.

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