Kunst-Stück

Der junge Brite, der die ernste Kunstwelt zum Lachen bringt

Joe Fletcher Orr: «For the collector who has everything». Installation. Gesehen an der Liste 2017, Galerie Sabot, Cluj-Napoca, Rumänien. Preis: 3500 Franken.

Joe Fletcher Orr: «For the collector who has everything». Installation. Gesehen an der Liste 2017, Galerie Sabot, Cluj-Napoca, Rumänien. Preis: 3500 Franken.

Während der Art Basel gibt es Unzähliges zu entdecken. Die bz pickt täglich ein besonderes Stück heraus und erzählt die Geschichte, die sich hinter dem Werk verbirgt. Heute: «For the collector who has everything» von Joe Fletcher Orr.

«Im Vorfeld der Art war ich sehr nervös. Ich hatte keine Ahnung, wie das Publikum reagieren wird.» Jetzt, ein Tag nach der Eröffnung der Liste 2017, lacht Joe Fletcher Orr. «Die Leute kommen, amüsieren sich, zücken die Kameras. Was will man mehr?»

Der 26-jährige britische Künstler liess für die Art Basel einen Neonschriftzug herstellen: «For the collector who has everything» steht da in roten Lettern. Dem Werk zu Füssen liegen zwei Fussabtreter. Der eine ist Yves Klein, der andere David Hockney gewidmet. Die Installation wird im zweiten Stock des Warteckgebäudes von der rumänischen Galerie Sabot präsentiert. «Ich arbeite meist orts- und situationsbezogen», sagt Flechter Orr. Und meist auch mit Humor. Der Grund dafür liege in seiner Kindheit.

Die hohe Schule des Lachens

Im Alter von elf, zwölf Jahren begann Fletcher Orr seinen Vater auf seinen Galeriebesuchen zu begleiten. Sie taten dies vor allem, um zu lachen. Einerseits über die Kunst, andererseits über deren Preise. «Das wurde zu einer Art Hobby von uns», sagt der Sohn heute. Aus der Freizeitbeschäftigung wurde ein Beruf. Er studierte an der Manchester Metropolitan University Kunst. Seine Statements sieht er nicht als aggressive Kritik. Der junge Kunsthumorist weiss nur zu genau, dass er selbst Teil des Spiels ist. Er möge die Kunstwelt eigentlich. Einige Künstler, längst nicht alle, nehme er ernst. Selbst lässt er sich viel mehr von Standup-Comedians denn von Kunstwerken inspirieren.

Humor sei eigentlich eine ernste Sache, ein Lebenselixier, das er glücklicherweise bereits mit der Muttermilch habe einsaugen dürfen. Die familiäre Grundausbildung scheint sich auszuzahlen. «For the collector who has everything» wurde bereits am Montag, kurz nach der Eröffnung der Liste 2017, verkauft. Für 3500 Franken, an einen australischen Sammler. «Damit ist der Witz zu Ende erzählt», sagt der Künstler und amüsiert sich sichtlich.

Seinen Vater, der ja den Grundstein für sein Kunstinteresse gelegt hat, thematisiert Fletcher Orr in seinen Werken regelmässig. Der Vater ärgere sich darüber. Deshalb habe er für die letzte Ausstellung in der Galerie Sabot eine Büste von ihm machen lassen. Aus ihren Ohren strömt Rauch.

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