Wir haben es noch einmal geschafft. Ein weiteres Jahr liegt in den letzten Zügen, und wir sind alle heilfroh, sein Ende noch erleben zu dürfen. Der orange Mann im Weissen Haus hat den Send-Button seines Twitter-Accounts bislang nicht mit dem Endzeitknopf seines Atomkoffers verwechselt.

Der frei gewordene Sitz im Bundesrat wurde noch einmal herkömmlich besetzt und nicht durch einen selbstregierenden Roboter abgelöst. Und die humanitären Katastrophen in Burma, Bangladesch oder im Jemen sind dank Kontinentaldrift erneut rund fünfzehn Millimeter weiter aus unserem Blickfeld weggerückt.

Auseinanderdriften ist ein gutes Stichwort. Die Segregation der Gesellschaft schreitet munter voran. Da wie dort richtet man sich dauerhaft in den jeweiligen Filterblasen und Echokammern ein. Des einen Leitmedium ist des anderen Lügenpresse. Einig sind wir uns einzig darin, uneins zu sein. Das gilt selbst für die Satire. Während «SRF Kultur» in diesem Jahr die These vertieft hat, dass das Publikum Kabarettisten für glaubwürdiger hält als Journalisten, und Satirikern daraus neue Verantwortung erwachse, konstatiert die deutsche «Zeit», dass Satire in der Krise stecke, seit «eine Karikatur im Weissen Hause sitzt».

Ein Befund, der vordergründig wenig zur grossen Popularität passt, die Alec Baldwins Trump-Parodie bei «Saturday Night Live» geniesst – die Sketche fanden und finden im Internet millionenfach Verbreitung. Auch in der Pressezeichnung ist in diesem Jahr kein Motiv beliebter und häufiger zu finden als die präsidiale Haartolle.

Und dennoch: An der Gefolgstreue von Trumps Anhängern hat sich trotz satirischen Dauerfeuers wenig geändert. Wenn Politik erst einmal dort angelangt ist, wo offensichtliche Lügen kaum mehr verschleiert und Eigennutz und Eitelkeit offen zelebriert werden, gibt es für Karikaturisten nichts mehr zu entlarven, was für die einen nicht schon offensichtlich war – und von den anderen so oder so ignoriert wird.

Doch selbst in diesem Rückfall politischer Kultur bleibt Satire ein Spiegel der Gesellschaft: Dass Pressezeichnungen ihre Motive zur Kenntlichkeit entstellen und überraschende Wahrheiten freilegen, mag vielleicht ihre nobelste Spielart sein. Ihre Wurzeln hat die Karikatur aber auch im spätmittelalterlichen Schmähbild und damit in der Ventilfunktion, die sie den Ohnmächtigen und Andersdenkenden bietet.

Mag da überhaupt noch jemand daran zweifeln, dass Pressezeichner einen wichtigen Beitrag zur Psychohygiene des Landes leisten? Die kleine Auswahl, die auf dieser Doppelseite zusammengestellt ist, bildet so betrachtet ein erstes humortherapeutisches Notfallset. Die volle Dosis ist bis Ende Januar an der Karikaturen-Ausstellung «Gezeichnet 17» in Bern erhältlich.