Kunst-Stück

Der Häuptling ist ’ne Frau

Anne Samat: «Tribal Chief Series 10», 2017. Gesehen an der Volta 13, Galerie Richard Koh, Kuala Lumpur. Preis: 15'000 Fr.

Anne Samat: «Tribal Chief Series 10», 2017. Gesehen an der Volta 13, Galerie Richard Koh, Kuala Lumpur. Preis: 15'000 Fr.

Während der Art Basel gibt es Unzähliges zu entdecken. Die bz pickt täglich ein besonderes Stück heraus und erzählt die Geschichte, die sich hinter dem Werk verbirgt. Heute: «Tribal Chief Series 10» von Anne Samat.

Auf den ersten Blick denkt man: Schön, dieser Federnschmuck eines Häuptlings. Auf den zweiten Blick merkt man: Sind ja gar keine Federn, sondern Küchen- und Gartenutensilien. Die Schulterpartie ist aus Laubrechen, die Brust aus einem BH-Bügel gefertigt. Und, ach ja: Das ist ja gar kein männlicher Häuptling. Sondern eine weibliche «Chief». Ganz schön verschoben, die Klischees, ganz schön gewoben, das Kunstwerk.

Die Irritation ist der malaysischen Künstlerin Anne Samat gelungen. Und sie ist Absicht: «Die Künstlerin versteht die Webkunst als mütterliche Tradition, möchte ihr aber maskulinere Züge verleihen», sagt Jessica Ho von der Galerie Richart Koh Fine Art aus Kuala Lumpur. Samat, Jahrgang 1973, bricht die Erwartungen mit ihrem überraschenden Kunst-Stück «Tribal Chief 10».

Wie lange sie dafür gebraucht hat? «Lange, sehr lange», sagt Jessica Ho, die das über zwei Meter hohe Stück zusammen mit einem «männlichen» Counterpart an ihrem Stand an der Volta 13 hängen hat. An einem einzigen Nagel, notabene, denn die Handwerkskunst ist klassischer Art: Alle Fäden hängen am Ende zusammen.

Das Spiel mit der Identität

«Das traditionelle Weben hat klare Regeln, etwa, wie sich die Farben bewegen», erklärt Jessica Ho. Anne Samat hat diese Tradition, diese Ästhetik verinnerlicht, führt sie aber weiter, indem sie den Körperschmuck mit unkonventionellen Materialien, Alltagsgegenständen, gestaltet. Der Mund etwa ist aus einer Moskitofalle gebildet. «Webkunst, die wir als zweidimensionale Textilien kennen, verwandelt sie in eine dreidimensionale Kunstform», sagt Ho.

Anne Samat konzentriert sich derzeit nach eigenen Angaben auf das Spiel mit Tradition und Gegenwart, mit Identität und Herkunft. Für ihre «Chief»-Serie holte sie sich Inspiration von einem Motiv, das Ureinwohner von Borneo verwenden.

Noch ist das Stück für 15’000 Franken zu haben. Noch. Die Galerie möchte der Künstlerin in diesem Jahr international zum Durchbruch verhelfen.

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