Seien wir ehrlich: Sie sind nicht everybody’s Darlings: Käfer gelten bei vielen Menschen als Plagegeister, selbst wenn sie Gutes tun. Wen juckt es nicht ein bisschen beim Gedanken an das grosse Krabbeln?

Die neue Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Basel rückt Insekten in ein neues Licht: Wahre Schmuckstücke sind das, die die Natur erschaffen hat, auch wenn es ihre Namen – Pilzkäfer oder Dungkäfer – nicht gerade erahnen lassen.

Der britische Fotograf Levon Biss hat Sammlungsobjekte des Oxford University Museum of Natural History ausgewählt und unter die Lupe genommen. Damit nicht genug: Er montierte ein 10-Fach-Mikroskop-Objektiv vor sein eigentliches Objektiv (200mm-Festbrennweite, für die Fachleute). Für Laien: Er ging ganz nah ran an die kleinen Käfer, und das mit einer Liebe zum Detail, die es so noch nie gegeben hat.

Drei Wochen Arbeit für ein Bild

Erfassen Forscher ein Krabbeltier in der Regel mit 25 bis 35 Fotografien, so hat Levon Biss 8000 Bilder geschossen und am Computer übereinandergelegt. Ein Prozess, der insgesamt drei Wochen dauerte und zu gestochen scharfen Bildern führte.

Vor den Aufnahmen platzierte er die Insekten, oft nur einen Zentimeter gross, auf einen massgeschneiderten Mikroskopträger, entfernte mit feinen Pinseln Staubkörner, unterteilte ihre Körper in 30 Abschnitte und beleuchtete diese mit Stroboskoplicht, jenem Leuchteffekt, den wir aus der Disco kennen. Ob sie deshalb so glamourös wirken? Auf jeden Fall konnte er so die einzelnen Körperbereiche akzentuieren, die unserem Auge sonst verborgen bleiben. Damit erscheinen die Tiere in ihrer ganzen schillernden Farbenpracht, die manchmal wie gesprayt oder metallisé erscheint. Durch das grosse Format – die Bilder sind zwei mal drei Meter gross, sind selbst kleinste Härchen sichtbar.

Faszinierende Farbenpracht

An den Bieler Fototagen im Mai dieses Jahres entdeckte das Team des Naturhistorischen Museum Basel Levon Biss’ Aufnahmen, war beeindruckt und setzte alle Hebel in Gang, um die Plakate in Basel zu zeigen, ehe sie auf ihrer Wanderausstellung das Land wieder verlassen. So kann man sich nun in einem Museumsraum von 13 mehrheitlich exotischen Insekten blenden lassen, von all ihren schillernden Facetten.

Ergänzend hat Kurator Matthias Borer passende Exponate aus dem Museumsbestand ausgewählt. Winzige, getrocknete Originale aus dem Bestand der Sammlung Frey. Diese hat das Naturhistorische Museum Basel vor 20 Jahren übernommen und beherbergt seither vier Millionen Käfer.

Naturhistorisches Museum Basel, Augustinergasse 2. Bis 29. Oktober.
Führungen: www.nmbs.ch