Reinach

Der gestiefelte Kater haust im Reinacher Wald

Vier neue Holzskulpturen können die Waldspaziergänger ab morgen im Reinacher Leywald bestaunen.

Muriel Mercier

Hier äugt ein kleiner Troll hinter einem Baum hervor, dort beobachtet eine weise Eule den Spaziergänger von weit oben skeptisch, und ein bisschen weiter vorne steht stramm der gestiefelte Kater. Biegt der Spaziergänger in den Reinacher Skulpturenweg ein, betritt er eine andere Welt - die Märchenwelt. An allen Ecken und Enden wird er überrascht von Fantasiefiguren, die aus Baumstämmen herausgesägt worden sind.

Christoph Burkhardt steht vor einem gut drei Meter hohen Stamm, um den sich ein schlanker Drache windet. Seit gut zwei Tagen arbeitet er an seinem Werk - und hat es bald geschafft. Ausgewählt hat der Zimmermann seine Märchenfigur mit Hilfe seiner drei Kinder: «Kinder haben eine tolle Fantasie. Sie haben mir gesagt, dass es ein Drache werden muss.»

Drache und Meerjungfrau

Der heimische Künstler fand den Ort ideal dafür: «In dieser Ecke ist es düster und gruselig.» Thomas Hofstetter, der zweite der drei Künstler arbeitet seit sechs Tagen an seinen Holzfiguren. Die Meerjungfrau räkelt sich fix-fertig auf ihrem Sockel - jetzt muss er sich noch hinter das Schneewittchen klemmen. «Ich geniesse die Tage alleine im Wald. Es ist ein wunderschönes Gefühl, in der Natur zu arbeiten.» Der Schreiner hat sein Lebtag mit Holz gearbeitet. Als er seinen Baumstumpf vor sich hatte, wusste er, wie seine Figur am Ende aussehen wird. Auch er staunt über die Fantasie der Kinder: «Noch während ich an der Meerjungfrau gearbeitet habe, wussten sie, dass ich Arielle schnitze. Ich kannte Arielle gar nicht», schmunzelt er.

Arbeiten werden nicht gewertet

Die Idee, den Leywald mit Skulpturen lebendiger zu gestalten, kam der Reinacher Bürgerrätin Vreni Schultheiss vor fünf Jahren. «Ich wollte aus den Bäumen, die zum Fällen gekennzeichnet waren, etwas machen.» Seither bleibt nach einem Holzschlag von jedem Baumriesen ein Teil des Stamms stehen. Auch das Motto legte Schultheiss fest: «Ich war Primarlehrerin und habe sofort an Märchenfiguren gedacht.»

Die Künstler angeheuert hat die Bürgerrätin durch ein Zeitungsinserat. «Am Anfang war ich der einzige, der sich gemeldet hat», erklärt Hofstetter. Er selber hätte noch weitere angelockt. Auch Laien, die noch nie mit Holz zu tun gehabt haben, wagen sich hin und wieder an einen Baumstumpf. «Man soll die Arbeiten nicht werten, denn Leute aus den unterschiedlichsten Bereichen haben Figuren kreiert», betont Burkhardt.

Mit den vier neuen Motiven aus der Märchenwelt begleiten ab Samstag 28 Kunstwerke die Leute auf ihrem Spaziergang im Reinacher Leywald.

Einweihung: 25.4., 16 Uhr, Skulpturenweg, Feuerstelle Landskronblick

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