Sebastian Baumgarten, der 42-jährige Opernregisseur aus Berlin, fiel glatt durch mit seinem unterkühlt-akademischen Diskurs über den Gegensatz von "Apollinischem und Dionysischem", wie er selbst es nannte, zwischen der Vernunft und der Sucht nach Rausch.

In überschwänglichem Applaus baden durften dagegen der mitreissende Festspielchor und sein Leiter Eberhard Friedrich, während es für den zweiten Debütanten der Aufführung, den musikalischen Leiter Thomas Hengelbrock, eher freundlichen Applaus gab.

Nach einem verhaltenen Beginn trumpfte das Festspielorchester im abgedeckten Graben mehr und mehr auf und gewann an Format. Die gefeierten Sänger des Abends waren Günther Groissböck als Landgraf von Thüringen, Michael Nagy als Wolfram von Eschenbach und die Finnin Camilla Nylund als Elisabeth. Einzig Stephanie Friede als Venus stiess beim Publikum wenig Sympathie.

Der hollänische Avantgarde-Künstler Joep van Lieshout hatte für Baumgartens Inszenierung eine opulente Bühne gebaut, die eher eine Kunstinstallation war.

Zwischen Biogasanlage, Alkoholator und diversen dampfenden Apparaturen wollte sich keine Verbindung zur Inszenierung Baumgartens herstellen. Das ratlose Publikum wollte den gedachten Anspielungen nicht folgen und buhte den Künstler ebenfalls aus.

Die beiden Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, Urenkelinnen des Komponisten, hatten am Nachmittag am Roten Teppich zahlreiche Prominente aus Politik und Showgeschäft begrüsst, darunter die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie den Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

Bis 28. August sind bei den Bayreuther Festspielen noch vier weitere Wagner-Opern zu sehen: "Die Meistersinger" in der Regie von Katharina Wagner, "Lohengrin" von Hans Neuenfels, "Parsifal" von Stefan Herheim und "Tristan und Isolde" von Christoph Marthaler.