Hunkeler
Dem Kommissar auf den Fersen in Basel

Hansjörg Schneiders Kommissär Hunkeler ist in einem wehmütigen «Fall für Basel» unterwegs und nimmt die Zuschauer mit «hinein in die Stadt».

Verena Stössinger
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Theater in der Stadt: Die Regisseurin Daniela Kranz inszeniert Orte wie das «Rhybadhysli Santihans».

Theater in der Stadt: Die Regisseurin Daniela Kranz inszeniert Orte wie das «Rhybadhysli Santihans».

zVg

Das «Rhybadhysli Santihans», das Restaurant Schiff an der Hochbergerstrasse, das Kulturzentrum Brasilea und die leere Güterhalle am Bahnhof St. Johann: Das sind die Spielorte für «Kommissär Hunkeler: Ein Fall für Basel», das Stadt-Projekt vom Theater Basel, das am 6. April Premiere hat. In vier Folgen erleben wir einen «Fall» mit, in den Peter Hunkeler hinein gerät, obwohl er Ferien hat; und jede wird auch nur dreimal vor gut fünfzig Zuschauern gespielt. Es braucht leider viel Glück, um dafür noch Rest-Karten zu bekommen.

Theater will hinein in die Stadt

Basel mit seiner Grenzlage zu Deutschland und (vor allem) zum Elsass ist der unverzichtbare geografische, historische, soziale und atmosphärische Raum für die Kriminalfälle, die Hansjörg Schneider seinem eigensinnig hartnäckigen Hunkeler in den Weg legt. Das macht sich das Team vom Theater Basel zunutze, das gerne auch aus dem Theaterhaus hinaus und «hinein in die Stadt» will, um sie zu bespielen. Und es tut dies bewusst mit einem eher «unbefangenen Blick», wie Daniela Kranz, die Regisseurin, es nennt. Sie ist in Bielefeld geboren, hat in Salzburg studiert und danach viel in Wien gearbeitet. Hat oft Stücke von jungen Autoren inszeniert und ist eine Spezialistin geworden für Theater-Serien einerseits und Produktionen mit Laien andererseits; im letzten November hatte ihre Inszenierung von David Greigs «Ereignisse» auf der Basler Kleinen Bühne Premiere, eine Aufführung, die sich immer wieder andere regionale Chöre mit auf die Bühne holt.

«Die Basler überraschen mit ihrer eigenen Stadt»: So kann man die Absicht nennen, die hinter dem Projekt steht. Aber: «Wem gehört Hansjörg Schneider?», fragt Andrea Bettini. Er ist seit 2001 Schauspieler im Basler Ensemble, selber ein (aus Zürich) «Zugewanderter», dabei «auch Italiener», FCB-Fan und ein «Wahlbasler» wie der Hunkeler-Autor, der (muss man daran erinnern?) auch viele «Nicht-Krimis» geschrieben hat und Theaterstücke. Am bekanntesten wurde das «Sennentuntschi». Bettini schätzt Schneiders «kritischen Abstand» zur Stadt, der den Blick schärfe, schliesslich gehe es in seinen Texten nicht selten «auch um die Frage, wie sehr gehöre ich dazu?» Und freut sich darauf, den Hunkeler auf seine Art zu spielen, diesen Kommissär, «den alle zu kennen glauben», bloss weil sie Matthias Gnädiger in dieser Rolle sahen. Dabei hat er Gnädiger wirklich kennen gelernt, als er in einem Hunkeler-Film mitspielte, «in der dritten Staffel: den Penner Pedro».

An Bettinis Seite ist – als zweiter Profidarsteller – Martin Hug, auch er ein ans Theater Basel «Zugewanderter». Er spielt den Wachtmeister Madörin, Hunkelers überforderten cholerischen Untergebenen. Dazu kommen neun Laienspieler aus Basel, Riehen, Liestal, Dornach, Therwil und Füllinsdorf; und dem Erzählten zugrunde liegt Hansjörg Schneiders zweites Hunkeler-Buch, «Flattermann», das bisher nicht verfilmt wurde, vermutlich, weil es noch epischer erzählt ist als die anderen «Fälle», wehmütiger und nachdenklicher.

Sturz von der Johanniterbrücke

«Flattermann. Hunkelers zweiter Fall» (1995 erschienen, inzwischen bei Diogenes verlegt) konfrontiert Hunkeler mit dem Tod eines alten Mannes. Wie «ein grosser Vogel» ist er schreiend von der Johanniterbrücke gestürzt, Hunkeler sah es vom Rhybadhysli aus. Sah ihn im dunklen Anzug durch die Luft «flattern», aufs Wasser aufschlagen und versinken; und obwohl ein holländischer Schiffer ihn noch ans Ufer retten kann, stirbt er kurz darauf im Spital. «Da hatte der Tod zugegriffen, mitten in Basel, mitten im Rhein.»

Das lässt Hunkeler nicht los – der Mann erinnert ihn an seinen Vater, diesen ungeliebten «Dresseur» – und verleitet ihn zu unorthodoxen Spontanaktionen: Er klaut ein Beweisstück, lässt einen polizeilich Gesuchten entwischen, denkt über das Leben nach, das eigene und das des Toten, und schreibt Sätze auf, die ihm dabei helfen. Der «Fall» verläuft im Sand und Hunkeler erlebt, dass er, genau wie der «Flattermann», erst einmal weg muss, um wieder zu sich zu finden.

Es wird interessant sein zu sehen, wie das Ensemble die berührende Geschichte in die Stadt hinein trägt.

Kommissär Hunkeler Ein Fall für Basel Vierteilige Theaterserie nach einem Kriminalroman von Hansjörg Schneider

Premiere am 6. April. Spielorte werden beim Kauf der Karten bekannt gegeben. Nur noch sehr wenige Restkarten übrig.

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