«Thriller»

Dem Idol so nah: Cleopatra Madonna ist Michael Jackson

Michael Jackson war so facettenreich, dass es in «Thriller - Live» sechs Leute braucht, die ihn darstellen. Cleo Higgins ist eine davon. Doch die Engländerin hatte selber schon Erfolge. In den 90er war ihr Gruppe «Cleopatra» eine R’n’B-Sensation.

Cleopatra Madonna. Allein schon dieser Name klingt wie der eines Stars. Wenn man die Engländerin persönlich trifft, bestätigt sich dieser Eindruck noch mehr. Sie ist elegant wie Cleopatra und eine Powerfrau wie Madonna. In ihrem Heimatland wird sie als die britische Antwort auf Beyoncé gesehen. Doch momentan ist sie weder Cleopatra, noch Madonna, noch Beyoncé. Sondern Michael Jackson. Denn Cleopatra Madonna Higgins, wie sie mit vollem Namen heisst, spielt zurzeit in der zu Ehren von Michael Jackson entwickelten Show «Thriller – Live», die noch bis Sonntag im Musical Theater Basel gastiert.

Cleo Higgins performt an der Seat Music Session 2014

Cleo Higgins performt an der Seat Music Session 2014

Dass die 33-Jährige einst auf einer Musical-Bühne stehen und Michael Jackson darstellen würde, war nicht ihr Plan. Sie wollte schon von klein auf Solo-Künstlerin werden und Platten im Studio aufnehmen. Oder besser gesagt: Sie will es immer noch. «Dieser Traum muss sich noch erfüllen.» Den einen oder anderen Song hat die Sängerin mit der voluminösen, powervollen Stimme bereits aufgenommen. Der Durchbruch blieb aber aus. Zumindest als Solo-Sängerin. In den 90er-Jahren wurde sie gemeinsam mit ihren zwei Schwestern mit der R’n’B-Gruppe Cleopatra bekannt. Die drei gingen auf Tour in Amerika und traten weltweit als Vorband der Spice Girls, Destiny’s Child oder Lenny Kravitz auf. «Auf ihn stehe ich total», sagt Higgins und lacht. Wie so oft. Immer wieder im Gespräch fängt sie lauthals an zu lachen. Ansteckend, natürlich.

Das Treffen blieb verwehrt

Drei Top-fünf-Hits landete sie mit ihren Schwestern in den UK Charts, einer davon war eine Cover-Version von «I want you back» der Jackson 5. «Seiner Familie gefiel unsere Version so gut, dass sie uns zu seinem Konzert im Londoner Wembley eingeladen haben – inklusive Meet and Greet.» Zum Treffen mit dem grossen Idol kam es aber nicht. Sie habe «bitterlich geweint» als damals 14-Jährige. Denn Michael Jackson war und ist ihr grösstes Idol. «Ich bin mit ihm aufgewachsen, oder besser gesagt mit seiner Musik. Aber auf eine gewisse Art war es beides. Ich habe seine Anwesenheit in meinem Leben immer gespürt.» Stundenlang habe sie seine Songs gehört, genaustens studiert und ihn versucht zu imitieren. «Er hat mir durch seine Musik so viel beigebracht, was ich mit meiner Stimme machen könnte», sagt die Sängerin, die nie Gesangsstunden genommen hat.

«Ich denke, da ich mir so viele von Michaels Songs angehört habe, klinge ich mittlerweile ein bisschen wie er, ohne dass ich das wollte.» Denn, wie sie immer wieder betont, wolle sie als eigenständige Künstlerin wahrgenommen werden. Dies war mit ein Grund, weshalb sie 2013 bei «The Voice UK» teilnahm. «Ich hatte doch schon einen Namen und dadurch hatten die Leute ein Bild von mir», spielt Higgins darauf an, dass sie als Diva bekannt war. «Deshalb war diese Show eine Chance. Dort sehen dich die Coaches nicht, weil sie mit dem Rücken zu dir sitzen. Sie urteilen einzig und allein über deine Stimme.»

Seit drei Jahren in der Show 

Und diese überzeugte. Alle vier Coaches drehten sich um. Am Ende entschied sie sich für Will.i.am, bekannt als Mitglied der Hip-Hop-Band The Black Eyed Peas. Gewinnen konnte sie die Show nicht, sie schied im Halbfinale aus. Doch ihre Auftritte in der Castingshow machten auf sie aufmerksam. «Kurz danach habe ich erfahren, dass die Produzenten von ‹Thriller – Live› mich scouteten. Sie wollten mich als weibliche Hauptrolle. Das konnte ich kaum fassen.» Bis zu jenem Zeitpunkt habe sie jedoch noch nicht einmal gewusst, dass es eine solche Show gibt. «Aber dann wusste ich sofort: Ich muss da rein. Ich will ihn spielen. Unbedingt.» Mittlerweile ist sie bereits im dritten Jahr dabei und bezeichnet ihre Verpflichtung als unglaublichen persönlichen Erfolg und eine Ehre. Der kleine Wermutstropfen ist aber, dass sie ihre beiden Kinder, eine 14-jährige Tochter und ein 9-jähriger Sohn, während der ganzen Tour nicht zu sehen bekommt. «Sie gehen in die Schule in Manchester. Ich sehe sie nur, wenn wir in der Nähe Auftritte haben.» Durch einen Whatsapp-Chat werde sie aber auf dem Laufenden gehalten.

Noch bis im Juli nächsten Jahres ist Cleopatra Higgins Michael Jackson und verkörpert damit ihr grösstes Idol und ihren grössten Einfluss auf ihr musikalisches Wirken. Danach soll aber erst einmal Schluss sein. «Ich habe andere Projekte im Kopf. Ich möchte beispielsweise sehr gerne schauspielern und diese von der Musik unterschiedlichen Emotionen erfahren.» Und ihre Solo-Karriere will sie ebenfalls vorantreiben. Während sie momentan mit «Thriller» durch Europa tourt, versucht sie, nebenbei ihre Songs aufzunehmen. «Das Ziel ist es, nächstes Jahr endlich ein Album zu veröffentlichen.» Ihr ganz eigenes Album. Nicht als Michael Jackson, nicht als britische Antwort auf Beyoncé, sondern als Solo-Künstlerin Cleopatra Madonna Higgins.

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