Muriel Mercier

Der letzte Donnerstag geht als schwarzer Tag für die Basler Vorfasnachtsveranstaltung Charivari in die Geschichtsbücher ein. An einer ausserordentlichen Sitzung musste der Vorstand aufgrund finanzieller Engpässe kapitulieren und das Charivari 2010 abblasen.

«Kein Weg führte an der Entscheidung vorbei», gibt Obmann Daniel Thiriet zu. Für die Produktion des Charivari müssen zwischen 220 000 und 240 000 Franken aufgeworfen werden - zusammengekommen sind rund 100 000 Franken zu wenig.

Thiriet tut die Entscheidung im Herzen weh. So ganz aus heiterem Himmel wurde die Notbremse aber nicht gezogen. «Wir mussten die Absage planen», bestätigt er. Bereits im April hat das Komitee bemerkt, dass die Aufführung finanziell auf wackligen Beinen steht. Sponsoren liessen sich nur schwer finden.

Im Sommer dann haben die Verantwortlichen einen Tag der definitiven Entscheidung festgelegt. «Er wäre erst nächsten Mittwoch gewesen. Aber wir können schon heute abschätzen, dass wir nie genug Geld zusammen bekommen werden.»

Regisseur rechnete nicht mit Absage

Das Charivari wird im Basler Volkshaus aufgeführt. Die Organisatoren müssen neben der Miete für Bestuhlung, Tische oder Beleuchtung aufkommen. Das sei anders als beim Häbse Theater, das bereits über die ganze Einrichtung verfüge, betont Thiriet. «Wir bezahlen nur schon 120 000 Franken, bevor wir überhaupt den Schlüssel für das Volkshaus in die Hand gedrückt bekommen.»

Noch im Jahr 2008 kaufte die UBS zwei ganze Vorstellungen auf, in diesem Jahr war es immerhin noch eine - im nächsten Jahr hätte der Konzern ganz darauf verzichtet. Hinzu kommt das mässige Programm 2009, das bei den Besuchern gar nicht gut ankam.

«Heute kann man sich einen schwächeren Jahrgang nicht leisten», sagt Charivari-Boss Thiriet. Sogleich habe eine solche Leistung Auswirkungen auf das kommende Jahr. Trotzdem: «Der Ticketverkauf lief gut an. Bis jetzt hätten wir 40 Prozent der Sitzplätze verkauft.»

Für Danny Wehrmüller ist das vorläufige Aus des Charivari ein Tiefschlag. Extra für dessen Produktion verliess der Primarlehrer und Regisseur vor einigen Monaten die Vorfasnachtsveranstaltung Ziggi Zaggi in Muttenz. Weil dieses keinen Nachfolger fand, musste es für das Jahr 2010 ebenfalls eine Pause voraussagen.

Nun ist Wehrmüller während dieses Winters ein arbeitsloser Regisseur. «Als ich im Frühling den Posten als Charivari-Regisseur annahm, sagte man mir zwar, es bestehe eine kleine Möglichkeit, dass die Produktion nicht finanziert werden kann. Aber ich glaubte nicht daran. Ich dachte immer, es gäbe einen Plan B», ist er enttäuscht. Trotzdem bereut er nicht, das Ziggi Zaggi verlassen zu haben. «Es war die richtige Entscheidung. Denn das Charivari ist einfach die grössere Kiste.»

Aus diesem Grund bedauert auch der Fasnachts-Comité-Obmann Felix Rudolf von Rohr den Ausfall. «Das Charivari ist neben dem ‹Drummeli› die zweitgrösste Vorfasnachtsveranstaltung.»

Von Rohr kann vom Problem Sponsorensuche ein Liedlein singen, denn im nächsten Jahr feiert das Fasnachts-Comité sein 100-jähriges Bestehen. «Auch für uns ist es schwierig, Sponsoren zu finden. Aber während wir nur einmal 100 Jahre alt werden, braucht das Charivari langfristig Unterstützung.

Mit neuer Struktur zurück auf Bühne

Der Charivari-Aussetzer 2010 soll sich auf keinen Fall wiederholen, betont Obmann Thiriet mit kräftiger Stimme. «Ich habe vor, im 2011 mit einer neuen Struktur aufzufahren.» Künftig müsse das Charivari einfach finanzierbar sein. Wie der Plan im Detail aussieht, ist noch unklar.

«Es bestehen die Möglichkeiten, dass das Charivari nur alle zwei Jahre aufgeführt wird oder dass die Produktion nicht mehr in diesem grossen Mass ausfällt oder wir in einem kleineren Raum die Bühne betreten.»

Mitfühlende Worte und Beistand ist dem Charivari-Obmann auf jeden Fall gewiss. «Die Anteilnahme ist gross. Innerhalb nur weniger Stunden habe ich bereits unzählige Mails von Leuten erhalten, die mir Mut machen.»

Das Kindercharivari ist von der Absage übrigens nicht betroffen, da dieses über eine eigene Produktion verfügt.