Satire-Debatte
«Das SRF hat Angst, den Leuten etwas Provokatives zuzumuten»

Wie sehen Schweizer Künstler die Streichung von Serdar Somuncus Beitrag aus der Sendung vom Arosa-Humor-Festival?

Flavia Bonanomi und Benno Tuchschmid
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Patrick Frey (l.) glaubt, das SRF habe mit der Streichung von Serdar Somuncu aus dem Programm eine Chance verpasst. (Fotomontage)

Patrick Frey (l.) glaubt, das SRF habe mit der Streichung von Serdar Somuncu aus dem Programm eine Chance verpasst. (Fotomontage)

AZ

Die Wogen um die Zensur-Vorwürfe gegen das SRF durch den deutschen Satiriker Serdar Somuncu gehen hoch. Das Schweizer Fernsehen hatte den Beitrag des bekannten Humoristen aus der zweiteiligen Sendung zum Arosa-Humor-Festival gestrichen. Der witterte «Zensur». Jetzt beschäftigt der Fall Somuncu auch die hiesige Humoristen-Szene. Schweizer Kabarettisten kritisieren das SRF.

Patrick Frey, Schauspieler, Satiriker und ehemaliges Mitglied von Cabaret Götterspass, bezeichnet das Vorgehen des SRF als politisch motivierte «Unverschämtheit». Der 64-Jährige ist selbst während Jahren im Schweizer Fernsehen aufgetreten. Er sagt: «Das SRF hat Angst, den Leuten etwas Provokatives zuzumuten, weil sie ihnen nicht zutrauen, sich eine eigene Meinung bilden zu können.» Das rühre von einer Grundmentalität in der Schweiz her. «Man will nie zu hart, zu direkt sein, man will nichts zu weit treiben und niemandem wehtun». Dabei sei es die Aufgabe des Service public, Leute zu Wort kommen zu lassen, die eine Meinung hätten – «Serdar Somuncu ist ein absoluter Spezialist auf seinem Gebiet.»

Dieser Meinung ist auch Schriftsteller und Kabarettist Gabriel Vetter, der fürs SRF unter anderem die Web-Serie «Güsel. Die Abfalldetektive» produziert hat. Für ihn war Somuncus Auftritt am Humor-Festival «handwerklich sehr, sehr gut, und es ist eine verpasste Chance des SRF, dass sie ihn nicht gezeigt haben». Rolf Tschäppät, Bereichsleiter Comedy und Quiz beim Schweizer Fernsehen, hatte die Streichung Somuncus gegenüber dieser Zeitung damit begründet, sein Auftritt hätte nicht in den Mix der Sendung gepasst. «Eine redaktionelle Auswahl nach sendungsrelevanten Kriterien zu treffen ist keine Zensur.»
Dafür bringt Vetter kein Verständnis auf: «Wenn es dem SRF um den richtigen Mix gehen würde, dann hätte man Somuncu erst recht drin haben müssen.»

Kritik durch prominente Schweizer Satiriker am Schweizer Fernsehen ist nicht alltäglich. Denn wer in der Schweiz mit Humor seinen Lebensunterhalt verdienen will, für den führt kein Weg am gebührenfinanzierten Radio und Fernsehen vorbei. Entsprechend weit verbreitet ist die Zurückhaltung. Verschiedene angefragte Satiriker wollten sich auf Anfrage zur Affäre Somuncu nicht äussern, unter ihnen Victor Giacobbo, Simon Enzler und Andreas Thiel.

TV24 (Anm. der Redaktion: gehört zu den AZMedien) wird den Auftritt von Serdar Somuncu wie vorgesehen in der 2. Ausstrahlung des Arosa Humor-Festivals zeigen. Diese findet am 24.1.2016 um 21.20 Uhr statt.

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