Top 100

Das sind Herrscher über die Kunst

Einflussreich in der Kunstszene: Iwan Wirth, Galerist (Archiv)

Einflussreich in der Kunstszene: Iwan Wirth, Galerist (Archiv)

Das Magazin «ArtReview» hat die einflussreichsten Person im internationalen Kunstbetrieb gekürt. Die Liste der 100 Mächtigsten der Kunstwelt ist stets Ärgernis wie Vergnügen. 2014 habens die Schweizer schwerer als auch schon.

Geld heisst Macht: Das war der Tenor der «ArtReview»-Kunstliste im letzten Jahr. Die Nummer 1 war die grösste Kunst-Einkäuferin der Welt: Sheikha Al-Mayassa bint Hamad bint Khalifa Al-Thani aus Qatar. Dass sie 2014 nur noch auf Platz 13 (!) rangiert, hänge mit den Diskussionen um Qatars nicht gerade vorbildliche Vorbereitungen für die Fussballweltmeisterschaft zusammen, begründet die «ArtReview» die Abstrafung der fürstlichen Sponsorin.

In diesem Jahr sind wieder die klassischen Strippenzieher in den vordersten Positionen vertreten. Jene Leute also, die mitbestimmen, was hip und was out ist. So ist Tate-Direktor Nicholas Serota endlich ganz zuoberst auf dem Podest. Nicht nur weil er ein ganzes Museums-Imperium beherrscht, sondern mit dem Klassiker Matisse selber einen Blockbuster kuratierte und für 2016 die Londoner Tate Modern von Herzog & de Meuron für satte 320 Millionen Franken erweitern wird. Super platziert ist wie immer sein New Yorker Kollege Glenn D. Lowry vom MoMa (Rang 4). Warum ist London aber wichtiger als New York? Vielleicht weil die «ArtReview» aus London kommt?

Super vertreten ist stets auch die Schweiz. Der Zürcher Iwan Wirth ist der zweitmächtigste Galerist der Welt: Wieder Rang 3 hinter dem New Yorker David Zwirner. Die Begründung liest sich wie eine Erklärung über den weltweiten Kunstbetrieb. Wirth schaffe es, viele seiner Künstler mit Ausstellungen in grossen Häusern zu platzieren. Er besitzt unterdessen Galerien in Zürich, London, New York und Los Angeles; und er hat neu auf einem Landsitz im englischen Somerset eine überaus repräsentative Aussenstelle eröffnet.

Die Schweiz verliert

Was die Schweizer in oder für die Schweiz machen, interessiert die Welt offensichtlich ein bisschen weniger. So hat Hans Ulrich-Obrist (offiziell Vize-Direktor der hippen Londoner Serpentine Galleries) einen Platz verloren (von 6 auf 5). Obwohl er den Schweizer Auftritt an der Architektur-Biennale in Venedig gestaltet, und so prestigeträchtige Sachen wie die Performances für die Art Basel und Gerhard Richter für das Beyeler-Museum kuratiert hat.

Als Schweizer müssen wir uns sowieso etwas betrogen vorkommen: Marc Spiegler, Direktor der Art Basel und um zwei Plätze auf Rang 14 aufgestiegen, wird seinem Heimatland USA zugeschlagen. Beatrix Ruf, Noch-Direktorin der Kunsthalle Zürich und einflussreiche Sammler-Beraterin, wird als Deutsche gelistet. Sie ist von Rang 7 auf Rang 17 abgerutscht. Sie habe die Kunsthalle zwar zu einem der einflussreichsten Ausstellungsorte gemacht, aber man wisse nicht, wie sie künftig den Riesendampfer Stedelijk Museum Amsterdam steuern werde.

Abgerutscht, das gilt auch für die anderen Schweizer: für Künstler Thomas Hirschhorn (von 39 auf 54), für den Zürcher Sammler und (Kunstbuch-) Verleger Michael Ringier (von 53 auf 59) und für die Zürcher Power-Galeristin Eva Presenhuber (von 59 auf 64). Einzige Schweizer Aufsteigerin ist die Basler Mäzenin Maja Hoffmann (von 26 auf 22).

Aufsteiger des Jahres 2014 ist Jeff Koons (von 56 auf Rang 7). Jetzt sind also nicht nur sein Werk und seine Preise so aufgeblasen wie seine Ballon-Hunde, sondern auch seine Bedeutung.

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