Ausstellung

Das Kunstmuseum Basel präsentiert epochale Altmeister-Schenkung

Als Piombio gekauft, lange als unbekannter venezianischer Meister deklariert und nun ein Tizian mit einem kleinen Fragezeichen: Das Porträt des Pietro Aretino ist eines von vielen Meisterwerken aus der Stiftung von Louise Bachofen-Burckhardt.

Als Piombio gekauft, lange als unbekannter venezianischer Meister deklariert und nun ein Tizian mit einem kleinen Fragezeichen: Das Porträt des Pietro Aretino ist eines von vielen Meisterwerken aus der Stiftung von Louise Bachofen-Burckhardt.

Das Kunstmuseum Basel würdigt mit einer Ausstellung die Sammlerin Louise Bachofen-Burckhardt, die vor hundert Jahren 300 Werke für das Museum zusammengetragen hatte - so auch ein Gemälde, das neu Tizian zugeschrieben ist.

Da hängt es nun, das in dunklen Farbtönen gehaltene Porträt des italienischen Schriftstellers, Satirikers und Pornografen Pietro Arentino. Um 1527 ist entstanden. Das Museum hatte es lange Zeit im Depot untergebracht, "weil wir mit italienischen Altmeistern eher mager ausgestattet sind und uns der Kontext fehlte", wie Altmeister-Kurator Bodo Brinkmann am Donnerstag an einer Führung sagte.

Vor gut einem Monat hat sich das schlagartig geändert: In der September-Ausgabe der englischen Kunstzeitschrift "Apollo" legte ein ausführlicher Artikel dar, dass es sich bei diesem rund 60 mal 47 Zentimeter grosse Gemälde, das zuvor einem unbekannten "venezianischen Meister" zugeschriebenen wurde, um einen Tizian handelt muss. "Ein bedeutendes Werk von Tizian, versteckt in aller Öffentlichkeit", hiess es im Titel.

Verfasser des Textes war der Altmeister-Kurator der Frick Collection in New York, Xavier F. Solomon, seines Zeichens ein grosser Tizian-Spezialist. Er beklagte zwar den schlechten Zustand des Bildes, bezeichnete dessen malerische Qualität aber als "herausragend" ("exeptional") und verband damit die Hoffnung, dass eine Restaurierung alle Zweifel beseitigen werde.

Seit Veröffentlichung des Artikels steht nun der Name Tizian unter dem Bild, allerdings noch immer mit einem Fragezeichen versehen. "Es deutet tatsächlich vieles darauf hin, dass es sich tatsächlich um einen Tizian handelt", sagte Brinkmann, der das Gemälde zusammen mit seinem New Yorker Kollegen begutachtet hatte. "Aber hundertprozentige Gewissheit werden wir vielleicht nie haben - Tizian mit Fragezeichen ist also richtig."

Da ist der Basler Museumsmann um einiges zurückhaltender als seine Kollegen aus dem Kunsthaus Zürich es vor wenigen Monaten waren. Diese hatten im März dieses Jahres nach einer Schenkung eines kleinen Landschaftsbildes verkündet: "Als einziges Kunstmuseum in der Schweiz kann jetzt das Kunsthaus Zürich ein Gemälde von Tiziano Vecellio (1488-1529) sein Eigen nennen."

Mittlerweile deklariert das Kunsthaus dieses Werk nur noch als "Tizian zugeschrieben". In mehreren Artikeln in den TA-Media-Zeitungen hatten verschiedene Experten grosse Zweifel an der Autorenschaft vorgebracht.

Aus Piombino wurde Tizian

Aber zurück nach Basel. Als Louise Bachofen-Burckhardt das Werk 1908 für 10'000 Franken gekauft hatte, freute sie sich darüber, ein Gemälde des Tizian-Zeitgenossen Sebastiano del Piombo in ihre Stiftung aufnehmen und damit dem Kunstmuseum überreichen zu können. Zwar schimmerte mit der Zeit immer wieder der Name Tizian durch, aber bis eben vor kurzem nie deutlich genug, sodass es das Kunstmuseum lange Zeit beim unbekannten "venezianischen Meister" beliess.

Das Aufsehen erregende Gemälde ist aber nur eines von vielen, das Bachofen-Burckhardt zu Beginn des 20. Jahrhunderts für "ihre geliebte Vaterstadt" kaufte. 303 sind es insgesamt, die in ihre Stiftung aufgenommen wurden und 2015 endgültig als Schenkung ans Museum gingen.

"Nicht alle sind Spitzenwerke", sagte Museumsdirektor Josef Helfenstein an der Präsentation der Sonderausstellung; bei einigen handle es sich auch um Fälschungen. Um dann aber gleich einige hochkarätige Meisterwerke aufzuzählen, die seit Jahrzehnten zu den Höhepunkten der Altmeister-Sammlung gehören.

Viele weitere Meisterwerke

Dazu ist sicher die "Madonna mit Kind" (1529) von Lucas Cranach d. Ä. zu zählen. Oder "Der büssende hl. Hieronimus" (1485/90) von Hans Memling. Weniger bekannt ist indes das Selbstporträt der Künstlerin Catharina van Hemessen von 1548. Es handelt sich aber um das bislang älteste bekannte Selbstbildnis einer Malerin.

In der Sonderausstellung im Hauptbau präsentiert das Museum nun 132 Werke aus der Sammlung. Die nicht ganz so bedeutenden Bilder füllen in einer Petersburger Hängung ganze Wände, den Meisterwerken - nicht alle hat man aus der Dauerausstellung herausgerissen - wurde mehr Platz eingeräumt, wie auch den Kopien und Fälschungen, die in einem eigenen Raum ebenfalls gezeigt werden: "Aber ohne die Leistung der Sammlerin zu schmälern", wie Brinkmann betonte, "das passiert praktisch jedem Sammler, jeder Sammlerin".

Im Katalog wird erstmals auch die Person der Sammlerin (1845-1920) gewürdigt, deren ausdrücklicher Wunsch es gewesen war, als Person hinter dem Werk zurückzutreten. Zu ihren Lebzeiten stand vor allem ihr um 30 Jahre älterer Ehemann, der Rechtshistoriker und Altertumsforscher Johann Jakob Bachofen, im Licht der Öffentlichkeit. Mit Kunst hatte er aber nichts am Hut.

Die Ausstellung mit dem Titel "Bilderlust" dauert bis 29. März 2020. Mit ihr kann das Museum so im nächsten Jahr gleich auch den 100. Todestag von Louise Bachofen-Burckhardt begehen.

Und wie geht es nun weiter mit dem Tizian? Dieser reist Ende November nach Florenz in die Uffizien. Die Gemäldegalerie widmet eine Sonderausstellung dem porträtierten Pietro Aretino, der übrigens mit Tizian befreundet war und den der grosse venezianische Meister mehrmals gemalt hat.

"Möglicherweise wird der Aufenthalt des Bildes in Florenz neue Erkenntnisse bringen", sagte Brinkmann. Könnte sein, dass das Fragezeichen hinter Tizian nach der Rückkehr des Bildes nach Basel kleiner sein wird.

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