«Das Kino ist ein sozialer Tummelplatz»

IN LOCARNO: Kinobetreiber Konrad Schibli (40) auf der Piazza. (Bild: S. Golay

Konrad Schibli Kinobetreiber

IN LOCARNO: Kinobetreiber Konrad Schibli (40) auf der Piazza. (Bild: S. Golay

Konrad Schibli (40) ist ein innovativer Kinobetreiber der jüngeren Generation: Er hat in Los Angeles Filmmarketing studiert und setzt auf Multiplexkinos mit 3-D-Technologie – nun auch in Oftringen.

CHRISTIAN JUNGEN, LOCARNO

Konrad Schibli kommt direkt aus «Woodstock» auf die Piazza Grande von Locarno: An der Trade Show, wo die unabhängigen Verleiher den Kinobetreibern ihre kommenden Filme vorführen, hat er sich «Taking Woodstock» von Ang Lee angeschaut: «Spannendes Thema, guter Aufbau.» Der dreifache Vater verbindet in Locarno Familienferien und Geschäft. Sein prägendstes Erlebnis auf der Piazza war als Jugendlicher «Back to the Future».

Konrad ist ein Spross der Oltner Kinobetreiberdynastie Schibli und führt heute selber 12 Säle in Brugg, Oftringen, Oensingen und Olten. Schibli wuchs im Haus des Kinos Palace in Olten auf, wo sein Vater in zweiter Generation das Geschäft führte. «Als Kind klebte ich Filmplakate auf und arbeitete als Platzanweiser », erzählt Schibli, der schliesslich an der renommierten Filmhochschule UCLA in Los Angeles Filmmarketing studierte und nebenbei das 800 Plätze fassende Traditionskino Vista Theater am Hollywood Boulevard managte. «Mich interessiert das Kino als gesellschaftliches Ereignis mit allem Drumrum stärker als die künstlerischen Aspekte der Filme.»

Darum schrieb Schibli nach dem Studium Bewerbungsbriefe an alle grossen Kinoketten der Welt. Warner Bros. gab ihm schliesslich die Chance für eine Weiterbildung in England. «Danach durfte ich in Deutschland drei Jahre lang Kinos leiten und ein Multiplex mit neun Sälen in Oberhausen aufbauen.» Vor eineinhalb Jahren übernahm Schibli das serbelnde Multiplexkino in Oftringen und sorgte mit innovativen Aktionen wie einem Treffen für getunte Boliden und Autokino anlässlich von «Fast & Furious» für volle Kassen.

EIN REKORDMONAT war der Juli. «Ich hatte 8000 Besucher budgetiert, schliesslich zählten wir dank ‹Ice Age 3›, ‹Harry Potter 6› und ‹The Hangover› doppelt so viele», lacht er. Während viele Kinobetreiber mit der neuen 3-D-Technologie zuwarten, setzt Schibli nun voll darauf. «Man darf als Kinounternehmer kein Rappenspalter sein, muss auch mal einen Verlust einfahren können: No risk, no fun.»

Schiblis Erfolgsgeheimnis? «Sehen und gesehen werden! Das Kino sollte Tummelplatz werden, wo sich die Leute treffen wie an einer Chilbi. Deshalb habe ich zum Beispiel beim Rolltreppenaufgang Sofas hingestellt, damit man sieht, wer kommt.» In Locarno ist ihm eine weitere Idee gekommen. «Man müsste eigentlich eine Kamera installieren, damit die Leute aufnehmen und sie auf der Leinwand zeigen, wie es das Festival hier jeden Abend auf der Piazza Grande macht.» Kein Wunder, läuft bei so vielen neuen Ideen das Youcinema in Oftringen immer besser.

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