Digitale Kultur

Das Handy gehört ins Museum

#GauguinSounds: Ausstellungsbesucher hören, dass etwa alt Bundesrat Moritz Leuenberger dieses Bild mit «Take it Back» von Pink Floyd assoziiert.

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Digitalkultur Die Tagung «stARTcamp» will den Einsatz digitaler und sozialer Medien in Kulturinstitutionen fördern. Nach guten Erfahrungen in Deutschland und Österreich findet am 7. September die erste «Unkoferenz» dieser Art in der Schweiz statt.

Computerspielen in der Museumsausstellung. Operntickets auf Facebook kaufen. Live aus dem Theater twittern. Vor einem Kunstwerk die passende Musik hören. Durch die Stadt laufen und via App etwas über die Geschichte ihrer Gebäude lernen.

All dies und noch viel mehr macht die digitale Technik möglich. Theoretisch. Denn die vielen neuen Möglichkeiten nutzen erst wenige Kulturinstitutionen. Gerade in der Schweiz hinkten Museen und Theater den Entwicklungen hinterher, stellt Roger Aeschbach, Inhaber der Basler Firma Element GmbH fest. Eine spezielle Tagung, die am 7. September erstmals auch in der Schweiz stattfindet, soll den Fortschritt auf dem Gebiet der digitalen Kultur nun vorantreiben. Aeschbach gehört zu den Mitinitianten.

Schweizer Premiere in Basel

Die Tagung heisst «stARTcamp». Das Motto lautet: «Kultur digital erzählen». Kulturinstitutionen, Künstler und Kreative sind eingeladen, «einen Tag lang über den Einsatz digitaler Medien zu diskutieren, Fallbeispiele zu erörtern und sich über mögliche Entwicklungen zu informieren», heisst es in der Einladung. Als Konferenz soll der Anlass gerade nicht bezeichnet werden, vielmehr als «Unkonferenz». Denn jede und jeder, der mag, kann etwas Informatives dazu beitragen: Ein Referat, einen Workshop, vielleicht ein Spiel. Die Besucherinnen und Besucher können dann aus einem grossen Angebot wählen, woran sie teilnehmen. Im Zentrum steht der lockere Erfahrungsaustausch.

In Deutschland und Österreich haben schon 18 solcher Startcamps stattgefunden. Dort hätten wichtige Kulturinstitutionen den Tag fix in ihrer Jahresagenda, sagt Co-Organisator Christian Holst, Referent für Marketing & Social Media am Opernhaus Zürich. Weil man bei der Schweizer Premiere in Basel nicht riskieren will, dass sich spontan keine Referenten einfinden, haben die Organisatoren – dazu gehören auch Daniele Turini vom Historischen Museum Basel sowie Axel Vogelsang von der Hochschule Luzern – bereits einige mit dem Thema Vertraute für die sogenannten «Sessions» gewinnen können.

Die Tagung findet im Hauptgebäude des Historischen Museums Basel (hmb) statt, in der Barfüsserkirche. Nicht zufällig: Das hmb gilt als «vorbildlich» und «experimentierfreudig», wie Aeschbach sagt; seit der neuen Leitung sei vieles möglich geworden. Etwa Tweevenings, Museumsführungen, während derer die Besucher ihre Eindrücke twittern. Diese werden gesammelt und zeitgleich auf einer Leinwand im Museum projiziert. So entsteht ein reger Austausch über den Inhalt.

In den kommenden hmb-Projekten sollen vermehrt Online-Spiele integriert werden. Denn gut eingesetzte Spiel-Elemente «können den Lerneffekt erhöhen», wie Aeschbach erklärt. Mehr zu dieser «Gamification im Museum» wird Daniele Turini an der Tagung erzählen, «eCulture»-Chef im hmb.

Kein Ersatz fürs Analoge

Bei den Schweizer Kunstmuseen ist die Fondation Beyeler auch was digitale Innovationen angeht spitze. Während der Gauguin-Ausstellung konnten sich die Besucher vor den Bildern – oder daheim – dazu passende Musik anhören, ausgesucht von Prominenten. Oder sie blätterten in digitalen Gauguin-Büchern – mit Papierseiten, die wie Touchscreens funktionierten. «Unsere Angebote sind kein Ersatz, sondern eine Ergänzung. Wir wollen den Raum erweitern, die Kunst auf einer weiteren Ebene zugänglich machen», sagt Mirjam Baitsch, Digital Communications Manager bei der Fondation Beyeler. Mehr wird sie an der Tagung erzählen.

Auch Basels Kulturchef Philippe Bischof, der die digitale Kultur in Basels Museen fördern will, betont: «Die Angebote sollen einen Mehrwert erzeugen, die Vermittlung vereinfachen und zur kulturellen Bildung beitragen. Aber sie können und sollen nicht dazu führen, dass die Leute sich im Netz statt im Museum aufhalten. Digital und analog müssen sich ergänzen.»

Nicht alles, was digital ist, ist auch sinnvoll. Wann was wie wo gut funktioniert – auch für solche Debatten wird das Startcamp offen sein.

Das erste Schweizer Startcamp findet am 7. September von 9 bis 18 Uhr im
Museum für Geschichte in Basel statt. Ein Ticket kostet 50 Franken. Alle Informationen unter: www.startcamp.ch

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