Gruebefest
Das Gurtenfestival kann bald einpacken

Dieses Wochenende findet zum fünften Mal das Gruebefest in Rüedisbach bei Wynigen statt. Ursprünglich war eine Geburtstagsparty geplant – heute hat sich das Gruebefest etabliert. Mitorganisator Matthias Zurflüh erklärt warum.

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Zur Verfügung gestellt

Fabienne Wüthrich

«Rüedisbach bei Wynigen liegt am A.... der Welt», sagt Matthias Zurflüh und lacht. Natürlich sei das nicht böse gemeint, aber unter diesem Gesichtspunkt ein Waldfest zu organisieren, sei ein heikles Vorhaben gewesen. Dennoch: Vor fünf Jahren stellten er und seine Kollegen Adrian Rothenbühler, Thomas Eichenberger, Philip Muhmenthaler, Simon Mosimann und Reto Lerch zum ersten Mal das Gruebefest auf die Beine. «Ursprünglich war nur eine Geburtstagsparty geplant», sagt er. Angesichts der vielen Leute, die ihre Teilnahme ankündigten, haben die damals 18-Jährigen diesen Gedanken aber schnell fallen lassen.

So entstand im Prinzip ein ungeplantes Waldfest, das sich mittlerweile unter dem Namen Gruebefest etabliert hat. «Beim ersten Mal feierten wir lediglich am Freitag, dann kam jedoch der Entschluss, den Samstag auch noch zu zelebrieren», so Zurflüh. Zu Beginn besuchten - trotz minimalem Werbeaufwand - etwa 450 Menschen das Gruebefest. Heute würden 2000 Menschen am zweitägigen Anlass teilnehmen. «Die Freude der Menschen hat uns immer wieder zum Weitermachen motiviert», sagt er.

Zahlreiche Sponsoren

Der Name des Rüedisbacher Gruebefestes geht auf das «Grüebli» zurück. Laut Mitorganisator Matthias Zurflüh ist das ein Graben, der Mitorganisator Thomas Eichenbergers Eltern gehört. Das Waldfest wird unter dem Namen Stramp-Emotions organisiert. Dieser Name komme keinesfalls aus dem Englischen, sagt Zurflüh. Er setze sich aus den Anfangsbuchstaben der sechs Vornamen der Organisatoren zusammen. Zurflüh kann nicht sagen, wie hoch ihr Budget jeweils ist: «Das weiss ich nicht.» Sie würden viel Material gesponsert bekommen – dazu gehörten Holz, Plachen, Getränke. Zudem seien sie alle Söhne von Bauern und erhielten tatkräftige Unterstützung von ihren Eltern. Aber: «Wir haben keine Mühe, Sponsoren zu finden», sagt er. Das Gruebefest habe sich mittlerweile so etabliert, «dass es für uns ein gutes Marketinginstrument ist». (fwb)

Das Gruebefest findet diesen Freitag und Samstag ab 20 Uhr in Rüedisbach statt. An beiden Abenden gibts DJs, ein Partyzelt und mehrere Bars.

40 Helfende für den Aufbau ...

Motivation benötigen die sechs Männer auch: Gemäss Zurflüh ist der Aufwand für das Gruebefest sehr gross. Er rechne mit etwa 700 bis 800 Stunden pro Jahr und Organisator. Eine Woche vor dem Anlass würden sie sich jeweils zum Aufbau treffen - dieser dauere denn ebenfalls sieben Tage. Hier gilt es die Bars, den Eingang, die Bühne sowie das Zelt aufzustellen. «Jeder von uns nimmt extra wegen des Festes Ferien; das ist ein Muss», sagt er und lacht. Zurflüh selber reist aus Arosa an, sagt aber: «Der Aufwand lohnt sich.»

Wenn der 23-Jährige die fröhlichen Gäste sehe, sei das Lohn genug. «Wir machen das auch nicht wegen des Gewinns.» Denn dieser sei gering und würde für die etwa 40 Helferinnen und Helfer eingesetzt. Viele Leute arbeiteten freiwillig am Gruebefest - und nicht nur Einwohner aus Rüedisbach. «Wir haben sogar Leute, die extra aus St. Gallen anreisen.» Die Helfenden würden aber fürstlich entlöhnt: unter anderem mit T-Shirts und einem Ausflug.

Nicht nur für Heimweh-Rüedisbacher sei das Gruebefest reizvoll, so Zurflüh. «Wir bieten jedes Jahr etwas Spezielles an.» 2008 hätten sie beispielsweise den grössten Traktor der Schweiz ausgestellt, auch heuer gebe es wieder viele Landmaschinen zu bestaunen. Ein Höhepunkt sei zudem der beleuchtete Wald - und der Eingang, der immer wieder irgendwo anders stehe. «Unser Fest ist dynamisch», sagt er, «wir bleiben nie stehen.» Zwölf Mal pro Jahr würden sie sich für den Anlass treffen. «Wir haben diverse Ideen, sitzen zusammen, bis uns die Köpfe rauchen.»

... und 40 Wegweiser für das Fest

Ihre Zielgruppe seien junge Menschen. Das Durchschnittsalter der Besucherinnen und Besucher liege zwischen 16 und 25 Jahren. Aber: «Viele ältere Personen kommen immer wieder gerne an das Waldfest», so Zurflüh. Ihr ältester Gast sei 88 Jahre alt. «Er bleibt einfach nicht bis morgens um zwei Uhr», sagt er und lacht herzlich.

Angst, dass aufgrund der Wirtschaftskrise die Leute ausbleiben, haben die Organisatoren nicht: Das Gruebefest sei «etwas Spezielles», ähnlich wie das Berner Gurtenfestival. «Nur nicht so gross», sagt er. Viele Leute hätten sich den Anlass dick in die Agenda eingetragen. «Ein Lehrling, den ich kenne, hat sogar seinen ganzen Lohn dafür gespart.» Mittlerweile sei der Anlass «schon fast zur Tradition» geworden. «Deshalb werden wir das Fest bestimmt noch lange organisieren», so der 23-Jährige. Übrigens: Damit die Menschen den Weg ans A.... der Welt finden, haben die sechs Männer ein Patentrezept gefunden: «Wir stellen nun 40 Wegweiser auf.»

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