Es ist ein Mädchen! Im Dezember hat die Junge Marie – fast unbemerkt – das Licht der Theaterwelt erblickt.

Und schon in diesem Jahr wird das vom Theater Marie engagierte Regieteam mit bühnenerfahrenen jungen Schauspielern ohne Ausbildung eine Inszenierung erarbeiten: In der Romanadaption «Sagt Lila» verdreht eine vulgär dahinredende Blondine einem Vorstadtjungen den Kopf.

Die Junge Marie hat die drei Jungs, welche den «Engel mit Nuttenschnauze» – gespielt von Profischauspielerin Lina Hoppe –  umschwärmen sollen, bereits gecastet. Im Herbst ist in der Tuchlaube Premiere.

Das Aargauer Kuratorium unterstützt die Junge Marie mit einem Pilot-Projektbeitrag von 60 000 Franken, die Stadt Aarau mit 10 000 Franken. Und die Alte Marie steht dem fünfköpfigen Team als fürsorgliche Mutter bei allen Lebensfragen zur Seite – will ihr aber auch nicht zu viel dreinreden, wie Patric Bachmann, Dramaturg beim Theater Marie, versichert.

Wie die Heilige Jungfrau ist das Aargauer Theater Marie nicht zu seinem Kind gekommen. Da hat das Aargauer Kuratorium bereits 2012 Geburtshilfe geleistet, als es in seinem Jahresbericht darüber nachdachte, wie man im Aargau das Theaterschaffen «nachhaltig» fördern solle.

Die Massnahmen: Im letzten Herbst startete die Aarauer Tuchlaube das Nachwuchsförderprojekt «First Steps», eine Starthilfe für bereits ausgebildete Theaterschaffende.

Die Junge Marie sieht sich nicht als deren Konkurrentin. «Die Junge Marie sucht Schauspieler. ‹First Steps› mehrheitlich Regieteams», sagt Caroline Ringeisen, die die Jungen als Regisseurin betreuen wird.

Die Pressekonferenz, die leger zwischen Kartenhäuschen und Kochplatte im alten Vorstadtkino in Suhr, der Probebühne der Theatergruppe, abgehalten wurde, machte deutlich: Die heilige Familie hat an Gesichtern und an Profil gewonnen, seit Olivier Keller und sein Bruder Patric Bachmann im Herbst 2012 die berühmteste Aargauer Theatergruppe übernommen und verjüngt haben.

«Der Grosse Gatsby» in Baden

Nach drei kleineren Inszenierungen will das Team mit dem amerikanischen Romanklassiker «Der Grosse Gatsby» von F. Scott Fitzgerald im Kurtheater Baden am 23. April hoch hinaus.

Baden sei wegen seiner peripheren Lage zur Finanzmetropole Zürich ideal für die Geschichte des sozialen Aufsteigers Gatsby, begründet Regisseur Olivier Keller seine Ortswahl, bei der auch eigene Ambitionen – das Kurtheater ist mit rund 600 Plätzen das grösste Theaterhaus im Aargau – mit hineingespielt haben könnten.

Gezeigt wird eine Version der Berliner Dramatikerin Rebekka Kricheldorf, die für den Mülheimer Dramatikerpreis 2014 nominiert ist. Kricheldorf hat den Roman in ein «Popmärchen zum Thema Auf- und Abstieg» verwandelt, so Keller.

Mit der Autorin teilt das Theater Marie die Fähigkeit, fremde Textgenres für das Theater zupackend aufzubereiten.

Ob das Theater Marie die eher enttäuschende Inszenierung von Peter Kastenmüller – derzeit am Zürcher Neumarkt-Theater – übertreffen wird? Es ist zu hoffen! Der glamouröse Stoff zieht schon jetzt. Viele Theaterhäuser interessieren sich für die Inszenierung.

Das Prosa-vernarrte Theater Marie – auch für einen Roman von Alex Capus fand das Team im letzten Herbst einen frechen Bühnenton – setzt seine Dramatisierungsreihe 2014 fort mit einer Theaterfassung von Klaus Merz’ Novelle «Der Argentinier».

Regisseur Olivier Keller verliebte sich schon als Gymnasiast in die poetische Sprache des Aargauer Schriftstellers.

Merz hat alle Inszenierungen des neuen Teams «positiv kritisch» verfolgt. Er kennt die Theaterschaffenden und hatte schon Mitte der 1990er-Jahre mit der älteren Garde des Theater Marie zusammengearbeitet. «Seit ich in Suhr arbeite, ist Merz quasi mein Nachbar», sagt Olivier Keller.

Der langjährige Austausch kulminiert nun in einem Zwei-PersonenStück, das im Herbst in der Tuchlaube Premiere hat.

Man wolle den «zeitgenössischen Umgang mit Nostalgie» herausarbeiten, so das Team, das im Sommer in der Alten Reithalle mit einer Installation auch einen «undogmatischen Blick» auf Merz’ Novelle wirft, in der sich eine Enkelin an ihren Grossvater erinnert, der für kurze Zeit als Tangotänzer sein Glück in Argentinien versuchte, um dann doch wieder in die Schweizer Provinz zurückzukehren.

Schnitzeljagd in Suhr

Am Freitag startet erst mal die Hörschnitzeljagd «Leichtbau und Schwermetall», die das Theater Marie als Stadtschreiber von Suhr 2013 konzipiert hat.

Mit Smartphones, die man bei der Bibliothek Suhr beziehen kann, gehen die Hörer auf eine GPS-gesteuerte Wandertour auf dem Huggler-Areal in Suhr, das gerade eine Umbruchphase erlebt. Die Hörer können sich auf dem Areal frei bewegen, dabei kommen die Stimmen der dort lebenden Menschen zu Wort.

Leichtbau und Schwermetall. Hörschnitzeljagd auf dem Huggler-Areal Suhr. Vernissage: Fr 4. April, 18 Uhr. Treffpunkt: Alte Mühle. The Great Gatsby im Kurtheater Baden. Premiere: Mi 23. April, 20 Uhr.