Birmensdorf

Cyrano hat eine Nase für Poesie

Verzwickt: Cyrano (Antonio da Silva) ist ein begnadeter Poet, traut sich aber aufgrund seiner grossen Nase nicht, Roxane (Cornelia Pollak) seine Liebe zu gestehen. (Bild: Christian Murer)

Nase

Verzwickt: Cyrano (Antonio da Silva) ist ein begnadeter Poet, traut sich aber aufgrund seiner grossen Nase nicht, Roxane (Cornelia Pollak) seine Liebe zu gestehen. (Bild: Christian Murer)

Die turbulenten Degenabenteuer und die romantische Liebesgeschichte des charmanten Phantasten und Poeten Cyrano erzählt das Theater des Kantons Zürich in einem überschäumenden Schauspiel voller Musik und Poesie.

Christian Murer

Eingeladen ins Gemeindezentrum Brüelmatt zum Freilichttheater «Cyrano» am Mittwochabend hat die Kulturkommission Aesch sowie der Kulturkreis Birmensdorf. «Wir haben uns am Morgen um 10 Uhr trotz der zweifelhaften Wetterlage fürs Freie entschieden», sagt die verantwortliche Birmensdorfer Kulturfrau Heidi Thüring. Das «Prinzip Hoffnung» habe schliesslich den Ausschlag gegeben.

Dann beginnt er, der Freilichttheaterabend mit der spannenden Geschichte um den berüchtigten Poeten und Haudegen Cyrano de Bergerac. Es ist frisch und kühl in der Spielarena. In Pullover und Decken gehüllt, sitzt die Zuschauerschar auf den Sitzbänken und freut sich auf die romantische Komödie mit Musik - gespielt von Willi Häne. Recht zahlreich schart sich das Publikum - trotz einem höchst attraktiven Fussballspiel, das gleichzeitig läuft - um das ockerfarbene Bühnenbild, das wie eine riesige Nase ausschaut.

Und so kommen die Theaterfans in den Genuss einer ergreifenden Geschichte um den unglücklichen Helden Cyrano. Das Stück lebt von seiner federleichten und facettenreichen Sprache. Auf hochkomische Wortduelle folgen Passagen, die das ganze Leid des Liebenden mit seinem kühnen und überlegenen Humor greifbar machen.

Der Komplex mit der Nase

Es geht um Schönheit und innere Werte, um Stolz und Scham, um Liebe und Leid. Titelheld Cyrano - mit grosser Leidenschaft und schauspielerischem Einsatz verkörpert von Antonio da Silva - hat Komplexe wegen seiner grossen Nase. Der äussere Makel lastet so schwer auf dem stolzen Edelmann, dass er nicht wagt, seiner Cousine Roxane - anmutig gespielt von Cornelia Pollak - seine Liebe zu gestehen. Diese wiederum erwählt den schönen, aber ungebildeten Kadetten Christian de Neuvillette (Silvio Caha) zum König ihres Herzens und bittet Cyrano, ihren Geliebten zu schützen. Aus Liebe zu ihr hilft Cyrano dem eher tölpelhaften Christian, Roxane mit geschliffenen Reimen zu umwerben und ihr so eine seelische Empfindsamkeit und geistige Erhabenheit vorzugaukeln, die Christian gar nicht besitzt.

Aus drei mach zehn

Mit nur wenigen modernen Requisiten ist dem Theater des Kantons Zürich eine rasante und packende Inszenierung des Klassikers über Scheu, Schönheitswahn und Täuschung gelungen.

Dabei bewahren die Theatermacher den eleganten Charme der Mantel- und Degen-Intrige und belassen die Handlung im 17. Jahrhundert. Um den Inhalt des Stückes darzustellen, vertraut Regisseur Hardy Hoosman erfolgreich der Dramaturgin Marie-Louise Michel und der Regieassistentin Daliah König. Die drei wunderbaren Schauspieler durchleiden und geniessen nicht nur Abgründe und Höhepunkte der Liebe mit zerknirschter Verzweiflung und schwärmerischer Ausgelassenheit. Nach dem Motto aus drei mach zehn dürfen sie im kunstvoll komprimierten Text «Cyrano», den der belgische Autor Jo Roets aus der Komödie Edmond Rostands herausgefiltert hat, in mehreren Charakteren brillieren.

Die Probleme des Stücks sind auch heute noch topaktuell: Cyrano findet sich ob seiner Nase nicht hübsch genug, um seine Liebe zu gestehen. Roxane verliebt sich in einen gefälligen Körper, will aber auch noch Geist, Mut, Hingabe und Beredsamkeit zur Komplettierung ihres Ideals. Christian springt Fahnen schwenkend in der Arena herum und skandiert wie ein Fussballfan: «Wir sind die Gascogner Kadetten!» Auch die Kostüme von Elke Scheuermann unterstützen diese Schwebe zwischen Aktualität und Vergangenheit.

Ein Stück, in dem alles stimmt

In der Tat: Dem Theater des Kantons Zürich gelingt mit «Cyrano» ein grandioses Stück, bei dem alles stimmt: Tempo, Komik, Tragik, Distanz sowie Stärke und Kraft.

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