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Comedy-Star Kebekus: «Humor tief unter der Gürtellinie finde ich sehr lustig»

Karolin Kebekus lässt sich von den negativen Kommentaren nicht beirren.

Karolin Kebekus lässt sich von den negativen Kommentaren nicht beirren.

Die deutsche Carolin Kebekus zeigt ihr neues Programm «Alpha Pussy» im Hallenstadion. Im Interview spricht sie über ihre Show und darüber, was Aufführungen in der Schweiz von jenen in Deutschland unterscheidet.

Frau Kebekus, Sie lösen mit Ihren Sketches über Sex und Religion im deutschen Fernsehen immer wieder Kontroversen aus. Nach Ihrer Kirchen-Parodie «Dunk den Herrn» gingen mehrere Strafanzeigen gegen Sie ein. Gehen Sie damit nicht zu weit?

Carolin Kebekus: Dinge überspitzt darzustellen, ist eine Möglichkeit, um von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Heutzutage braucht es diese Überspitzung. Als ich das Thema Religion aufgriff, fand gerade eine Bischofskonferenz zur Rolle der Frau in der Kirche statt. Zur gleichen Zeit wurde ein Mädchen, das vergewaltigt wurde, in zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen. Es lag für mich deshalb auf der Hand, diesen Missstand satirisch aufzuarbeiten. Die Reaktionen bewiesen, dass ich damit einen Nerv traf.

Ist es für Sie schwierig, zwischen lustig und respektlos zu unterscheiden?

Nein, aber die Öffentlichkeit ist empfindlicher geworden. Man muss mehr aufpassen, was man sagt. Oft werden Aussagen, die eigentlich ironisch gemeint sind, nicht als ironisch erkannt. Ich lasse mich davon aber nicht beeinflussen.

Die Kritik ist jedoch oft sehr hart. Wie gehen Sie mit den Reaktionen auf Ihre Sketche um?

Ich habe aufgehört, Online-Kommentare zu lesen. Diesen ganze Hass, der einem entgegenkommt, lese ich gar nicht mehr.

Finden Sie es wichtig, dass Satiriker diese Empfindlichkeit in der Gesellschaft ausnutzen?

Ja, das Gefühl habe ich. Wir befinden uns in einer politisch und sozial unsicheren Zeit. Gerade deshalb ist der Fokus auf den Satirikern. Diese Kunstform bietet die Möglichkeit, kontroverse oder auch schreckliche Dinge einfacher oder überspitzter darzustellen. Sie kann den Dingen ein Stück weit ihren Schrecken nehmen oder auf witzige Art aufzeigen, wie falsch sie sind. Ich will den Zuschauern aber nicht die Welt erklären und will die Welt auch nicht verbessern. Ich sehe mich eigentlich nicht als politische Satirikerin.

Trotzdem sprechen Sie in Ihrem Bühnen-Programm viel über Gleichberechtigung. Ist es als Frau wichtig, Feminismus zu propagieren?

Auf jeden Fall. Feministinnen haben heute einen schlechten Ruf. Sie gelten als radikal. Dabei geht es nur um die Gleichberechtigung von Mann und Frau. In meinem Programm setzte ich mich stark dafür ein. Als Frau ist es meine Aufgabe, dies zu tun. Doch das wird auch negativ aufgenommen. Viele empfinden einen solchen Einsatz als anstrengend.

Sind denn Frauen Feminismus-müde?

Vielleicht nicht müde. Aber vielen Frauen ist nicht mehr bewusst, wie wichtig Feminismus auch heute noch ist. Sexismus ist schliesslich nicht verschwunden. Aber er ist diffuser geworden. Frauen haben sich daran gewöhnt und haben sich arrangiert. Manchmal denke ich, wir müssen das vielleicht auch aushalten, bis diese Altherren ausgestorben sind.

Erleben Sie Sexismus im Showbusiness?

Heute habe ich einen Status erreicht, wo ich das nicht mehr spüre. Aber am Anfang meiner Karriere war ich oft das einzige Mädchen in Männerrunden und hab mir viele Sprüche anhören müssen.

Die Sie heute zu Haufe zurückgeben. Wie definieren Sie Ihren Humor?

Ich bin leicht zu erheitern. Humor tief unter der Gürtellinie finde ich sehr lustig.

Ist das nicht ein Widerspruch zu Ihrer Kritik an Sexismus?

Im Gegenteil. Wenn wir Frauen die schlimmeren Sprüche machen als die Männer, entkräften wir damit den Sexismus. So schlagen wir den Gegner mit seiner eigenen Waffe.

Erwarten Sie in der Schweiz ein anderes Publikum als in Deutschland?

Mit meinem alten Programm war ich schon einmal in Zürich. Ich hatte damals Angst, dass die Leute mich nicht verstehen und dass ich langsamer sprechen muss. Das hat sich jedoch nicht bewahrheitet. Es war super.

Carolin Kebekus «Alpha Pussy» , Freitag, 15. September, 20 Uhr, Hallenstadion Zürich.

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