Sie war ein grosser Erfolg, die Premiere der Choroper «Fauvel» von Karmina Šilec Ende April am Theater Basel. Und wie das oft so ist bei zeitgenössischer Musik: Die Uraufführung blieb die einzige Aufführung. Zumindest vorerst.

Zum Glück hat das Theater Basel sein eigenes Auftragswerk nun wieder auf den Spielplan gesetzt: Im Herbst ist «Fauvel» noch vier Mal zu erleben.

Wir haben mit der Chordame Giorgia Knower gesprochen, ob dieses zwischen mittelalterlichen Sequenzen und komplexer Atonalität changierende Werk schwer zu singen ist, und wie es der Chor empfindet, für einmal die Hauptrolle in einer Oper zu spielen.

Georgia Knower, der Chor ist unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Opernhauses; oft steht er aber im Hintergrund. Nun hat er in «Fauvel» die Hauptrolle. Ist das überfällig?

Georgia Knower: Nun ja, es gibt auch andere Opern, in denen wir sehr präsent sind. Gerade proben wir Verdis «La forza del destino», dort haben wir sehr viel zu singen, vor allem die Chorherren. Und in der letzten Saison waren die Damen als Hexen in Macbeth stark gefordert. Aber ja, «Fauvel» stellt besondere Herausforderungen an uns.

Welche denn?

Es ist sehr moderne Musik, und jedes Chormitglied hat darin unterschiedliche Erfahrungen. Zunächst einmal mussten wir manche Symbole auf der teilweise grafischen Partitur kennenlernen. Da war es sehr gut, dass die Komponistin selbst anwesend war; sie konnte uns vieles erklären. Dann haben viele Sängerinnen und Sänger in «Fauvel» eine solistische Aufgabe. Letztlich sind wir 38 Individuen mit verschiedenen musikalischen Hintergründen. Aber ich denke, alle spüren, dass man sich einzeln und als Chor in dieser Geschichte gut ausdrücken kann.

Worum geht es denn in dieser Geschichte?

Fauvel ist die Verkörperung des Bösen. Er glaubt an seine Macht. Und er möchte Fortuna heiraten, damit er auch von ihrem Glück profitieren kann. Doch Fortuna ist schlau: Sie gibt ihm ihre Kammerzofe zur Braut, Lady Vaingloire, in der Hoffnung, das Böse zumindest ein Stück weit auszuschliessen. Doch die beiden bekommen Kinder, und so lebt das Böse immer weiter.

Und die Moral von der Geschichte?

Manche Dinge gehen immer weiter. Eine bestimmte Art des Bösen kann man nicht aus der Welt verbannen. Man kann und sollte aber die Hoffnung behalten. Der Schlusschor zeigt das sehr schön: wir singen von der Hoffnung, aber in ernsten Harmonien.

Welche Rolle übernimmt der Chor?

Wir sind viele Charaktere aus der Gesellschaft. Wir sind eine Masse aus verschiedenen Individuen. Das sieht das Publikum auch optisch: Wir zeigen ganz eigene Gesten, und später machen wir wieder alle das Gleiche.

Die Musik enthält auch mittelalterliche Musik, aus jener Zeit, als die Versdichtung «Roman de Fauvel» entstand. Wie ist das für den Chor zu singen, dieses ganz Alte und ganz Neue direkt nebeneinander?

Das geht sehr gut nebeneinander – und das macht es eben auch sehr spannend. Die mittelalterlichen Melodien fungieren oft als ruhiges Bindeglied zwischen den rhythmisch komplexen Teilen der modernen Passagen von Šilec. Die alten Melodien bringen eine ganz andere, eine wunderschöne Farbe hinein.

Am Ende der letzten Saison stand «Fauvel» mit der Uraufführung nur ein einziges Mal auf dem Spielplan. Ist das für die Musiker nicht frustrierend, ein neues Werk so intensiv einzustudieren und es dann nur ein einziges Mal aufführen zu können?

Ich habe das schon bei anderen Produktionen mit Neuer Musik erlebt, aus verschiedenen Gründen. Bei «Fauvel» wussten alle, spätestens nach der Pressekonferenz im Mai für die Spielzeit 2016/17, dass wir das Stück glücklicherweise vierfach wieder aufnehmen. Das ist sehr schön. Und vieles hat sich gesetzt in der Zwischenzeit. Der Chor als Gruppe hat durch dieses Projekt viele neuen Impulse bekommen und sich weiterentwickelt.

Mit welcher Begründung laden Sie Ihre Freunde zur Wiederaufnahme von «Fauvel» ein?

Hier könnt ihr den Chor in ganz verschiedenen Facetten erleben. Und schaut nicht nur nach den schönen Melodien – schaut auch, was das Stück mit Euch macht!

Karmina Šilec: Fauvel. Theater Basel. Vorstellungen am 22. 9., 3. und 24. 10.,
je 19:30 Uhr. 13. 11.: 18:30 Uhr.