Kunsthaus Aargau

Cédric Eisenring: Suhrer Künstler erhält Manor-Förderpreis

Der bedeutende Manor-Kunst-Förderpreis geht an den «Geschichtenerzähler» Cédric Eisenring aus dem Aargau.

Nur noch wenige Tage bis zur Eröffnung von Cédric Eisenrings Vernissage im Aargauer Kunsthaus und der offiziellen Übergabe des Manor Kunstpreises. Die Kunstwerke sind noch nicht aufgehängt und liegen vorerst provisorisch an den Wänden der Ausstellungsräume. «Momentan ist es noch eine Baustelle», sagt der Schöpfer der Kunstwerke beinahe entschuldigend. Trotz anstehender Vorbereitungen und knappen Terminkalender führt Eisenring wohlgelaunt durch die Räumlichkeiten des Museums und gewährt vor der grossen Eröffnung einen Einblick in sein Schaffen.

Kommenden Freitag wird Cédric Eisenring mit einem der wichtigsten Förderpreise des schweizerischen Kunstschaffens ausgezeichnet. Dieser wurde 1982 ins Leben gerufen, um jungen Schweizer Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten und sie einem breiteren Publikum zu präsentieren. Der Preis wird von einer Fachjury jährlich in sechs Schweizer Städten verliehen, wobei sich die Städte im Zweijahresrhythmus abwechseln. Auf der Liste der vormalige Preisträger/-innen erscheinen Künstler wie Luciano Castelli (Kunstpreis Luzern 1984), Marie José Burki (Kunstpreis Genf 1993) und Pipilotti Rist (Kunstpreis St. Gallen 1994), die den Durchbruch auf der internationalen Kunstszene geschafft haben. Anlässlich der Vergabe des Förderpreises erhält Cédric Eisenring die Möglichkeit zu einer Einzelausstellung im Aargauer Kunsthaus.

Aufgewachsen ist der 35-jährige Künstler in Suhr und verbrachte den grössten Teil seines Lebens in der Nachbarsgemeinde von Aarau. Zurzeit lebt und arbeitet er in Zürich, wo er 2014 sein Kunststudium mit dem Master of Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) abgeschlossen hat.

Bildliche Erzählungen

Im Zentrum seiner ausgestellten Arbeiten steht die Frage nach dem Erzählerischen: Wie können Bilder, Objekte und Räume Geschichten erzählen, ähnlich wie es Bücher durch die Sprache tun? Dabei greift er häufig auf bereits existierende Erzählungen aus Literatur, Film, Kinderbücher oder Comics zurück und vermischt sie mit frei Erfundenem zu neuen Geschichten. Ebenso zentral wie die Referenzen zu verschiedenen Medien ist für Eisenrings Schaffen die spielerische Mischung von Motiven aus Hoch- und Populärkultur. Allerdings missfällt dem jungen Künstler diese strenge Trennung: «Ich unterscheide nicht gross zwischen sogenannter Hoch- und Populärkultur. In der Kunstgeschichte gibt es genügend Beispiele, in denen anfänglich oft etwas als trivial oder populär belächelt wurde, und zu einem späteren Zeitpunkt erlangte es den Status von Hochkultur. Dieser Übergang ist ziemlich fliessend. Mich interessieren einfach Geschichten.»

Die Referenzen zu unterschiedlichen Medien und die Vermischung von Hoch- mit Populärkultur durchziehen fast alle Werke von Eisenring. In seinem Werk «The Gold Bug» (Der Goldkäfer) bewegen sich etwa Käferkörper um einen kreisförmigen Punkt in der Mitte. Auf den Goldkäfer sei Eisenring durch die gleichnamige Kurzgeschichte des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe gekommen. Gleichzeitig eröffnen sich dem Betrachter aber weitere Verbindungen, die über die ursprüngliche Referenz zu Poes Geschichte hinaus reichen: Der Glückskäfer war bereits in der Kultur der antiken Ägypter ein beliebtes Motiv; die Käfer könnten aber genau so gut aus der ScienceFiction Erzählung «Krieg der Welten» (H.G. Wells) stammen, in der monströse, ausserirdische Lebewesen die Erdbevölkerung angreifen.

Realität und Fantasie

Diese kunterbunte und spielerische Mischung spiegelt sich schliesslich in Eisenrings diversen Arbeitstechniken. Beispielsweise kombiniert er am Computer generierte Zeichnungen mit klassischen Druckverfahren (Gravur, Radierung) und Handkolorierung. Das Besondere an Eisenrings Druckverfahren sind die stählernen Druckplatten, die er benutzt. Es handelt sich um gefundenen Metallabfall aus Fabriken. Typisch für diese Platten sind die seriellen Leerformen. Die gestanzten Formen wurden von der Industrie zu diversen Apparaturen weiter verarbeitet und seien nun lediglich als «Phantome» auf den Bildern sichtbar, so Eisenring.

Obwohl das Experimentieren mit Inhalt und Technik vordergründig ist, zieht sich eine Konstante durch alle Werke: der Übergang zwischen Realität und Fantasie. Eisenring will diese Trennung infrage stellen und überträgt sie auch auf den eigentlichen Ausstellungsort. Zu diesem Zweck hat er beispielsweise Türen mit Konturen von Köpfen zwischen den einzelnen Ausstellungsräumen angebracht. Die Türen stellen eine Art Schwelle oder «Portal» zwischen Realität und Fiktion dar; sie transportieren den Museumsbesucher über die Grenze und bringen sie zunehmend zum Verschwimmen. Auf diese Weise erschafft Eisenring nicht eine Ausstellung von Einzelwerken, sondern verknüpft die einzelnen Bilder und Objekte zu einer dichten und umfassenden Gesamterzählung.

Autor

Dario Pollice

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