Bereits 1120 Schriftstellerinnen und Schriftsteller unterzeichneten bis zum Sonntagnachmittag einen offenen Brief an den Online-Versandhändler Amazon. Dies teilte die Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland mit.

Unter den unterzeichnenden Autoren befinden sich prominente Namen wie Amelie Fried, Franziska Sperr, Christoph Hein, Doris Dörrie, Gaby Hauptmann, Jan Brandt und Ilija Trojanow. Zuvor hatten schon Autoren wie F.C. Delius, Tanja Dückers,Josef Haslinger, Jakob Hein, Elfriede Jelinek, Eva Menasse, Sten Nadolny, Nele Neuhaus, Ingrid Noll, Uwe Timm, Ferdinand von Schirach, Alissa Walser, Günter Wallraff und Juli Zeh den Protest unterstützt. Sie werfen dem Unternehmen «Erpressungsmethoden» vor. Es manipuliere gezielt Empfehlungslisten und liefere Bücher bestimmter Verlage verlangsamt aus, um höhere Rabatte durchzusetzen.

«Autoren als Geiseln»

«Wir fordern Amazon entschieden auf, nicht länger Bücher und damit auch Autoren und Autorinnen als Geiseln zu nehmen, sondern eine lebendige, ehrliche Buchkultur zu gewährleisten», heisst es in dem Schreiben. Amazon habe kein Recht, Autoren, die am Konflikt mit Verlagen nicht beteiligt seien, in «Beugehaft» zu nehmen. «Wir Autorinnen und Autoren sind der Meinung, dass kein Buchverkäufer den Verkauf von Büchern behindern oder gar Kunden vom Kauf von Büchern abhalten sollte», heisst es weiter.

Im Zentrum stehen vor allem die Bücher der Verlagsgruppe Bonnier, zu der unter anderem die Verlage Piper, Allstein und Carlsen gehören. Amazon boykottiere diese Produkte, heisst es. Dazu würden selbst gängige Werke der betroffenen Verlage nicht mehr auf Lager gelegt. Zudem fehlten Bonnier-Autoren in den «Kunden haben auch gekauft / sich angesehen»-Listen. Bücher und Hörbücher würden mit bis zu
14 Tagen Verzögerung ausgeliefert.

Der Schriftsteller Daniel Kehlmann («Die Vermessung der Welt») vermutet, dass Amazon ein Monopol errichten wolle. «Das Geschäftsmodell von Amazon nimmt langfristig in Kauf, ja beabsichtigt wahrscheinlich sogar, dass die Verlage ihre Tätigkeit nicht fortführen können», sagte Kehlmann gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Focus». «Es ist nicht zu begreifen, warum die Kartellbehörden nicht reagieren.»

Protest auch in den USA

Krimi-Autorin Nele Neuhaus schrieb in einem Beitrag: «Eines düsteren Tages wird man womöglich nur noch lesen können, was Amazon genehmigt.»

Auch in den USA hatten mehr als 900 Autoren, unter ihnen Stephen King und John Grisham, mit einem offenen Brief gegen Amazon protestiert. Dabei geht es um den seit Monaten schwelenden Streit mit dem US-Verlag Hachette. (sda)