Kunst
Brugg–New York einfach - das gilt für den Künstler Arnold Helbling

Eigentlich wollte der Brugger Arnold Helbling 1990 nur für ein halbes Jahr nach New York. Er ist immer noch dort – aber stellt mal wieder in der Schweiz aus. Eine Begegnung

Sabine Altorfer
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Arnold Helbling liess sich bei «Study in Architecture # 8» von 2014 bei den Farben von einem Winterwald inspirieren.

Arnold Helbling liess sich bei «Study in Architecture # 8» von 2014 bei den Farben von einem Winterwald inspirieren.

Fabian & Claude Walter Galerie

Er lebt seit 25 Jahren in New York. Auf den ersten Blick sieht man das auf den Gemälden von Arnold Helbling aber nicht. Trotzdem sagt er: «Die Aussicht aus meinem Atelier, das Gefühl der Stadt, meine Spaziergänge und Erkundungen sind zentral für meine Arbeit.» Denn sein Thema ist die Architektur, sind Bauten. Doch auch das sieht man bei den meisten, abstrakt anmutenden Arbeiten nicht auf den ersten Blick. Umso besser! Denn Malerei heisst ja nicht Illustration. Bei Arnold Helbling schon gar nicht.

Seine Vorliebe für architektonische Themen hat Arnold Helbling bereits als
29-Jähriger aus dem Aargau mit nach New York genommen. Seine Vorliebe für die Malerei, der Entschluss, Künstler zu werden, war bei ihm aber schon früher angelegt, ja muss gar ein Familien-Gen sein. Sein Vater Willi Helbling ist Maler, gehört mit seinen Landschaften und Alltagszenen als feste Grösse ins Brugger Kulturleben. Seine Brüder Lorenz und Samuel sind aber wie Arnold in die weite Welt ausgewandert. Samuel nach Kanada und Lorenz hat in Beijing und Schanghai als einer der ersten Westler Galerien eröffnet. Er ist einer der Pioniere für den Kulturtransfer zwischen China und dem Westen. Arnold selber ist 1989 mit einem Stipendium für ein halbes Jahr nach New York gereist, er habe dann ein halbes Jahr verlängert und wieder und wieder ... «Eine Aufenthaltsbewilligung zu bekommen, war schwierig.»

Abstrakte Architekturen

Natürlich hat sich im Laufe der Jahre die Erscheinung der Bilder gewandelt, vor allem aber auch die Technik. Wir stehen in der Zürcher Fabian & Claude Walter Galerie, die Helbling in der Schweiz und auf Messen vertritt, und wo der Künstler in diesen Wochen neuere Werke zeigt. Es sind selten erkennbare Gebäude, sondern meist abstrakte Konstruktionen, sanft in den Farben, weich in den Formen – und undurchschaubar in der Machart.

Helle Linien-Raster geben den Bildern eine Struktur, manchmal sind die Zwischenräume ausgefüllt, manchmal den Strukturen hinterlegt und manchmal scheinen die Gitter auch über dem hellen Grund zu schweben. Die hellen Linien wie die Flächen wirken lebendig, gar von feinen Lineaturen durchzogen, die wie Gräser in die Farbflächen hineinzuwachsen scheinen.

All diese Effekte erreicht Helbling mit einer von ihm entwickelten Technik. Er konstruiert am Computer die Raster, fragt sich beispielsweise, welche Strukturen es braucht, damit ein zweistöckiges Gebäude entstehen und bestehen kann. Oder er nimmt organische Strukturen auf, Fassadenkonstruktionen mit Baumformen etwa, die in der neueren Architektur gerade en vogue sind.

Diese Raster printet er in der angepeilten Bildgrösse, legt ein Plastik darüber und malt dann, ausgehend von den Rastern ein Bild. Dabei kümmert er sich vor allem um die Zwischenräume, legt Farbschicht über Farbschicht. Manchmal lässt er sich von den Farben eines kahlen Waldes im Winter inspirieren, ein andermal wählt er das Fernseh-Testbild. «Das ist meine Freiheit», sagt er lächelnd. Was auffällt, ist der sanfte Glanz der Gemälde. Er mische oft etwas Perlmutt in die Farben, gesteht Arnold Helbling. Er liebe das Schimmernde.

Dann präpariert er eine Leinwand, grundiert und schleift sie. Die Acrylmalerei auf dem Plastik verflüssigt er wieder, klappt sie auf die Leinwand und reibt sie ab. «Dann lass ich mich vom Resultat überraschen.» Weil er auf dem Plastik ja quasi verkehrt herum, also von vorne nach hinten male, sei der Abklatsch auf der Leinwand eine Mischung von Geplantem und Zufall. «Welche Farben laufen ineinander, wie wirken Übermalungen, welche Farbklänge entstehen, wo hinterlässt der Plastik Falzspuren, welche Flächen wirken dicht, welche transparenter? Das ist nur teilweise vorhersehbar. Und gelingt nicht immer.»

Inspiration Gotik

Brugg–New York einfach – bleibts dabei? Arnold Helbling lacht und meint, eine Rückkehr sei kein Thema. «Für meinen Vater stimmte Brugg als Lebens- und Arbeitsort, für mich stimmts in New York.» Aber er komme immer wieder gerne nach Brugg, ins Haus, wo er aufgewachsen sei. Und er merke, dass er daran hänge. «Anfang April hat mir mein Bruder einen Artikel aus der az geschickt, vor unserem Haus sei ein grosser Kreisel geplant. Da musste ich schon leer schlucken, mir überlegen, ob und wie ich mich dazu äussern soll.» Zum Glück habe der Bruder dann Entwarnung gegeben. «Es war ein
1.-April-Scherz!»

Für die nächsten Tage hat er Brugger Pläne: «Ich will unbedingt in die Klosterkirche Königsfelden und die berühmten Glasfenster anschauen.» Die Gotik interessiere ihn, sie könnte ein neues Kapitel in seiner Malerei werden, meint er. «Denn wie in der Gotik die Räume erstmals mit Licht durchflutet wurden und wie die Architektur die Struktur von Bäumen aufnahm, das ist doch mein Thema.»

Ausstellung «Treeline». Galerie Fabian & Claude Walter, Rämistrasse 18, Zürich, bis 2. Mai.

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