«Jetzt dörfi dänn bald nüme i Schnüerlischrift unterschribe, wänn die abgschafft wird», scherzt Christoph Blocher und gibt einem Paar den eben signierten Ausstellungskatalog zurück. Eine gute halbe Stunde alt ist die Autogrammstunde im Foyer des Museums Oskar Reinhart (MOR), und die Schlange vor dem Autogrammtisch wird allmählich kürzer.

«Tele Züri» war anlässlich der Autogrammstunde ebenfalls zu Besuch in Winterthur – Freude an der Kunst hatten alle, die Stimmen zu Blocher als Person waren unterschiedlich.

Im Vorfeld sorgte die Anfang Woche durchgeführte Aktion in der Museumsszene für Unverständnis. Wo man auch fragt, ob in den Kunsthäusern von Zürich, Bern oder Basel, die Antwort ist stets dieselbe: «Eine Autogrammstunde mit einem Kunstsammler? Nein, so etwas gibt es und gab es bei uns nicht.»

«Mit lebenden Künstlern gibt es regelmässig Autogrammstunden», sagt Matthias Frehner, der Winterthurer Direktor des Kunstmuseums Bern. Mit Sammlern habe er hingegen noch nie eine Signierstunde organisiert. Nur dass diese bei Privatführungen um Autogramme gebeten werden, komme gelegentlich vor.

Frehner beurteilt die Signierstunde mit Christoph Blocher kritisch: «Es ist sicher so, dass die Person des Sammlers, das Museum und die ausgestellte Kunst dabei nicht voneinander getrennt wahrgenommen werden können.» Dass es beim Personenkult um Christoph Blocher nicht nur um den Sammler, sondern auch um den Politiker gehe, sei offensichtlich.

Interessenvermischung

«Ich habe zwar Verständnis dafür, dass Fans von Herrn Blocher so etwas wollen, aber wenn das mein Museum wäre, würde ich darauf bestehen, dass die Autogrammstunde ausserhalb des Hauses stattfindet», sagt Frehner. Ein öffentlich subventioniertes Museum müsse unabhängig bleiben. «Es darf sich nicht dem Vorwurf aussetzen, sich in irgendeiner Form instrumentalisieren zu lassen.»

Generell seien Schweizer Museen im Umgang mit Sammlern sehr liberal, sagt Frehner. Die grossen Häuser in Frankreich, England und den USA verzichteten darauf, private Sammlungen geschlossen zu zeigen. Auch Überlegungen zum Kunsthandel spielen in diese Praxis hinein, zumal eine Ausstellung in einem grossen Haus wie etwa der Tate Modern in London den Wert einer Sammlung schlagartig steigern könnte. «Private Interessen des Sammlers dürfen nicht mit Kulturpolitik vermischt werden», sagt Frehner.

Auch Björn Quellenberg, Pressesprecher des Kunsthauses Zürich, wundert sich über den Anlass in Winterthur: «Bei den vielen Sammlungen, die wir in den letzten Jahren bei uns hatten, wäre niemand auf die Idee gekommen, sich für Signierstunden ins Museum zu stellen. Aber das sind natürlich auch keine Politiker.» Autogrammwünsche richteten sich primär an Künstler, sagt Quellenberg. «Und sie kommen nicht von der Institution, sondern von einem Teil des Publikums.» Viele Künstler aber weigerten sich, Autogramme zu geben. «Die wenigsten wollen so einen Popstarhabitus.» Der Personenkult um Blocher sei auf seine politische Aktivität zurückzuführen, ist Quellenberg überzeugt.

Blocher wiegelt ab

Liess sich das Museum Oskar Reinhart also instrumentalisieren? Andrea Lutz, Leiterin ad interim des Museums, sagte, es sei der Sammler Blocher, nicht der Politiker, den man um die Autogrammstunde gebeten habe. Auch legt das Museum Wert auf die Feststellung, dass nur das Gebäude von der Stadt, der Museumsbetrieb aber von der Stiftung getragen wird.

Dieter Schwarz, der Direktor des Kunstmuseums Winterthur, mit dem das MOR in diesem Jahr zusammengeführt werden soll, teilt mit, er sei nicht zuständig. Hingegen spricht Christoph Blocher offen über seine Autogrammstunde. «Das ist nicht meine Idee gewesen», sagt er zwischen zwei Führungen durch seine Sammlung. «Ich habe zugesagt, weil es viele Leute gab, die diesen Wunsch hatten, und weil mich das Museum darum gebeten hat.» Blocher sieht auch keine Interessenvermischung: «Ich unterschreibe als Sammler, und die Leute kommen, weil sie Freude an den Bildern haben.»