Ausstellung

Blinde Flecken im Medienchaos

Oliver Krähenbühl verfremdete Zeitungsbilder zu Geschichten.

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Oliver Krähenbühl verfremdete Zeitungsbilder zu Geschichten.

Oliver Krähenbühl eröffnet im Aarauer Rathaus seine Ausstellung «Aus dem Stakkato der News».

Raphaela Gysi

Am frühen Freitagabend fand im Aarauer Rathaus die Vernissage des in Suhr lebenden Künstlers Oliver Krähenbühl statt. Seine auf riesige Leinwände übertragenen Zeitungsbilder erzählen Geschichten.

Schon beim Aufstieg im Treppenhaus zogen einen die dort aufgehängten Bilder in ihren Bann. Ja sie liessen einen innehalten, man war angezogen von den weissen Flecken, die unweigerlich an überbelichtete Fotografien aus Zeiten vor der digitalen Bildbearbeitung erinnerten.

Stadtrat und Präsident der Kunstkommission, Carlo Mettauer, begrüsste die Vernissage-Besucher und bedankte sich bei Ruth Lienhard, Mitglied der Kunstkommission, für ihr Engagement. Frau Dr. Dominique von Burg, Kunsthistorikerin aus Zürich, sprach im Folgenden nicht nur darüber, wie die aktuelle Bilderserie entstanden war, sondern auch darüber, was Malerei leisten beziehungsweise bewirken kann.

Mediale Rastlosigkeit

In der heutigen Zeit stürzt eine riesige Anzahl von Bildern sintflutartig auf uns hinunter. Der Betrachter kann einzelne Bilder nicht mehr festhalten, ist ihnen ausgeliefert und wird durch sie manipuliert. Genau hier setzt Oliver Krähenbühl an, indem er Zeitungsbilder oder Bilder aus anderen Medien auswählt. Im täglichen Chaos festgehaltene Momente, die eine Geschichte erzählen. Der Künstler überträgt diese Choreografien auf überdimensionale Leinwände.

Das Bild im Bild erzählt nun eine eigene Geschichte. Mit dünnflüssigen, dennoch kraftvollen Pinselstrichen betont Krähenbühl horizontale und vertikale Linien, was an eine Rasterkomposition erinnert. Immer wieder werden die Linien unterbrochen von weissen Flecken, die durch das Auswaschen der Leinwände oder das schlichte Leerlassen entstanden sind. In diesen «blinden Flecken» fehlen die Bildinformationen. Trotzdem wird die Lesbarkeit der Bilder gewährleistet und das Auge führt die verblichenen figurativen Restbestände zusammen.

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