Rosmarie Mehlin

Es ist aufgenommen in die Liste der 20 aussergewöhnlichsten Museen Europas; es feiert nächstes Jahr seinen 10. Geburtstag und es ist ganz auf den Hund gekommen. Was aber keineswegs heissen will, das Musée bizarre - beheimatet im Oederlin-Areal in Rieden - sei heruntergewirtschaftet. Das ist es mitnichten. Vielmehr hat Museumsgründer Jürg Willi den Vierbeinern für eine Sonderausstellung Tür und Tor geöffnet. Genauer war es Willis Frau, die Objektkünstlerin Margaretha Dubach, die sich mit drei weiteren Künstlern - Mona Helle aus Bellikon, Martin Schwarz aus Winterthur und Fred Knecht aus Zürich - zusammengetan hat. Das Ergebnis ist eine skurril-witzige künstlerische Hommage an den Hund.

Skurril-witzige Hommage an den Hund

Im Zentrum der Sonderschau hockt ein lebensgrosser präparierte Appenzeller Mischling, nennen wir ihn Bello: Der Kopf Hund, sitzt der Rest in Männerkleidern, bestückt mit Messer und Gabel, vor einer Blutwurst, in der linken Pfote Spielkarten. Auch die sind, klar doch, hündisch, ist der Rosen-Ober doch beispielsweise ein Windspiel und der Kreuz-König ein Mops.

An den Wänden hängen alte Meister in schönen Gewändern mit den Köpfen eines Schnauzers, eines Terriers, eines Jack Russell . . . Mit diesen Collagen illustriert Margaretha Dubach eine geheimnisvolle Geschichte über ein verwunschenes Dorf im Elsass. Fred Knecht seinerseits hat seinen weissen Wuschelhund der Rasse Coton de Tuléar in verschiedensten Lebenslagen ironisch mit dem Pinsel auf Leinwand und auch in einem Buch mit dem Titel «Pommeri's grosse Traumweltreise» verewigt. Von ganz anderer Art sind die übermalten Collagen von Martin Schwarz: Sein «Waldvogel in Stellung» etwa zeigt einen Uhu mit Collie-Gesicht und hinter dem «Hundhuhn» steckt ein Fasan mit Spitzmix-Köpfchen.

Von «Herr Kules» bis «Jakob Knurr»

In Vitrinen sind die ausdrucksstarken, witzigen Figürchen von Mona Helle zu bestaunen: Hunde - klar doch - in den verschiedensten Lebenslagen. Einer ist eine Super-Nanny, «Herr Kules» ist Gewichtsheber; einer (mit Flügel) guckt in die Sterne, «Giro Cane» fährt Velo; «Tosca» schmettert eine Arie und ein betagtes Hundepaar feiert Silberhochzeit im Grünen.

Während Helles Figuren aus Ton von Grund auf neu geschaffen sind, hat Dubach 08/15-Hundefigürchen aus Spielwarenabteilungen in zauberhafte Menschlein mit Hundeköpfen verwandelt: Jakob Knurr zum Beispiel, im Anzug und mit Spitzenkragen, liegt eingebettet in seinem Tagebuch. Oder ein paar winzige Hunde schwimmen glücklich in der Brokkolisuppe.

Kleine, aber feine Sonderausstellung

Die Sonderausstellung ist nicht gross, aber man kann viel Zeit in ihr Studium investieren, Denn die Ideen, die Umsetzung und dabei vor allem die Details sind spannend, schön und amüsant zu erforschen und zu bestaunen. Kurzum - das Künstlerquartett hat sich zwar der Spezies Hund verschrieben, auf den Hund gekommen aber ist es mitnichten. Auf den Hund kommen kann man höchstens als Museumsbesucher: Dann nämlich, wenn man sich nicht entscheiden kann, welches Bild, welches Objekt man eventuell kaufen möchte.

Weitere Infos sind im Internet zu finden unter www.musee-bizarre.ch.