Kulturprogramm

Behutsame Belebung des Kloster Dornach

Das Kloster in Dornach

Das Kloster in Dornach

Die erste Ausstellung der Kuratorin Barbara van der Meulen im Kloster Dornach trägt den Namen «Geist und Luxus». Spiritualität und Askese sind hier ebenso Themen wie die Idee überschwänglicher Fülle.

Die Kapuzinermönche haben vor einem Vierteljahrhundert Dornach verlassen und sind nach Olten und in die Innerschweiz übersiedelt. Jahre später ging das beim Bahnhof gelegene Kloster ins Eigentum der Stiftung Kloster Dornach über. Diese betreibt das Hotel mit Gastronomie und Tagungsräumen und entwickelte auch vor dem Hintergrund der nach wie vor gottesdienstlich genutzten Kirche ein Programm entlang von Bildung, Kultur, Sozialem.

Bis im letzten Jahr ehrenamtlich organisiert, verantwortet heute die Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin Barbara van der Meulen die kulturelle Erschliessung. Ihre erste Ausstellung steht unter dem Titel «Geist und Luxus». Sie könnte Weichen stellen für eine ästhetisch und inhaltlich behutsame Belebung des Ortes.

Digital Detox Box

«Geist» umspielt nach wie vor die spirituelle Dimension des Klosters und setzt sich in den immateriellen Werten von Zeit, Kreativität, Wissen fort. «Luxus» oszilliert hingegen zwischen der Idee überschwänglicher Fülle und unserer Sehnsucht nach Askese und Verzicht. Dort knüpft etwa die junge Designerin Johanna Bühler an. In einer im alten Zustand erhaltenen Schlafkammer stellt sie den Prototyp ihrer «Digital Detox Box» vor. Die schwarz gefasste Kartonhülle empfiehlt sich für einen eigenverantwortlichen Daten-Entzug. Wer ihr sein Mobilfunkgerät anvertraut, stellt sich beim Öffnen selbst sein Diplom aus – und hat Ruhe, Zeit, vielleicht ein Stück zu sich selbst gefunden.

Dass Barbara van der Meulen auch angesichts eines schmalen Jahresbudgets auf ihr persönliches Netzwerk zugegriffen hat, zahlt sich aus: Alle Mitwirkenden identifizieren sich mit dem Geist, der durch Kunst und Gestaltung in Dornach ein neues Wohnrecht sucht. Alle nehmen Mass an den situativen Begebenheiten. Andreas Schneider widmet im zentralen Hof des Kreuzgangs den vier Elementen eine grosse Installation. Francesca Petrarca hat für ihr Diplom in Visueller Kommunikation Fundgegenstände fotografiert und um kurze Beschreibungen ergänzt. Im «inneren Chor», wo sich die Mönche zum Gebet einfanden, liegt ihr subjektives Inventar, für die Ausstellung vergrössert, auf einem breiten Lesepult.

Allein in der Verlangsamung, die uns das Format beim Blättern abverlangt, teilen sich Fragen mit: Wie werden Dinge Kult? Ist es nicht schön, ihrer alltäglichen Gefährdung ganze Aufmerksamkeit zu schenken? Jenseits moralischer Anbiederung findet junges Design unter dem Kruzifix ein stimmiges Echo.

«Bedeutungen sind immer unterwegs», fasst Serge Hasenböhler die Haltung zusammen, mit der er für den Kreuzgang sein neues «Abendmahl» erfand. Als langer Fries zieht sich ein streng gefälteltes Tischtuch der Wand entlang. Durch buntes Glas gefiltert, verteilen sich unscharfe Lichtreflexe auf dem weissen Grund. Apostel und Kreuze geistern der gedeckten Tafel entlang, feiern als Projektion gleichzeitig das An- und das Abwesende. So subtil erfinderisch wünscht man sich die Zukunft des Dornacher Kulturprogramms.

«Geist und Luxus», Kloster Dornach, bis 31. Dezember. Eröffnung: Samstag, 22. Oktober, 17 Uhr. Nähere Informationen zum Rahmenprogramm mit Musik, Vorträgen und Gesprächen: www.klosterdornach.ch

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