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Machen ihrem Ruf alle Ehre:  Ursus & Nadeschkin räumen als Moderatoren ihren Gästen zwar viel Raum ein, bleiben ihrem Publikum gleichzeitig aber als Komödianten selbst auch nichts schuldig. ho

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Machen ihrem Ruf alle Ehre: Ursus & Nadeschkin räumen als Moderatoren ihren Gästen zwar viel Raum ein, bleiben ihrem Publikum gleichzeitig aber als Komödianten selbst auch nichts schuldig. ho

Ursus & Nadeschkin servieren komödiantische, musikalische und artistische Gourmandisen

Rosmarie Mehlin

Sie kommen viel herum, sind auf bedeutenden Bühnen ebenso heimisch wie in Kellertheatern, vor Fernsehkameras wie unter Chapiteaux: Seit 22 Jahren gehen der Aargauer Urs Wehrli und die Zürcherin Nadja Sieger als Ursus & Nadeschkin konsequent ihren Weg als Komiker mit ureigenstem Humor, mit sprühendem Wortwitz und unverwechselbarer clownesker Ausstrahlung. Seit 17 Jahren ziehen sie auch regelmässig mit einer Handvoll Künstler, die ihre Wege irgendwo gekreuzt und sie begeistert haben, durchs Schweizerland, präsentieren sie als «Perlen, Freaks und Special Guests».

Am Dienstag hatte die jüngste Ausgabe einer solchen Show im Casino Winterthur Premiere. Der Schweiss rann allen Anwesenden aus allen Poren; im Publikum vermischte er sich zeitweise mit Tränen. Oh nein, nicht solchen der Trauer oder des Elends, sie kullerten vor lauter Lachen. Fast noch öfter aber geht einem als Zuschauer der Schauf schier aus, sind einige der Nummern doch im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend.

Die Moderatoren wären nicht Ursus & Nadeschkin, würden sie sich nicht selbst auch voll einbringen. Vor allem mit pointenreichen Wortspielereien geben sie dem Publikum haargenau, was es von ihnen erhofft und erwartet. Bisweilen allerdings walzen sie ihre Einfälle etwas allzu sehr aus, zieht sich ihr verbaler Schlagabtausch etwas in die Länge. Generell würde der Abend durch gewisse Straffungen noch gewinnen.

In seiner Vielfalt und Buntheit fordert er den Zuschauer, taucht ihn ein in immer neue künstlerische Gewässer: Vom Variété in Zirkusgefilde, von leiser, fast schon melancholischer Poesie in «Locking». So heisst ein cooler Tanz, angesiedelt irgendwo zwischen Roboter-Rock-'n'-Roll und Breakdance, den die japanischen Brüder Hilty & Bosch synchron und in mitreissender Perfektion bieten.

Ein Gegenstück dazu - nicht was die Perfektion betrifft, wohl aber bezüglich Tempo und Phonstärke - bilden BP Zoom, ein amerikanisch-französisches Männerduo. Ohne Worte spielen sie tragisch-komische Geschichten, führen Alltagssituationen mit fantasievoller Kindlichkeit ad absurdum. Ob von Papierfliegern, fliegenden Kartonschachteln oder ihren eigenen Hosenträgern - BP Zoom werden immer wieder Opfer ihrer liebenswerten Einfälle und bringen damit das Publikum zum Schmunzeln und auch ein bisschen zum Seufzen.

Mit sehr viel Poesie und nicht weniger Können jongliert der Franzose Morgan Bälle auf seinem Hals, seinen Füssen, seiner Stirn. Er tut es mit verträumter Entrücktheit und zugleich traumwandlerischer Sicherheit. Ebenfalls leise, aber mit vollendeter Eleganz beherrscht die Kanadierin Inertie das Spiel mit einem einfachen Rad: Graziös und temporeich tanzt sie mit ihm, in ihm, durch es hindurch, mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit, aber geprägt von Können auf höchstem Niveau. Eine artistische Höchstleistung zeigt auch das Duo Iroshnikov aus der Ukraine: Da wirbelt und schleudert der eine Bruder den anderen durch die Luft und fängt ihn wieder auf, bietet ihm seinen Kopf als Unterlage für kühne, einhändig ausgeführte Figuren, welche von atemberaubender Körperbeherrschung, gepaart mit faszinierendem Selbstverständnis, zeugen.

Und dann sind da noch diese wundervollen musikalischen Elemente: Annamateur aus Dresden, ein Urgestein von einem Weib, ausgestattet mit einer grandiosen Stimme, die von Kettenrasseln bis Koloratur reicht - Wahnsinn. Begleitet wird sie vom Gitarristen Reentko Dirks und vom Cellisten Stephan Braun, unter deren Händen die Instrumente zu wahren und wundervollen musikalischen Chamäleons werden: Von diesem Trio kann man gar nicht genug bekommen.

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