Die Baumwolle gehörte bis weit in das letzte Jahrhundert zu den wichtigsten Handelsgütern der Welt. Eine zentrale Rolle bei diesem Handel spielte Indien, wie das Schweizerische Nationalmuseum am Mittwoch in einer Mitteilung schreibt.

Dort seien seit vorchristlicher Zeit Färbe- und Drucktechniken entwickelt worden, die für lange Zeit unerreichbar blieben und Vorbild für Stoffdrucke in Asien und Europa waren. Diese farbigen indischen Stoffe mit ungewöhnlichen Motiven - die Indiennes - erreichten ab dem 16. Jahrhundert Europa.

Clevere Geschäftsleute imitierten diese im 17. Jahrhundert und lösten im 18. Jahrhundert einen wahren Sturm der Begeisterung aus, wie das Nationalmuseum schreibt. Die Stoffe wurden für Kleider, Vorhänge und Tapeten oder Überzüge für Sessel und Sofas in den Wohnräumen der gehobenen Gesellschaft verwendet.

Schweizer Firmen gross im Geschäft

Bald darauf waren auch Schweizer Firmen gross dabei im Geschäft mit den Baumwollstoffen. 1851 gründete die Schweizer Handelsgesellschaft Gebrüder Volkart, die Ende des 19. Jahrhunderts eine der grössten Baumwollexporteure der Welt werden würde, ihre erste Niederlassung in Bombay.

Im 20. Jahrhundert erfährt die Baumwolle in Indien nochmals eine neue Bedeutung. Ab 1930 wird handgesponnene und –gewebte Baumwolle, so genannter Khadi, zum Symbol der Befreiungsbewegung Indiens und zum Markenzeichen Mahatma Gandhis.

Die Ausstellung präsentiert ausgewählte indische und europäische Stoffe, darunter Leihgaben aus dem In- und Ausland. Sie zeigt auch, wie die Schweizer Unternehmen eingebettet sind in das Geschäft mit dem weissen Gold. Es sei eine Verflechtungsgeschichte, ein Beispiel dafür, dass Schweizer Geschichte stets auch Globalgeschichte sei, schreibt das Museum.

Die Wechselausstellung "Indiennes - Stoff für tausend Geschichten" ist ab Freitag, 30. August bis am 19. Januar 2020 im Zürcher Landesmuseum zu sehen.