Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse starb 1962 in seiner Wahlheimat Tessin. Die letzten 40 Jahre verbrachte er in der Casa Rossa in Montagnola. Dort entstanden wichtige Werke wie «Das Glasperlenspiel». Längst wurde das Anwesen verkauft und gehört Erben des italienischen Biskuit-Konzerns Pavesi. Trotz Veränderungen lässt sich noch gut erahnen, wo sich Hesse inspirieren liess. Bekanntlich verbrachte er viel Zeit im Garten.

Doch seit Jahren sorgt ein Bauprojekt im unteren Teil des Anwesens für rote Köpfe. Geplant sind zehn kleinere Villen mit Flachdächern sowie ein Vierfamilienhaus. Anwohner haben dagegen rekurriert ebenso die Tessiner Sektion des Heimatschutzes. Es wird befürchtet, dass dieser magische Ort für immer verlo-ren geht. Aktuell sind die Beschwerden beim Staatsrat hängig.

Doch die Gegner machen nicht nur Opposition, sie wissen auch, wie das Gelände sinnvoller genutzt werden könnte. Sie schlagen einen Literaturpark vor und wollen diesen zum Unesco-Weltkulturerbe anmelden. Ein entsprechender Vorschlag mehrerer Parlamentarier ist seit letztem Herbst bereits beim Staatsrat eingereicht. Eine Antwort steht aus.

Nun hat sich offiziell ein internationales Komitee konstituiert, das die Idee pushen will. Zu den treibenden Kräften gehört der einstige Chef Raumplanung im kantonalen Umweltdepartement, Benedetto Antonini. Das Komitee fordert Bund, Kanton und Gemeinde auf, das Gelände zu kaufen, um einen kultur-touristischen Anziehungspunkt zu schaffen.

Da mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe gerechnet wird, scheinen die Chancen für das Vorhaben vorerst allerdings gering. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. «Vielleicht finden sich vermögende Mäzene», so Komitee-Sprecherin und Fotografin Giovanna Crivelli. Tatsächlich mangelt es nicht an gut betuchten Einwohnern in Collina d’Oro, wozu auch Montagnola gehört. Einer der bekanntesten ist UBS-Chef Sergio Ermotti.