Tanz
«Basel was the best moment in my life»

Seit nunmehr zehn Jahren steht das Basler Ballett unter der Leitung von Richard Wherlock – heute Abend wird der Tanz gefeiert.

Elisabeth Feller
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«Basel was the best moment in my life»

«Basel was the best moment in my life»

Wer sich wohlige Schauer verschaffen will, sucht die unterirdischen, labyrinthischen Etagen des Theaters Basel auf. Der Adrenalinspiegel steigt auf der Suche nach Ballettdirektor Richard Wherlock. Geschafft! Der Engländer öffnet die Türe zu seinem von Arbeitsmaterialien überquellenden Büro – und sofort ist man gefangen von Wherlocks Enthusiasmus.

Richard Wherlock, Sie haben über Ihren Beruf einmal gesagt: «Ich komme mir bisweilen vor wie Christian Gross vom FC Basel.» Lässt sich die Arbeit des einstigen FC-Basel-Trainers mit jener des Basler Ballettdirektors vergleichen?

Richard Wherlock (lacht): Ich bin zwar ein Fussballfan, aber meine Arbeit ist gewiss anders. Allerdings: Geht es um Menschen, die wie hier in Basel eine Ballett-Company bilden; geht es – in Verbindung mit ihnen – um Freude, Fordern und Fördern und um grosse Emotionen auf der Bühne – dann teilen der Fussballtrainer und der Ballettdirektor gewisse Gemeinsamkeiten.

Vor 10 Jahren sind Sie von Berlin nach Basel gekommen, wo Sie den Tanztheater-Spezialisten Joachim Schlömer als Ballettdirektor und Chefchoreograf abgelöst haben. Von der Gross- in die Kleinstadt – was hat Sie nach Basel gelockt?

Die wunderbaren Möglichkeiten. Ich nahm Basel bereits in meiner Zeit als Ballettdirektor in Luzern als Tanz-Stadt wahr. In Berlin bin ich nicht sehr glücklich gewesen; ich habe bald gemerkt: Es ist Zeit, zu gehen.

Nach Schlömers Tanztheater hielt 2001 Ihr Ballett Einzug in Basel – und damit eine ebenso athletische wie spritzige Tanzsprache. Waren Sie mit Ihrem Erstling, «Folk-Lore», bereits akzeptiert?

Jeder Ballettdirektor, der einen Neuanfang wagt, muss sich zuerst an das Publikum herantasten. Was umgekehrt ebenfalls gilt. Ich wusste aber, dass das Publikum in Basel dem Tanz mit grösstem Respekt begegnet. Doch den Erfolg habe ich erst oder vor allem dann gespürt, als ich mein erstes Handlungsballett für Basel gemacht habe.

Das war «Peer Gynt» nach Ibsens gleichnamigem Schauspiel.

Ja. Und dieses Ballett war für mich das, was man als Turning Point bezeichnet.

Handlungsballette sind zu einem Markenzeichen von Ihnen geworden. Sie haben etwa «Romeo und Julia, aber auch «A Swan Lake» und «Carmen» choreografiert. Im Januar 2011 wird Ihre «Giselle» Premiere haben. Braucht es Handlungsballette, um beim Publikum zu punkten?

Sie sind ohne Zweifel wichtig, und ich mache sie auch sehr gerne. Aber es ist genauso wichtig, dass die Company neue Handschriften kennen lernt, die sich von meiner Handschrift unterscheiden. Das muss sie, um sich weiterentwickeln zu können. (Lacht.) Ich habe kein Riesenego. Deswegen kann ich andere und anderes auch zulassen – die Türe steht weit offen.

Etwa für Jirí Kylián. Mit «One of a Kind» zeigen Sie in dieser Saison bereits das achte Kylián-Werk in Basel. Dabei ist es nicht selbstverständlich, die Aufführungsrechte für seine Werke überhaupt zu erhalten.

Ja, das ist so. Es ehrt uns natürlich, dass wir diese Rechte immer wieder bekommen. Kylián ist jedoch nur ein Beispiel. Wir haben aber noch andere Gäste, die regelmässig für die Basler Company arbeiten.

Zum Beispiel?

Nacho Duato, Jorma Elo, Mauro Bigonzetti, Angelin Preljocaj, Claude Brumachon oder Rami Be’er, um nur einige Namen zu erwähnen. Sie alle haben hier Erfolg und machen uns, die Company und mich, sehr reich mit ihren Arbeiten.

Wer Ihnen zuhört, begegnet dem Wort Company am häufigsten.

O ja. Und das hat seinen Grund. In einer Company sind die unterschiedlichsten Tänzerinnen und Tänzer vereint. Ob sie in einer Gruppe oder ob sie ein Solo tanzen – das Wichtigste ist stets, ihre Persönlichkeit zu unterstreichen und sie immer wieder in neue, interessante Situationen zu versetzen. Ich habe unglaublich viel Freude mit meiner Company. Leiten kann man eine Company aber nur dann, wenn man Menschen liebt – gerade im Wissen darum, dass kein Mensch perfekt ist.

Wie begeistern Sie jemanden für den Tanz, der damit nicht viel oder gar nichts anzufangen weiss?

Indem ich ihm sage: Wir haben zwar keine Sprache, aber wir kommunizieren dennoch – und zwar mit unserem Körper. Wir stehen auf der Bühne und treten mit dem Publikum in Kontakt. Unsere Kunst braucht aber eines: wache, sensible Empfänger. Ich würde einen Tanz-Skeptiker natürlich zu einem Besuch einladen und ihm sagen: «Schauen Sie, was Tanz bedeutet.»

Und?

Tanz bedeutet Emotionen – und das während 60 oder 120 Minuten. Wenn nach der Vorstellung jemand zu mir kommt und «Wow» sagt, bin ich glücklich.

Heute Abend wird Ihr 10-jähriges Wirken mit einem Jubiläumsabend und prominenten Gästen aus dem Ausland gefeiert.

Ja, ich wollte bewusst keine Gala, sondern schlicht einen Anlass, der meine und die Leidenschaft der Company zum Tanz zeigen soll. Wir wollen heute Abend aber auch selbstbewusst sagen können: «Wir haben gemeinsam sehr viel erreicht.»

Was sagen Sie, Richard Wherlock, nach 10 Jahren in Basel?

Basel was the best moment in my life.

Demnach wollen Sie weiter in Basel bleiben?

(Lacht) Andersrum. Die wollen mich hier behalten.

Theater Basel Jubiläumsabend, 6. 11.; «One of a Kind», 10., 17. und 28.11., sowie 3., 9., 14., 19.12. Spielplan-Informationen: www.theater-basel.ch