Baschis jetzt auf hochdeutsch - aber nicht in Deutschland

Heute erscheint «Auf grosser Fahrt», das hochdeutsche Album – aber nur in der Schweiz. Der «perfekte Termin» für den Release in Deutschland ist offenbar noch nicht gefunden.

Stefan Künzli

«Ich hab die Segel neu gesetzt, alles bereit, wir starten jetzt», singt Baschi auf dem Titelsong seines hochdeutschen Albums «Auf grosser Fahrt». Er ist in Aufbruchstimmung, doch in Deutschland ist der Baselbieter immer noch nicht angekommen. Die Veröffentlichung ist abermals verschoben worden. Auf unbestimmte Zeit. Baschis grosse Fahrt ist zur langen Fahrt geworden. Das Album, das eigentlich für den deutschen Markt bestimmt war, erscheint heute nur in der Schweiz.

Was ist los in Berlin? Zweifeln die deutschen Bosse an Baschi? Platzt der Deal womöglich? «Nein, überhaupt nicht», wehrt sich Baschi im Gespräch mit dieser Zeitung. Universal Deutschland habe den «perfekten Termin» für die grosse Promotionskaskade einfach «noch nicht gefunden».

Ein «gutes Zeichen»?

Baschi wertet die Verschiebungsorgie sogar als «gutes Zeichen». «Es ist den Deutschen eben nicht egal, was mit Baschi geht. Sie suchen die perfekte Kampagne zum perfekten Zeitpunkt.» Das Zögern zeigt aber auch, wie schwierig es ist, einen Schweizer im deutschen Markt zu lancieren. «Niemand hat in Deutschland auf Baschi gewartet», sagt Baschi realistisch.

Ganz im Gegensatz zur Schweiz. «Hier konnten und wollten wir nicht mehr zuwarten», sagt Baschi. Heute steht «Auf grosser Fahrt» in den Regalen – in einer limitierten Schweizer Ausgabe, mit einem kleinen Schweizer Kreuz auf dem Cover mit nur zehn Songs auf der CD. Auf der deutschen Fassung sollen es dann gegen fünfzehn sein. Auch das Cover wird anders aussehen.

Der hochdeutsche Baschi ist anders als «euse Baschi»: Ein stiller, eher introvertierter Rebell mit ruhigen, schwermütigen und sehnsüchtigen Songs, ernsthaften Texten und schweren, schleppenden Beats. «Auf grosser Fahrt» ist eine in sich geschlossene homogene Sache, weniger rockig, aber auch weniger abwechslungsreich als das, was wir von Baschi gewohnt sind. Und es fehlen die Provokationen.

Baschi ist nachdenklich

Baschi präsentiert sich nachdenklich und es steckt viel Autobiografisches in den Texten: «Ich hab mich geändert und neu erfunden», singt er auf dem Titelsong und auch auf «Ich bin kein Pessimist». Viel von Aufbruch ist die Rede, aber auch von Unsicherheit und Zweifeln: «Heute bin ich top, morgen nur ein Flop», heisst es in «Steh auf».

Doch welches ist der richtige Baschi? «Beide», antwortet er, auf «Auf grosser Fahrt» zeige ich nur eine andere Seite von mir. Ich bin vieles und mag vieles. Rammstein, Hip-Hop...und am liebsten würde ich ein akustisches, sparsam instrumentiertes Album machen.»

«Für die Deutschen bin ich der smarte junge Schweizer mit der markanten Stimme», sagt Baschi, «aber die haben ja keine Ahnung, wie ich ticke. Mein Image schärfe ich dann schon noch.» Er betont, dass die Provokationen und Skandale in der Schweiz aus dem Moment heraus entstanden sind. «Mein Image ist nicht künstlich aufgebaut», sagt er, «ich bin ein Stück weit unberechenbar und unkontrollierbar und kann für die Deutschen nicht den introvertierten Songschreiber mimen. Ich will zurückhaltend und bescheiden starten und danach eins draufgeben.»

Bekanntes Material

Zwei Songs, «Irgendwie Wunderbar» und «Dieses Lied» («Wenn du das Lied ghörsch), kennen Baschi-Fans schon in einer Mundart-Version. Baschi hat den Text ans Hochdeutsche angepasst und in Berlin neu aufgenommen. Mit Gewinn: «Wunderbar» hat neu einen C-Teil. Das Tempo von beiden Songs wurde verschärft und mit Streichern aufgemotzt. Ziel war es, die grossen Melodien und Hymnen mit anderen Mitteln als mit Gitarrenbrettern stadionmässig zu produzieren. Das ist gut gelungen.

Doch Baschi weiss nicht so recht, wie er auf Hochdeutsch bei seinen Schweizer Fans ankommen wird. «Wenn ich in den Top 3 landen kann, bin ich hochzufrieden», sagt er zurückhaltend. Und überhaupt: Sein Hauptfokus gelte längst seinem Mundart-Album, das am 3. Dezember erscheinen wird. «Wir haben 30 Songs geschrieben, die anders abgehen: frech und rotzig.»

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