Franziska Schädel

Für einmal habe seine Frau nicht recht behalten. «Mach dir keine Illusionen, hat sie gesagt. Kein Mensch wird kommen», freute sich Joe Amberg und begrüsste die Gäste. Eigentlich wollte er mit 75 seine Memoiren schreiben. Dann habe er sich aber im Laufe des Schreibens an so manches Erlebnis erinnert, dass er auf «Abwege» geraten sei: aus den Memoiren wurde ein Abenteuerbuch. Die eigentlichen Memoiren folgten in einem zweiten Band. Aus beiden Büchern gab Amberg am Samstag einige Passagen zum Besten.

Ein packender Erzähler

Und der Birmensdorfer kann nicht nur schreiben, er kann auch erzählen. Er tat dies so farbig und packend, dass man mit «Joe dem Bruchpiloten» bangte und mit den beiden Schulbuben in Seenot schlotterte. Und bei der Beschreibung seiner Odyssee durch die amerikanisch-kanadische Bürokratie waren ihm die Lacher aus dem Publikum gewiss.

Amberg, das wurde schnell klar, kann über sich selber schmunzeln. So gestand er freimütig ein, dass seine Karriere als Kunstmaler vor allem seine Lehrer einiges an Nerven gekostet habe, denn er sei wohl eher ein umgeschulter Treuhänder denn ein Künstler. Auch seine Gehversuche als Musikproduzent hat er nach der Produktion einer CD mit eigener Örgelimusik auf Anraten seiner Musiklehrerin bald wieder eingestellt. Seine Schilderungen aber, wie steinig dieser Weg war, erheiterten sein Publikum.

Mit dem Gedächtnis allein hätte er seine beiden Bücher nicht schreiben können, gestand Amberg auf eine Frage aus dem Publikum. Er habe gesammelt, was man irgendwie sammeln könne: Taschenagenden und Zeitungsartikel, Fotos, Briefe. «Daraus entsteht ein Erinnerungsgitter, das vom Gedächtnis ausgefüllt werden kann», so Amberg. Es sei ein spannender Prozess geworden.

Aber auch die Schrecken erlebe man nochmals, so Amberg, und er habe sich zuweilen auch darüber Rechenschaft abgelegt, dass das Buch seines Lebens wohl sehr viel dünner geworden wäre, wenn sein Schutzengel nicht manchmal Überstunden gearbeitet hätte.

Kein weiteres Buchprojekt geplant

Ein drittes Buch plane er nicht und auch keinen Roman, dafür fehle ihm die Fantasie. Da dürften ihm nach der Lesung wohl einige widersprochen haben.