Auf Trophäenjagd im neuen Revier

Vom Strickclub über den Zimtmarkt bis zum Grog-Trinken mit Seefahrermusik: Von Freitag bis Sonntag öffnen über 30 Galerien, Boutiquen und Treffpunkte im Kleinbasel ihre Türen. Das sechste REH 4-Festival lädt dazu ein, das viel gescholtene «mindere Basel» neu zu entdecken.

Drucken
Teilen
Angie Rufer

Angie Rufer

Aargauer Zeitung

Tara Hill

Das Kleinbasel gerät nicht aus den Schlagzeilen: Soeben behauptete der Walliser SVP-Nationalrat Oskar Freysinger, das «mindere Basel» bestehe nur noch aus ausländischen Clangesellschaften. Eine grobe Übertreibung: Denn der urbane Stadtteil zwischen Wettstein- und Dreirosenbrücke hat auch viele versteckte Perlen zu bieten.

Um dies zu beweisen, öffnen über 30 Räume im Kleinbasel dieses Wochenende ihre Tore: Mit der sechsten Auflage des «REH 4»-Festivals laden alternative und subversive Kulturschaffende von heute bis Sonntag dazu ein, ihr Revier auszukundschaften. «Es geht darum, mit offenen Augen durchs Kleinbasel zu ziehen, und neue Orte kennenzulernen, die ausserhalb der gewohnten Umgebung liegen», umreisst Angie Ruefer, Präsidentin des Vereins «REH 4», das Ziel des dreitägigen Anlasses, der jeweils halbjährlich stattfindet.

Junges, zeitgenössisches Kunstschaffen

Zu REH 4 gehören sowohl Quartiertreffpunkte wie die Carambolage-Bar, das Sudhaus oder der Wochenmarkt auf dem Matthäusplatz als auch kleine Kunstgalerien wie die Gallery Guillaume Daeppen oder das «Dock» - Orte also, an denen sich junges, zeitgenössisches Kunstschaffen entdecken lässt.

Auch eine Vielzahl von kleinen Design- und Modeboutiquen beteiligen sich an «REH 4»: Etwa das renommierte Atelier der Modedesignerin Claudia Güdel, der Coiffeursalon K-Pony oder das Joint Venture zwischen dem Plattenladen Plattfon und der Galerie Stampa. «All diese Räume sind progressiv und avantgardistisch, und verfügen über eine starke konzeptionelle Prägung», erklärt Ruefer: «Hier kann man in das vielfältige Kulturschaffen der Off-Szene eintauchen.»

Das Projekt REH 4 ist inhaltlich nicht begrenzt - einziges Kriterium für die Teilnehmer sei, dass die Räume im Kleinbasel regelmässig bewirtschaftet würden. «Die meisten unserer Mitglieder betreiben diese Orte aus Herzblut, nicht aus Profitdenken. Es geht darum, kleine, subversive Nischen zu schaffen, die eine neue Perspektive auf die Stadt eröffnen.» Das Kleinbasel eignet sich dafür mit seiner Dichte an Ladenlokalen mit einigermassen günstigen Mieten ganz besonders.

Projekt findet nicht nur Freunde

Kein Wunder steht die sechste Auflage unter dem Motto «Zukunft für alle»: «Wir wollen einer Hoffnung Ausdruck geben, dass auch diese Räume in der Stadt Platz haben - denn diese junge Kunstszene trägt nicht nur zum Image Kleinbasels, sondern auch zur kreativen Aufwertung der ganzen Stadt bei. Diese profitiert von der Inspiration aus dem Kleinbasel», betont Ruefer.

Dass ihr Projekt aber nicht nur Freunde findet, musste der Verein vor einigen Wochen selber feststellen: In einem veritablen Saubannerzug wurden nachts Scheiben eingeschlagen und Wände der REH 4-Mitglieder mit Slogans wie «Kunschtis raus» beschmiert. «Es ist schade, dass sich gewisse Menschen nur in einer solch destruktiven Weise ausdrücken können», bedauert Angie Ruefer die Vorfälle. Da noch wie vor unklar sei, wer hinter den Anschlägen stecke, will sich der Verein REH 4 aber nicht weiter zum Thema äussern.

Lieber skizziert Ruefer, wie ein Rundgang durch dieses alternative Revier aussehen könnte: «Mir schwebt vor, dass die Besucher einfach mal irgendwo reinschauen, mit neuen Leuten in Kontakt kommen und sich dann von Ort zu Ort treiben lassen - also ohne fixen Plan um die Häuser ziehen und dabei auf die Jagd nach Trophäen zu gehen.» Wer weiss, vielleicht lässt sich ja sogar Oskar Freysinger dazu ermuntern, an Ort und Stelle seine Vorurteile zu überprüfen?

Detailliertes Programm unter www.reh4.ch, alle Läden haben mindestens von 12 bis 19 Uhr geöffnet.

Aktuelle Nachrichten