«Bamm». Das macht Spass: Mit Bowling-Kugeln Skulpturen abschiessen. Es sind Holzobjekte von Claudia Comte. «Die Kleinsten, die ich bisher gemacht habe», sagt sie. Die Bowlingbahn ist Teil ihres Kunsthappenings «NOW I WON» auf dem Messeplatz. Die Installation wiederum ist die grösste Arbeit, welche die 33-jährige Künstlerin bisher realisiert hat. Sie trägt Shorts, T-Shirt, die langen Haare offen unter dem Käppi in Försterfarbe, darauf die Sonnenbrille. Die nackten Beine stecken in schweren grünen Cowboystiefeln. Eine Braut für ein Harley-Treffen.

Claudia Comte ist die Bodenständige im Kunstbetrieb. Sie arbeitet mit Kettensägen. Kreiert aus Baumstämmen Schriftzüge, und zündet diese auch mal an. «Leider geht das hier in Basel nicht, aber ich werd nochmals nachfragen», sagt sie mit entwaffnendem Lächeln. Das trashige Image trügt. Die junge Schweizer Künstlerin hat bereits ein beachtlich differenziertes, viel beachtetes Œuvre produziert. Von ihrem Atelier in Berlin aus produziert sie Ausstellungen und Installationen für Paris, Toulouse, New York, Palm Springs oder die Art Miami. Das Kunstmuseum Luzern stellte ihr im Frühling 2017 zehn Räume zur Verfügung. 2014 erhielt sie den Swiss Art Award.

Bowlen, tanzen, armdrücken: Wie sich die Öffentlichkeit an Claudia Comtes  «Funfair» vergnügt

Bowlen, tanzen, armdrücken: Wie sich die Öffentlichkeit an Claudia Comtes «Funfair» vergnügt

Im Interview verrät die Künstlerin, dass die Installation eine Hommage an Basel ist.

Wer hat gewonnen?

Wir stehen im Schatten ihrer Installation. In den sieben Jahrmarktboxen vergnügt sich das Publikum. Es ist Comtes letztes Interview an diesem Mittwochnachmittag. «Did you win now?», frage ich. Sie lacht. «Ja, vielleicht schon! Auf jeden Fall bin ich mit meiner Arbeit und der Arbeit meines Teams sehr zufrieden.» Rund 70 Personen haben an ihrem Projekt mitgearbeitet. Gärtner für den Rasenteppich, Schreiner für die Jahrmarktstände, Zimmerleute für die Schrift aus Baustämmen, das Team der Art Basel und nicht zuletzt die 36 Personen, die täglich auf der Kunstkirmes arbeiten. Die Künstlerin ist ein mittleres KMU.

«Natürlich rührt das daher, dass ich gerne grosse Werke realisiere, die das Publikum dazu animieren, das Kunstwerk zu vervollständigen», erklärt Comte. Die junge Frau aus der Romandie spricht eloquent über ihr Werk. Darauf angesprochen, ob der Schriftzug «NOW I WON» auch ihre Situation als Künstlerin reflektiere, antwortet sie: «Natürlich gibt es da eine Verbindung. Aber jeder ist ja frei, die Arbeit so zu interpretieren, wie er will.»

Ein durchdachtes Spiel

Einerseits spielt Comte ein Spiel mit allen Bedeutungsebenen, die ihr Jahrmarkt im Hof der Art Basel evoziert. Andererseits geht es ihr um die geometrische, skulpturale Form. Nicht umsonst sind Künstler wie Brancusi, Hans Arp oder die Schweizer Konstruktivisten Ausgangspunkte für ihr künstlerisches Schaffen. «Dazu kam mein Interesse an diesem Palindrom ‹NOW I WON›, einer Zeichenkette, die vorwärts wie rückwärts gelesen identisch ist. Ich hab daraus einen brachialen Schriftzug geformt, der etwas an die Flintstones erinnert», erklärt die Künstlerin.

Drei Komponenten, die sich durch Comtes gesamtes Werk ziehen: Sie kreiert streng konzipierte Räume, meist mit geometrischen Ornamenten, die den Rahmen für ihre weich geformten Skulpturen bilden. Geometrie und Organisches treffen zusammen. Hinzu kommen humoristische Elemente. Ohne diese gehe es nicht, sagt die Künstlerin. Zum formalen Reichtum gesellt sich Präzision: Die sieben Kirmesboxen entsprechen den sieben Buchstaben des Schriftzugs.

Jahrmarkt und Kunstmesse, eine offensichtliche Parallele, die durchaus gewollt ist. Comte ist aber auch begeistert darüber, dass der gleich nebenan gastierende Zirkus Knie das Bild von Show und Business vervollständigt.

Sie selbst ist nun auch Teil dieses grossen Business geworden, oder? «Ach, ich weiss nicht. Die ganz grossen Preise hab ich noch nicht gewonnen», antwortet sie. «Im Moment geht es mehr darum, in diesem ganzen Trubel auf der Spur zu bleiben.»

Frühprägung im Chalet

Angesprochen auf ihre Wahl von Holz als Werkstoff, sagt Comte: «Es liegt sicher daran, dass ich auf dem Land, im kleinen Dorf Grancy bei Lausanne aufgewachsen bin. Vielleicht auch, weil mein Elternhaus ein Chalet war.» Sie lacht wieder. «Mein Bezug zu Bäumen und zum Holz kommt aus der Kindheit. Als ich an der Kunstschule in Lausanne begann, hat es sich schnell als mein Material erwiesen.» Und der Umgang mit Kettensägen? «Ich brauchte diese Maschine einfach. Klassische Holzbildhauerei mit Stechbeutel und Hammer hat mich nie interessiert. Ich musste mir den Umgang mit dem Teil jedoch selbst beibringen, weil niemand mir das zugetraut hat damals.»

Braucht es diese grossen Gesten wie bei «NOW I WON», um der Kunst Geltung zu verschaffen? «Wenn ich die Menschen erreichen will, braucht es das sicher. Aber diese grossen Dinger entstehen auch, weil ich es liebe, mit der Grösse von Objekten zu spielen.» Die Art-Besucher können noch bis Sonntag von dieser Liebe profitieren. Das Dach der Installation mit den Baumstämmen als Sitzgelegenheit lädt zum Entspannen und schafft Übersicht. Ein guter Ort, um Menschen zu beobachten und über den Kunstjahrmarkt zu sinnieren.