Auf ein Wort-Kolumne

«Auf ein Wort»-Kolumne: Dieses Wort verbindet Mathematik und Essen

Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Die Mundartkolumne diesmal zu einem Wort, das wir heute nicht mehr so oft brauchen wie zu früheren Zeiten.

Im Dezember werden eifrig Terminlisten abgearbeitet mit den Wienachtsässe der verschiedenen Vereine und Firmen. Das gemeinsame Essen mit Freunden und Kollegen gehört heute zum Brauchtum des Jahresendes.

Wäre aber der Brauch schon alt, dann müsste er Wienachtsmool heissen, wie beim Liiche-, Grebt- oder Leidmool. Das Schweizerdeutsche Wörterbuch verzeichnet nur wenige Zusammensetzungen mit Ässe, aber Dutzende mit Maal, Mool (Mahl).

Da gibt es weitere feierliche Mahlzeiten im menschlichen Lebenslauf: Tauff(i)-, Chindbetti-, Hochziitmaal, im Handwerksbrauchtum: Uufricht(i)maal, und im bäuerlichen Jahreslauf: Trott- oder Wümmermaal bei der Weinlese, Wurstmaal bei der Metzgete.

Vorschriften der Obrigkeit versuchten zeitweise, den Aufwand für solche Gelage einzuschränken. Bis heute braucht die reformierte Kirche das Wort Oobe(d)mool (Berndeutsch auch Nachtmaal).

Unser Maal, Mool entspricht Althochdeutsch māl. Aufgrund seiner Bedeutung ‹Zeitpunkt, Fixpunkt, Marke› hat sich dieses Wort zunächst für die täglichen Essenszeiten eingebürgert; in der Schriftsprache wurde es verdeutlicht zu «Mahlzeit». Mit mahlen (zerreiben) hat unser Mahl trotz Mitwirkung der Mahlzähne sprachlich also nichts zu tun.

Eigentlich ist es identisch mit dem Mal, das die Häufigkeit bezeichnet, nur hat ihm die Schreibtradition ein Dehnungs-h verpasst. Die Fügung z Maale bedeutete ‹bei den Mahlzeiten›.

Aus dem Aargau stammt der Satz: Er isst nid vil z Moole, defür mee zwüschenie. Und einem haushälterischen Berner Hausvater wird der Spruch nachgesagt: Ds Jaar ist längs und der Maale ist mängs.

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