Sie macht wenig Aufhebens um sich. Mag eigentlich nicht über sich und schon gar nicht über ihre Kunst reden. Sie steht nicht gern im Fokus des Interesses, und an ihren Vernissagen mag sie kaum wahrhaben, dass der ganze Rummel ihretwegen stattfindet, dass ihre Bilder grosses Publikum anlocken. Annelies Strba ist eine prominente Exponentin der Schweizer Kunstszene, die international sehr gefragt ist.

Allein in den letzten beiden Jahren war sie in Ausstellungen in Hamburg, London, Liverpool, New York, Prag, Paris und Berlin zu sehen. Ihre Fotokunstwerke und Videoarbeiten sind unter anderem im Kunstmuseum Bern, im Kunsthaus Zürich, in der Hamburger Kunsthalle, im Centre Pompidou Paris, in der Weisman Foundation, Los Angeles, in der Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh, und auch im Kunsthaus Zug vertreten.

Schenkung ans Kunsthaus

Das Zuger Kunsthaus hat jüngst gemeinsam mit der Eidgenossenschaft ein Hauptwerk der Künstlerin angekauft. Die installative Fotoarbeit «Shades of Time» ist von 1970 bis 1997 entstanden, umfasst rund 240 Dias und ist die künstlerische Aufarbeitung eines Lebensabschnitts, der sich über mehr als zwanzig Jahre erstreckte. «Shades of Time» ist zurzeit im Kunsthaus ausgestellt, zum zweiten Mal nach 2001. Die Präsentation ist mit aktuellen Bildern aus den letzten zwei Jahren, einem Video und 35 Arbeiten angereichert, welche die Künstlerin aus Anlass des Ankaufs dem Haus und dem Bund geschenkt hat. Die Schenkung ist mehr als nur ein Dank für den Ankauf, sie hat auch mit der besonderen Beziehung der Künstlerin zu Zug zu tun.

Kindheit in Baar

Annelies Strba ist 1947 in Zug geboren und die ersten vier Jahre in Baar aufgewachsen, bevor die Familie nach Horgen umgezogen ist. Die Eltern arbeiteten beide in der Landis & Gyr, der Vater als Feinmechaniker, die Mutter als Sekretärin. Der Bezug zu Zug brach jedoch nicht ab, vor allem die emotionale Verbundenheit mit dem Ort ihrer Kindheit und Jugend hält bis heute an. Man muss Annelies Strba nur erzählen hören von ihrer Kindheit, der Familie des Vaters, vom Grossvater, der aus der Vojvodina zu Fuss in die Schweiz auswanderte, um in der Uhrenbranche Arbeit zu finden.

Glückliche Umstände führten ihn letztlich nach Zug, in die Landis & Gyr. «Sonntags waren wir immer im Kreis der Familie in Zug, auch noch als wir nach Richterswil gezogen waren», erzählt die Künstlerin, die sich noch an die Hütte in Inwil erinnert, die ihr Grossvater gebaut hat, und das nahegelegene Haus der Grossmutter, wo sich der Familienclan jeweils zum Musizieren, Singen, Spielen und Tanzen traf. Familiensinn und -pflege wurde bei Strbas hochgehalten. Die Familie spielte dann auch bei Annelies eine zentrale Rolle – im Leben wie in der Kunst.

Mit 15 Jahren bekam Annelies Strba ihren ersten Fotoapparat. Seither hat sie das Fotografieren nie mehr aufgegeben. Noch heute knipst sie mit dem Handy, was ihr vor die Linse kommt und gefällt, vor allem ihre Enkelkinder. Mit 16 entwickelte sie ihre Fotos bereits im eigenen Labor. «Das Entwickeln faszinierte mich, wie die Bilder entstanden, das war reine Magie.» Die Freude am Experimentieren hat sie bis heute bewahrt. Dass sie schliesslich eine Fotolehre machen konnte, war den reichlichen Tränen zu verdanken, die sie vergoss, bis sie die KV-Lehre abbrechen durfte.

Fotografierende Mutter

Kunst zu machen, war nie das Ziel von Annelies Strba. Schon als Kind war ihr klar, einen Künstler wollte sie heiraten und zehn Kinder mit ihm haben. Mit dem international bekannten Schmuckgestalter Bernhard Schobinger hat sie 1969 in Richterswil, wo sie heute noch lebt, einen Künstler geheiratet. Mit ihm hat sie drei Kinder bekommen und lange Zeit eine Bohème-Existenz gelebt mit wenig Geld, vielen Freunden und Festen. «Ich war damals überfordert: die Kinder, der Haushalt, die vielen Gäste, die Galerie meines Mannes – das drohte mir über den Kopf zu wachsen.»

Trotzdem hat Annelies Strba auch in dieser Zeit ständig fotografiert, Tag und Nacht, vor allem ihre Kinder Sonja, Samuel und Linda. Besonders oft die beiden Töchter vom Kleinkind bis zum Teenager. Über 10 000 Bilder hatten sich angesammelt, als Mendes Bürgi, damals Direktor der Kunsthalle Zürich und heute Direktor des Kunstmuseums Basel, von der fotografierenden Mutter hörte und mit der ersten Präsentation ihrer Arbeiten in seinem Haus Annelies Strba 1990 für die Kunstszene entdeckte.

Innere Bilder

«Ich bin keine Fotografin», sagt Strba. «Für mich ist die Kamera nur ein Medium, mit dem ich meine inneren Bilder hervorbringen kann.» Nicht die äussere Erscheinung interessiert die Künstlerin, sondern jenes Traumhafte, bisweilen märchenhaft Verwunschene, das vor allem in ihren neueren Arbeiten steckt. Eindeutig festlegen lassen sich die neuerdings digital überarbeiteten Bilder nicht, sie bieten den Betrachtern ein breites Feld für eigene Interpretationen.

Offen bleibt auch, wie die Künstlerin es technisch anstellt, solche, selbst Computerfreaks verblüffende Bilder zu schaffen. «Ich kann es, weil ich es nicht kann», antwortet sie auf entsprechende Fragen. «Ich experimentiere, und die Bilder entstehen wie durch Zauberei.»

Annelies Strba «Shades of Time», Kunsthaus Zug. Di bis Fr 12–18 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr. Bis 19. Mai.
www.kunsthauszug.ch